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Teltow-Fläming Vom Taubenschlag zum Großflughafen
Lokales Teltow-Fläming Vom Taubenschlag zum Großflughafen
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08:17 28.12.2017
Blumen und Präsente erhielt der Beigeordnete Detlef Gärtner (SPD) von Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) bei seinem Abschied bei der letzten Kreistagssitzung 2017. Quelle: Hartmut F. Reck
Luckenwalde

Als der gerade frisch examinierte Volljurist Detlef Gärtner am 15. Juni 1992 seinen Dienst als Sachgebietsleiter im Bauordnungsamt der Kreisverwaltung Luckenwalde antrat, wusste er nicht, was er in diesem leeren Büro und an diesem leeren Schreibtisch in der Baracke gleich vorn rechts in der Grabenstraße 23 tun sollte. Jetzt weiß Gärtner nach fünfundzwanzigeinhalb Jahren nicht, wie er seinen übervollen Schreibtisch im Kreishaus Am Nuthefließ leer kriegen soll. Seine Dienstzeit endet am 31. Dezember. Die Räumaktion wird wohl erst Anfang 2018 vollendet.

Wagemutig den Abriss der alten Remise verhindert

Damals holten ihn die Ereignisse jedenfalls schnell ein: In der Buchtstraße hatte jemand einen viel zu großen Taubenschlag errichtet – direkt an der Grundstücksgrenze und auch ganz ohne Baugenehmigung! Ob er an seinem ersten Arbeitstag den Abriss des Taubenschlags verordnete, daran kann sich Gärtner jetzt nicht mehr erinnern. Dagegen weiß er noch ganz genau, wie er an seinem dritten Arbeitstag den Abriss der denkmalgeschützten Remise, in der jetzt die IHK im Luckenwalder Nuthepark residiert, verhinderte, indem er sich wagemutig zwischen das Gebäude und die Bagger stellte und einen Baustopp aussprach.

Entschlossenheit, Vernarrtheit, Parteizugehörigkeit

Vielleicht war es diese Entschlossenheit, wahrscheinlich aber eher die gleiche Computervernarrtheit und persönliche Sympathie sowie dieselbe Parteizugehörigkeit, die Landrat Peer Giesecke (SPD) auf den jungen Juristen aufmerksam machten. Als der Posten des Baudezernenten frei wurde, fragte er Gärtner, ob er das Dezernat übernehmen wolle. Er wollte. Das war der Beginn einer langen, aber nicht immer harmonischen Zusammenarbeit.

In seiner neuen Funktion bereitete Gärtner 1993 in seinem Bereich den Zusammenschluss der Kreise Jüterbog, Luckenwalde und Zossen vor und wurde am Tag der Kreisfusion zum Baudezernent des Landkreises Teltow-Fläming ernannt.

Baudezernent Detlef Gärtner (SPD/l.) 1996 mit dem damaligen Kreishaus-Koordinator Josef Seibel vor dem Grundriss des geplanten Kreishauses. Quelle: Archiv / Hartmut F. Reck

Viereinhalb Jahre später erfolgte ein weiterer beruflicher Aufstieg. Auf Vorschlag von Landrat Giesecke wurde Gärtner für acht Jahre in das politische Amt eines Beigeordneten gewählt und saß somit als einziger Jurist in der Verwaltungsleitung. Nach Ablauf dieser Amtszeit kam es aber nicht zur Wiederwahl. Giesecke wollte ohne Beigeordnete weiterregieren, und Gärtner wurde wieder Dezernent. Diese Degradierung belastete das gegenseitige Verhältnis schwer, zumal es Gärtner war, der Gieseckes große Prestige-Projekte wie den Kreishausbau, die Fläming-Skate und den vierspurigen Ausbau der B101 maßgeblich koordinierte und mit verantwortete.

Spätere Genugtuung: mehr Stimmen im Kreistag als der Landrat

Eine gewisse Genugtuung dürfte Gärtner verspürt haben, als es vor acht Jahren doch wieder zur Wahl von Beigeordneten und zur Wiederwahl des Landrats kam. Damals erhielt Gärtner im Kreistag 44 Stimmen, Giesecke nur 38.

Doch wieder als Beigeordneter in Amt und Würden wurden die Zeiten nicht einfacher. In der Verwaltung gärte es. Vielerlei Konflikte führten dazu, dass aus Kollegen Kontrahenten wurden. Und der Landrat geriet wegen Korruptionsvorwürfen selbst unter Beschuss. Die Verwaltung wurde umgekrempelt, die Bauaufsicht aus Gärtners Dezernat weggenommen und der Denkmalschutz dem Kulturamt zugeordnet.

Stress und Ärger zehrten an der Gesundheit

Das alles zehrte an Gärtners Gesundheit, zumal solche verantwortungsvollen Posten mehr Energie verbrennen als eine zeitlich geregelte und thematisch überschaubare Verwaltungstätigkeit.

Biografischer Abriss

18.10.1958: geboren in Darmstadt

1979: Abitur in Darmstadt

1979–1980: Zivildienst in Darmstadt

1981–1988: Studium der Rechtswissenschaften in Marburg

1989–1991: Referendariat in Gießen

15.6.1992: Arbeitsbeginn bei der Kreisverwaltung Luckenwalde

ab Anfang 1993: Dezernent der Kreisverwaltung Luckenwalde

ab Ende 1993: Dezernent der Kreisverwaltung Teltow-Fläming

1.5.1998–30.4.2006: Beigeordneter

1.5.2006–31.12.2009: Dezernent

1.1.2010–31.12.2017: Beigeordneter

Einen Ausgleich zu all dem beruflichen Stress und oft auch Ärger erfuhr Detlef Gärtner, der seinen hessischen Akzent bis heute nicht abgelegt hat, durch seine „kleine Familie“, wie er sagt, mit Ehefrau und jetzt fast zehnjährigem Sohn. Sie wohnen in einem Eigenheim in Rangsdorf. Dorthin ist inzwischen auch seine Mutter gezogen, die in der ASB-Seniorenresidenz lebt.

Neue Kräfte werden freigesetzt

Erst mit dem Amtsantritt der neuen Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) kam auch für Gärtner wieder etwas Ruhe ins Kreishaus. Die Ämterumverteilung setzte bei ihm neue Kräfte frei, mit denen er sich auf Tätigkeiten konzentrieren konnte, die über den Kreis hinausreichen – sei es beim Öffentlichen Personennahverkehr oder bei allen Themen, die den Flughafen BER und sein Umfeld betreffen.

Enge Vernetzung rund um das Flughafenthema

So war Gärtner bis zuletzt im Kommunalen Nachbarschaftsforum, im Dialogforum Airport Berlin-Brandenburg und in der Fluglärmkommission aktiv. Dadurch hat er sich so eng vernetzt, dass er auf Wunsch der Landrätin künftig als ehrenamtlicher Flughafenumfeldkoordinator tätig sein soll, um zumindest einen Teil der Lücke, die er mit seinem Ausscheiden reißt, zu überbrücken. Das entspricht auch seinem Naturell: „Ich stand immer gern in der zweiten Reihe, und mein Glück war, dass ich meistes an der langen Leine agieren konnte.“

Von Hartmut F. Reck

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