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Vom Lager zur Wohnung im Industrie-Stil

Jüterbog Vom Lager zur Wohnung im Industrie-Stil

Das alte Fabrik- und Lagergebäude, in dem Michael Poser heute wohnt, hat schon viele Jahre auf dem Buckel. Bevor der Jüterboger es kaufte, befanden sich beispielsweise Essigfässer und Fahrzeuge darin. Wohnen wollte er aber ursprünglich gar nicht in dem Haus, das heute seine Traumwohnung ist.

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Wo heute eine Hängetreppe zum Wohnzimmer führt, standen früher meterhohe Essigfässer.

Quelle: Victoria Barnack

Jüterbog. Er musste viele Bauanträge stellen, bis sein Wohnhaus zu dem werden konnte, das es inzwischen ist. Michael Poser hat in mehr als zehn Jahren Bauarbeiten allerdings nicht nur Nerven in das alte Fabrikgebäude gesteckt, sondern auch Unmengen an Zeit, Geld und Schweiß.

Dabei hatte er anfangs ganz andere Pläne für den 150 Jahre alten Backsteinbau. „Ursprünglich sollte es ein Café mit Außenbereich werden“, erläutert der Jüterboger. Dort zu wohnen war auch deshalb keine Option, weil Michael Poser damals bereits ein kleines Haus besaß.

Garten und Terrasse wurden prächtig hergerichtet

Garten und Terrasse wurden prächtig hergerichtet.

Quelle: Victoria Barnack

Das Schicksal hielt allerdings andere Pläne für ihn parat. Denn das Genehmigungsverfahren zog sich derart in die Länge, dass es den Traum vom eigenen Café schließlich zunichte machte. „Der Weg wurde immer steiniger, so dass ich meine Idee begraben musste“, erinnert er sich.

Ein Verkauf des 1400 Quadratmeter großen Grundstücks kam für Poser dennoch nicht in Frage – zu viel Arbeit, Zeit und Geld hatte er bereits in das Vorhaben gesteckt. Die Probleme wurden aber auch mit dem Neustart nicht geringer. Vor allem die Bürokratie stand Poser im Weg. „Ich musste einmal komplett umdenken und natürlich auch einen neuen Bauantrag stellen“, berichtet er.

Ruhe unterm Dach

Ruhe unterm Dach.

Quelle: Victoria Barnack

Dabei ist Geduld gar keine große Eigenschaft des Jüterbogers. Poser ist eher ein Paradebeispiel für die handwerkliche Machermentalität. Sie ließ ihn das ein oder andere Mal fast verzweifeln. „Ich kann nicht warten“, gibt er zu, „lieber fange ich sofort an zu arbeiten.“

Aufzugeben war trotzdem nie eine Option. „Alle, die mir gesagt haben, dass ich das nicht schaffe, haben mich nur angespornt“, sagt er, „und das waren viele.“ Nur seine Eltern glaubten an das Vorhaben, das alte Lager der Konservenfabrik in ein außergewöhnliches Zuhause zu verwandeln – vor allem, weil Michael Poser keine fremden Handwerker an seinem Haus sehen wollte: „Wenn ich mir 100 Firmen herhole, geht zwar alles schneller, aber es nimmt dem Gebäude auch seine Seele.“

Kinderzimmer in außergewöhnlichem Design

Kinderzimmer in außergewöhnlichem Design.

Quelle: Victoria Barnack

Inzwischen zieren unzählige Details die offene Wohnung auf zwei Etagen, die fast komplett ohne raumtrennende Wände auskommt. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich in diesem Gebäude kein Rigips sehen will, sondern rohe Wände“, berichtet Poser. Auch Lampen und Lichtschalter stammen noch aus der Zeit, in der das Gebäude entstanden war.

Für die einzigartige Einrichtung hatte Michael Poser bereits vor dem Grundstückskauf ein kleines Depot angelegt. Außerdem erwarb er mit dem Gebäude auch einen großen Haufen Krempel, der auf den 500 Quadratmetern im Inneren untergebracht war. „Drei Monate lang habe ich nur Müll rausgefahren und weggeschmissen“, erinnert er sich, „das war schon sehr frustrierend.“ Zwei riesige Essigfässer baute der Jüterboger auseinander und sitzt nun mit seiner Familie und Freunden darauf. „Denn aus den Dielen habe ich den Fußboden der Terrasse gebaut“, berichtet er.

Michael Poser schraubt in seiner Werkstatt an Fahrzeugen

Michael Poser schraubt in seiner Werkstatt an Fahrzeugen.

Quelle: Victoria Barnack

Weiteres Zubehör für das Gebäude kauft er dann, wenn es andere Menschen wegschmeißen würden, wie zum Beispiel den alten Zaun vor dem Grundstück. Er stammt aus der Gründerzeit und stand in seinem früheren Leben in Treuenbrietzen. „Dafür musste ich sogar einen eigenen Bauantrag stellen“, sagt der Jüterboger, „für einen einfachen Maschendrahtzaun hätte ich das nicht gemusst.“ Auch die gusseisernen Fenster entsprechen wieder dem Zustand, den sie noch vor der Zeit der DDR hatten.

Sein Hang zum Alten hatte beim Umbau des alten Fabrikgebäudes zum Wohnhaus für Michael Poser einen entscheidenden Vorteil: Der Denkmalschutzstatus, der auf dem Gebäude liegt, war nie ein Problem für ihn. „Alte Sachen aufzuarbeiten und anschließend Neues in den Räumen zu integrieren, macht doch gerade den Reiz aus“, findet der Jüterboger.

Lichtschalter und Wände sind wieder im Originalzustand

Lichtschalter und Wände sind wieder im Originalzustand.

Quelle: Victoria Barnack

Dass er sich auf alte, originale Baumaterialien beschränkte, machte die Arbeit an dem ehemaligen Fabrikgebäude zeitintensiv. Erst nach acht Jahren konnte er mit seiner Frau und den beiden Kindern einziehen. Seine Tochter war damals gerade geboren. Inzwischen hat sie ein eigenes, jugendliches Zimmer, das der Papa entworfen hat. Denn Michael Poser besitzt eine Gabe, die nicht vielen Männern zuteil wurde. „Wenn ich in einen Raum komme, sehe ich ihn schon fertig vor mir“, sagt er.

Eine komplette Zeichnung in fremde Hände zu geben und den Bau anderen Leuten überlassen, könne er aber nicht. „Denn ein Raum entsteht immer erst auf dem Weg“, erklärt Poser. Deshalb beschäftigt er sich inzwischen auch beruflich mit Architektur und Design. Von dem modernen, minimalistischen Stil, den er oft in Berlin sieht, hält er allerdings privat nichts. „Solche Räume sehen nur gut aus, wenn sie unbewohnt und perfekt aufgeräumt sind“, findet er.

Zum Hintergrund

Schon im Vorgängerbau wurde ein Gewerbe betrieben. Es gehörte einem Galanteriehändler. Das Gebäude selbst wurde 1872 erbaut und gehörte damals zu einem Destilleriebetrieb. 1894 entstand ein Neubau mit Remise, der als Pferdestall diente und diese Funktion fast 50 Jahre beibehielt.

1939 wurden eine Böttcherei und eine Saftpresserei in dem Gebäude eingebaut. Im Neubau blieb die Nutzung als Pferdestall jedoch noch zur Hälfte erhalten. Bereits zwei Jahre später wurde das Gebäude verkauft. Von den neuen Besitzern war es als Kraftwagenhalle verwendet worden.

1982 wurde in einem Bauantrag der Neubau einer Garage bewilligt. Zu dieser Zeit war das Gebäude offiziell als Lager für den VEB Essig & Senf eingetragen. 2003 erfolgte dann die Neuvermessung und damit auch die Grundstücksteilung samt Teilverkauf an Michael Poser.

Das Projekt vom Eigenheim in Industrie-Optik ist für Michael Poser auch mehrere Jahre nach dem Einzug noch nicht beendet. Sohn Florian soll eine Etage nach oben ziehen, damit im Erdgeschoss ein Gästezimmer entstehen kann. Der Sitzbereich auf der Terrasse benötigt noch ein Dach und der Papagei der Familie soll einen neuen Unterschlupf bekommen. Außerdem fallen immer wieder Kleinigkeiten wie ein Loch im Dielenboden oder eine kaputte Lampe an. „Fertig ist man eben nie“, weiß Michael Poser.

Von Victoria Barnack

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