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Volle Auftragsbücher im Handwerk

Klein Schulzendorf Volle Auftragsbücher im Handwerk

Das Handwerk boomt. Volle Auftragsbücher und steigende Umsätze können die meisten Gewerke der Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming für sich verbuchen. Aber es gibt auch Sorgen in der Ausbildung und in der Nahrungsmittelbranche.

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Der Vorstand: Geschäftsführerin Vilma Trempler, Steffen Hölscher, Vize-Kreishandwerksmeister Michael Graf, Hartmut Quappe, Kreishandwerksmeister Jörg-Günter Peschke, Sven Thielicke und Norbert Band (v. l.). Nicht auf dem Foto: Ralf Lindner.

Quelle: Elinor Wenke

Klein Schulzendorf. Dem Handwerk in der Region geht es so gut wie schon lange nicht mehr, auch wenn hier und da Nachwuchssorgen drücken. Dieses Resümee zog Kreishandwerksmeister Jörg-Günter Peschke in der Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming in Klein Schulzendorf. „Alle jubeln“, umschrieb er die Situation. Laut jüngstem Konjunkturbericht der Handwerkskammer Potsdam verzeichnen die Gewerke volle Auftragsbücher, gestiegene Umsätze und eine Konjunktur auf Rekordniveau. „Die Betriebe haben ein Auftragspolster von fast neun Wochen, im Bau sogar von zehn Wochen“, sagte Peschke. Anders die Situation im Nahrungsmittelgewerbe: Lediglich 60 Prozent der Betriebe seien mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zufrieden – das ist ein Minus von 23 Prozent.

Kreishandwerksmeister Jörg-Günter Peschke mit Wahlurne

Kreishandwerksmeister Jörg-Günter Peschke mit Wahlurne.

Quelle: Elinor Wenke

Trotz des schwierigen Ausbildungsmarktes sind zum 1. November in Teltow-Fläming 213 neue Ausbildungsverträge registriert worden, 35 mehr als im Vorjahreszeitraum. „Das ist im Kammerbezirk die höchste Steigerung“, erläuterte Peschke.

Bei den Gesprächen mit Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) sowie den Bürgermeistern von Trebbin, Blankenfelde-Mahlow und Zossen sei der Handwerker-Vorstand mit offenen Armen empfangen worden. „Wir haben mehr Unterstützung bei der Integration von ausländischen Jugendlichen als Azubis gefordert“, so Peschke. Bei der Wirtschaftswoche Teltow-Fläming sei das Handwerk noch nie so stark vertreten gewesen wie in diesem Jahr.

Zahlen und Fakten

Die Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming ist die Interessenvertretung der Innungsbetriebe gegenüber örtlichen Behörden und Parteien. Sie hat ihren Sitz in Jüterbog und zählt zurzeit 365 Mitglieder.

Zwölf Innungen sind derzeit vertreten: Bäcker- und Konditoren TF; Baugewerk TF; Dachdecker Potsdam-Süd; Fliesen-, Platten-, Mosaikleger Potsdam; Kfz-Handwerk Jüterbog/Luckenwalde; Kfz-Handwerk Zossen; Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechniker Süd-Ost; Maler und Lackierer TF; Metallbauer TF; Schornsteinfeger Potsdam; Süd-Märkische Elektro-Innung und Tischler TF.

Mehr als zwei Drittel der Handwerksbetriebe bewerten ihre Geschäftslage mit gut bis sehr gut. Die Hälfte der Betriebe meldet eine Vollauslastung.

190 Meisterbriefe werden am 18. November im Kammerbezirk Potsdam feierlich ausgereicht, davon 15 aus Teltow-Fläming.

Da Hartmut Hagedorn aus dem Vorstand der Handwerkerschaft ausgeschieden ist, wurde eine Nachwahl notwendig. Zum neuen Stellvertreter von Jörg-Günter Peschke wurde Kfz-Innungsobermeister Michael Graf gewählt. Elektro-Innungsobermeister Ralf Lindner rückte in Abwesenheit als Vorstandsmitglied nach.

„Den Bäckern geht’s nicht so gut wie den Maurern“, beklagte Obermeister Wolfgang Müller, „zurzeit haben wir eher ein Bäcker-Sterben.“ Eigentümer kleiner Betriebe würden Insolvenz anmelden oder sich zur Ruhe setzen.

„Unsere Innung läuft in ruhigem Fahrwasser“, schätzte Tischler-Obermeister Johannes Schmidt ein. Allerdings seien einige Kollegen nicht mehr gewillt, auszubilden. „Bedauerlicherweise gehen die ausgebildeten Lehrlinge völlig aus dem Beruf raus“, sagte er, „das macht unzufrieden.“ Zudem gibt es laut Schmidt ein weiteres Phänomen: „Weil sie wissen, dass sie dringend gebraucht werden, tanzen die Gesellen und Lehrlinge den Meistern auf der Nase rum, das kann nur ins Chaos führen.“

Durchfallquote von 90 Prozent bei Schornsteinfegermeistern

Schornsteinfeger-Obermeister Gebhard Grunwald verwies auf eine Durchfallquote von 90 Prozent in der Meisterausbildung. „Zumeist sind es sehr junge Leute, denen die Praxis fehlt“, erklärte er. An der Handwerkskammer bemängelte er, dass sie die Ergebnisse der Meisterprüfungen viel zu spät bekanntgebe. Nachholbedarf in der Mitgliedergewinnung sieht Maler-Obermeister Sven Thielicke. „Wir haben bisher nur vier Innungsmitglieder, es gibt also viel zu tun“, sagte er.

Probleme mit den Ordnungsämtern beklagte Dachdecker-Obermeister Hartmut Quappe. „Dauernd kriegen wir Knöllchen, wenn wir beim Abladen mal falsch stehen. Wir wollen keinen Freibrief, aber wir können nicht ständig bürokratische Anträge stellen“, sagte er.

Tickende Zeitbombe im Fahrzeug-Verkaufsgeschäft

Das Werkstattgeschäft in der Kfz-Branche schaffe „total gute Erträge“, so Obermeister Michael Graf, „aber das Verkaufsgeschäft ist eine tickende Zeitbombe, weil zurzeit Unmengen von Diesel-Fahrzeugen auf Halde stehen“. Norbert Band aus dem Sanitär- und Klempnergewerk stellte fest: „Wir haben unser Handwerk in den letzten Jahren nicht weitergetragen. Wir müssen ausbilden, unsere Leute gut bezahlen und brauchen auch Migranten.“

Von Elinor Wenke

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