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Von Kanzel zu Kanzel

Veranstaltungen am Reformationstag in Jüterbog Von Kanzel zu Kanzel

Was vor 500 Jahren in Jüterbog geschah, hat Luther zu seinen Thesen inspiriert. In Jüterbog begann die Reformation, daran zweifelt hier niemand. Johann Tetzel, Thomas Müntzer, Martin Luther – sicher hat jeder diese Namen schon einmal gehört. Dass man mit dem Kauf eines Ablassbriefes seine Sünden vergeben bekam, dürfte bekannt sein. Aber wie hängt das alles zusammen, was wird am nächsten Donnerstag, dem Reformationstag, eigentlich gefeiert?

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Jüterbog. Wenn man Museumsleiter Norbert Jannek fragt, kommt man schnell vom Hundertsten ins Tausendste. Bis heute gibt es in der Stadt viel zu sehen, was an die Zeit vor 500 Jahren erinnert. Den Tetzelkasten in der Nikolaikirche natürlich, der aber wahrscheinlich nie dem Ablasshändler gehört hat. Wer sich tatsächlich am 31. Oktober auf Spurensuche begeben möchte, sollte einen „zweiten Blick“ übrig haben, wie Norbert Jannek empfiehlt. Bei ihm im Museum im Kulturquartier Mönchenkloster ist ein ganzer Bereich dem Thema Reformation gewidmet. Außerdem kann man sich bis zum 31. Oktober in einer Sonderausstellung über den „Kampf um den wahren Glauben nach dem Tode Martin Luthers – Zum Theologentag in Jüterbog 1548“ informieren. Zu den Schätzen des Museums gehören unter anderem Original-Ablassbriefe aus dem 15.und 16. Jahrhundert, mit deren Kauf man sich vor dem Fegefeuer retten konnte.
Die Allgegenwart der Religion, ihr Einfluss auf das alltägliche Leben, davon zeugen nach wie vor die drei großen Kirchen in Jüterbog. Die meisten der 30 Altäre in der Nikolaikirche waren beispielsweise kurz vor der Reformation der Maria gewidmet. Viele Figuren sind über die Jahrhunderte erhalten geblieben. Eine Ausstellung beschäftigt sich derzeit mit diesem Thema. Gerade am vorigen Wochenende fand eine Führung für Katholiken statt.
Besonders auffällig ist die Kanzel, die nach der Reformation in die Mitte des Kirchenschiffs rückte. Das war auch in der Mönchenkirche so, nur in der Liebfrauenkirche hatte der Amtsmann die Kanzel am Altar aufstellen lassen. Tatsächlich empfiehlt Norbert Jannek Reformations-Spurensuchern eine Kanzeltour durch Jüterbog. Nicht nur deren Standort in der Kirche, auch Bauweise und Verzierungen geben Aufschluss über den Zeitgeist.
Dass beispielsweise das Kloster– und heutige Kulturquartier – nach der Reformation weiterhin von Franziskanermönchen bewohnt war, ist für Norbert Jannek ein Ausdruck von Toleranz. „In Jüterbog ging beides nebeneinander“, sagt er. Die Mönche, die sich mit dem Prediger Thomas Müntzer stritten und dabei die Bezeichnung „Lutheraner“ prägten, blieben bis zu ihrem Tod unbehelligt und hinterließen mit dem angefangenen Bau eine „Investruine des Mittelalters“. Der Museumsleiter hat bemerkt, dass Zwölf- oder Dreizehnjährige mit dem Begriff Reformation überhaupt nichts anfangen können, sich im Allgemeinen die Jüterboger aber inzwischen mehr mit dem Thema auseinandersetzen. „Bei Führungen wird mehr nachgefragt“, berichtet er. Die Veranstaltungen zur laufenden Lutherdekade und die Verleihung des europäischen Kulturerbesiegels als Stätte der Reformation haben dazu beigetragen.

Stätte mit Kulturerbesiegel

Bei den mit dem europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichneten „Stätten der Reformation“ handelt es sich um ein Netzwerk von 22 wichtigen Stätten der Reformation, die über ganz Deutschland verteilt sind.
Jüterbog und Mühlberg widmen sich in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017 der Darstellung ihrer reformationsgeschichtlichen Bezüge mit zahlreichen Sonderveranstaltungen.
Die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben war für Martin Luther Auslöser und Kern der Reformationsbewegung.
Bei der Stadtinformation im Kulturquartier kann man Führungen buchen, auch vertiefend zur Reformationsgeschichte.
Dem Luther-Tetzel-Weg zwischen Jüterbog und Wittenberg kann man zu Fuß oder per Rad folgen.

Von Martina Burghardt

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