Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Vom Säumen, Kürzen und Teddykostümen

Blankenfelde Vom Säumen, Kürzen und Teddykostümen

Der Blankenfelder Maßschneidermeister Rudi Pietzke ist seit 40 Jahren für seine Kunden da. Vor 35 Jahren legte er außerdem seine Prüfung zum Meister in Herrenmaßschneiderei ab.

Voriger Artikel
Syrische Kunst beim Flüchtlingsseminar
Nächster Artikel
Dammtorturm bald wieder begehbar

Rudi Pietzke bei der Arbeit. Vor 35 Jahren erhielt er seinen Meister als Herrenmaßschneider, hat aber von Beginn an für alle genäht.

Quelle: Andrea von Fournier

Blankenfelde. „Praktizierende“ Maßschneider gibt es nicht mehr viele. Rudi Pietzke in Blankenfelde hat vor 35 Jahren seinen Meister als Herrenmaßschneider vor der Potsdamer Handwerkskammer abgelegt. Seit der Wende wird jedoch nicht mehr nach Damen- und Herrenfach unterschieden. Und das hat auch der gebürtige Blankenfelder nie gemacht: Was an Arbeit auf den Tisch kam, wurde getan, egal, ob für Männer, Frauen oder Kinder. Und noch ein Jubiläum hat Rudi Pietzke in diesem Jahr, auf das er mindestens genauso stolz ist. Seit 40 Jahren ist er selbstständig.

Immer in Blankenfelde, nicht immer an der gleichen Stelle. Gerade ist er umgezogen, an einen dritten Standort. Der 67-Jährige möchte arbeiten, solange er kann und es ihm Spaß macht, wie er schmunzelnd sagt. Jetzt betreibt er sein Geschäft hinter einem Friseurladen, ungewohnt, weil er sonst allein war. Aber nicht schlecht, findet er.

Seine Stammkundschaft folgt dem freundlichen Meister natürlich nach. Gerade packt eine Marienfelderin ihre Bettwäsche zur Änderung aus: „So wie sie das damals auch gemacht haben!“, erklärt sie. Rudi Pietzke steckt das Gewünschte ab, und die beiden erzählen noch eine Weile. Bis vor ein paar Jahren wohnte die Kundin in Blankenfelde. Die neue Bleibe in Berlin ist pflegeleichter als ein Grundstück, doch auf Pietzkes Dienste möchte sie nicht verzichten.

„Regimentsschneider“ für Großbeerener Schlacht-Inszenierungen

In Großbeeren wird Rudi Pietzke scherzhaft als „Regimentsschneider“ bezeichnet. Er verfolgt die historische Schlacht in jedem Jahr vom Lager der Preußen aus. Uniformen näht er jedoch auch für Franzosen oder Holländer, schließlich ist er ein Geschäftsmann. Und so viele Neuanfertigungen werden heute nicht mehr gewünscht. Nur noch für fünf Prozent seiner Arbeit schwingt er Schneiderkreide und Schere auf neuen Stoffen, das meiste sind Änderungen, Ausbesserungen, Reparaturen, die er in Textilien oder Leder ausführen kann. Doch auch die kann er meisterhaft. Der lange Riss in der Lieblingsjeans ist später nur noch mit der Lupe zu sehen.

Zu Pietzkes beiden alten „Veritas“-Nähmaschinen sind nach der Wende eine „Singer“ mit vielen Programmen und eine Overlock-Maschine zum Ketteln dazugekommen. Sonst empfindet er es wie bei vielen Dingen in unserem Alltag: Das meiste sieht toll aus, hat aber nicht mehr so hohe Qualität, Futterstoffe beispielsweise. Wenn Meister Pietzke an besondere Aufträge denkt, so den TV-Auftritt von 30 Ballettkindern in den von ihm genähten Teddy-Kostümen, sieht er auch ein wenig stolz aus. Oder an seine eigene Bajuwarische Kollektion, die er vor der Wende schon hatte. Mit drei Mitstreitern führte er die Dirndl und Janker auch selbst vor und gewann auf der Magdeburger Leistungsschau den dritten Platz von 68 Modellen.

Über besondere Wünsche freut sich der Meister

„Abwechslungsreicher war’s früher“, resümiert er. Und natürlich konnte man in der Mangelgesellschaft gut verdienen. Die Leute kamen mit dem westdeutschen Nähmagazin „Burda“ und wollten genau so ein Abiball-Kleid, so eine Jeansjacke haben, die sie sonst nicht kriegten. Da spielte Geld keine Rolle. Wenn jetzt jemand mit einer Idee oder einem Foto kommt und etwas so geschneidert haben will, freut sich der Meister darum auch besonders. Eine angenehme Abwechslung zum Kürzen, zum Einnähen von Reißverschlüssen oder zum Gardinen säumen. Doch auch damit scheint er ganz zufriedenen in seinem kleinen, kreativen Refugium zu sein.

Seit April befindet sich die Schneiderwerkstatt von Rudi Pietzke in der Karl-Marx-Straße 17. Geöffnet ist immer dienstags, donnerstags und freitags, jeweils von 13 bis 18 Uhr. Es gibt eine neue Telefonnummer: 01 52/25 44 34 75.

Von Andrea von Fournier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg