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Voller Einsatz im Tierheim

MAZ-Volontärin hilft bei der Pflege von Hund, Katze & Co. Voller Einsatz im Tierheim

Wer sich im Tierheim um Hunde, Katzen und andere Tiere kümmert, merkt schnell, dass das ein Knochenjob ist. Diese Erfahrung hat auch MAZ-Volontärin Anne-Kathrin Fischer gemacht, als sie einen Tag lang im Tierheim Zossen mit anpackte. Für Kuscheleinheiten mit den pelzigen Bewohnern bleibt da wenig Zeit.

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Nina Meulkel, Teresa Losiak, Julia Dittmer und Lisa Jock (v. l.) vom Tierheim Zossen.

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

Zossen. Das laute Miauen, es ist eher ein empörtes Klagen, kündigt den Neuzugang im Tierheim Zossen an: Zwei Ordnungsamtsmitarbeiter aus Potsdam tragen eine kleine getigerte Katze in einem Gitterkäfig. „Passen Sie auf, ein Kollege wurde schon gebissen“, sagt einer von ihnen zu Lisa Jock, die sich des kleinen Schreihalses annimmt, und steckt noch einen Fünf-Euro-Schein in die Spendenbox.

Ich begleite derweil Julia Dittmer, die für die Hunde zuständig ist. Im ersten Auslaufgehege leben Porthos, eine junger Beagle-Mix, und Monja, eine Schäferhundmixhündin, die wie wild hin und her läuft und sich einen Bell-Duell mit dem Rüden des angrenzenden Zwingers liefert. Mir ist etwas mulmig zumute, als ich mit in das Gehege gehe – aber während Monja mich gar nicht wahrnimmt, ist Por­thos am Anfang sehr misstrauisch und kann nach einem kurzen Beschnuppern dann gar nicht genug kuscheln. Doch Julia Dittmer kennt ihre Zöglinge genau, sie würde mich ohnehin nicht zu Hunden lassen, die Fremden nicht freundlich gesinnt sind. Bei anderen Hunden bittet sie mich später, draußen zu warten.

Hintergrund

12 Hunde, 70 Katzen, acht Farbmäuse, zehn Meerschweinchen, zwölf Kaninchen und zwei Wellensittiche leben derzeit im Tierheim Zossen.

Umsorgt werden sie von vier hauptamtlichen Mitarbeitern, einem Ehrenamtlichen mit Aufwandsentschädigung, drei Bufdis und jeweils einem FÖJ-ler und im EQJ-ler.

Ehrenamtliche Helfer führen Hunde aus oder schmusen mit den Katzen.

Das Tierheim wird von den Vereinen Aktion Tier und Verein der Tierfreunde Schützende Hand betrieben. Es ging aus einem Katzenasyl hervor, welches die Haustiere einst dort stationierter Russen aufgenommen hatte.

Mit den Gemeinden Stahnsdorf, Kleinmachnow, Zossen, Mellensee und Potsdam bestehen Fundtierverträge.

Daneben finanziert sich das Heim dank Vereinsgeld und Spenden.

Mit einer Riesenschaufel sammeln wir zunächst Kothaufen – für Julia das Normalste der Welt, ich rümpfe die Nase. Danach fegen wir die Platten, anschließend gehen wir mit einem Gartenschlauch in die Zwinger, alle Hunde bekommen frisches Wasser, außerdem wird ihr „Planschbecken“ aufgefüllt. Nun bin ich erschöpft: Meine Arme schmerzen, meine Schuhe sind nass geworden, die Kleidung ist voller Sand und Haare, ich rieche extrem nach Hund. Vor allem nach den vielen sicherlich lieb gemeinten Küsschen denke ich: Ich will unter die Dusche.

Doch die Tiere wollen versorgt werden – nun gehe ich bei Nina Meulkel mit. Die 19 Jahre alte Bundesfreiwilligendienstleistende kümmert sich hauptsächlich um die Kleintiere. Für die Kaninchen und Meerschweinchen schneiden wir frisches Gemüse, brechen Möhren in kleine Stücke und füllen das Trockenfutter auf. Anschließend soll ich das Wasser der Nager erneuern – ideal, am Becken kann ich mir endlich einmal Hände und Arme abspülen, ein tolles Gefühl. Ausmisten müssen wir nicht. „Das ist eine der anstrengendsten Aufgaben, das machen wir meistens mit mehreren Leuten“, erklärt mir Nina. Ich bin erleichtert, dass es heute nicht auf dem Plan steht, denn mir tut schon nach drei Stunden alles weh. „Na, dann hab‘ ich was für dich“, sagt Nina. Sie führt mich über das Gelände – in einen Raum voller Babykatzen! Vor allem Emilio, ein unglaublich zutraulicher schwarzer Kater, hat es mir angetan. Er lässt sich sofort auf den Arm nehmen und wird einer dringenden Knuddelattacke unterzogen, sein Fell ist samtig weich und er schnurrt ununterbrochen auf meinem Arm. „Man muss sich auch mal Pausen gönnen“, sagt Nina, die sich gut erinnern kann, wie ausgelaugt sie in ihrer ersten Zeit im Tierheim war.

Sie hatte recht: So eine kurze Kuschelpause gibt wieder Kraft. Nun sind nämlich die Katzenausläufe dran – zum Glück wurden die Gehege schon grundgesäubert, nur pro forma und damit ich auch dort einen Einblick bekomme, reinigen Nina und ich einen Raum. Es riecht etwas streng, also bekomme ich gleich eine kleine Schaufel in die Hand, mit der ich das Klo säubern kann. Dann die Katzen dazu bewegen, von den Handtüchern zu gehen, kräftig ausschütteln – die Tierhaare fliegen. Der Boden wird gefegt und gewischt, anschließend werden die Näpfe aufgefüllt. Und natürlich jedem Bewohner kurz guten Tag sagen – Nina kennt alle Namen und die Geschichte der Tiere.

Am Nachmittag kommen die ersten Besucher. Während drei junge Mädchen, die jedes Jahr in den Ferien zu Besuch sind, zum Kuscheln zu den Katzen gehen, erkundigen sich zwei ältere Damen nach Porthos – den sie im Internet gesehen haben. Doch Dittmer muss sie enttäuschen – der junge Rüde braucht eine erfahrene Hand. „Ich will nur verhindern, dass der Hund dann wieder zurückkommt“, sagt die 26-Jährige. Denn Porthos wurde als Welpe vernachlässigt – heute ist er sehr lieb, aber auch sehr unsicher.

Zuletzt begleite ich Lisa Jock in die Quarantäne-Station. Erst mal müssen zwei von kranken Tieren genutzte Katzenklos entleert werden. Lisa Jock gibt mir Müllbeutel, in die ich das nasse Streu füllen soll, eine Menge geht daneben. Als ich das Dach der zweiten Katzentoilette abnehmen will, fasse ich in etwas sehr Glitschiges, ziehe erschrocken den Arm zurück. Nur gering schlimmer als das, was ich dachte: Ich habe eine Nacktschnecke angefasst.

Das Tragen der Säcke mit Streu zum Container wird zur Höllenqual – ich muss die Beutel mehrmals abstellen, so schwer sind sie. Doch Lisa Jock ist sehr geduldig mit mir. Geduld ist ohnehin etwas, das die junge Frau in ihrem Beruf tagtäglich aufbringen muss. Sie ist dafür verantwortlich, extrem scheue Tiere zu zähmen, so wie derzeit die drei Jungen einer Streunerkatze. „Ich rede mit ganz ruhiger Stimme viel mit ihnen und gewöhne sie immer wieder an Berührung “, erklärt Lisa Jock, die im Tierheim ein Einstiegsqualifizierungsjahr absolviert. Selbst Kater Emilio hat sie auf diesem Wege zutraulich gemacht. Bei dieser Behandlung wird sicher auch das kleine Kätzchen vom Morgen bald handzahm sein.

Von Anne-Kathrin Fischer

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