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Teltow-Fläming Von Schiller, dem Wolf und Träumen
Lokales Teltow-Fläming Von Schiller, dem Wolf und Träumen
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00:21 28.10.2017
Zahlreiche der diesjährigen Stipendiaten mit Hans-Christian Feldmann (ganz oben links) von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Künstlerhaus-Direktorin Anne Frechen (rechts daneben) sowie Moderator Martin Jankowski (ganz rechts) im barocken Treppenhaus des Nicolaihauses. Quelle: Karen Grunow
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Wiepersdorf/Berlin

Schiller maunzt. Doch, wirklich! Und er hat ein Faible für Qigong. Das jedenfalls vermutet Annika von Trier, die Anne Frechen, Direktorin des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf, ausfragt über Schiller. Zu hören ist das aufgezeichnete Gespräch an gar ungewöhnlicher Stelle, auf dem, nun ja, Weg zu den Toiletten des Berliner Nicolaihauses. Diese Hörstation gehört zu den Aktionen von Stipendiaten des Künstlerhauses, die kurz vor Ende der alljährlichen Wiepersdorfer Stipendiaten-Saison einige ihrer teilweise in der Abgeschiedenheit des Niederen Flämings entstandenen Arbeiten vorstellen. Achso, und bevor es hier gar zu verwirrend wird: Bei Schiller handelt es sich mitnichten um den berühmten Dichter, sondern um den rotweiß getigerten Kater von Anne Frechen.

Der ist an diesem Abend im ehrwürdigen Nicolaihaus nur gedanklich dabei. Er sei ein guter Freund von ihm, erzählt Jörg Zemmler. Der in Wien lebende gebürtige Bozener verbrachte im Sommer zwei Monate in Wiepersdorf als Stipendiat des Österreichischen Bundeskanzleramts. „Es hat mir wirklich sehr gut gefallen“, sagt er, bevor er Gedichte und Texte vorträgt, die nach, in und vor Wiepersdorf entstanden sind. Etwa seine ultrakurze Erzählung vom Rotkäppchen: „Der Wolf hat Hunger.“ Fertig. Zemmler macht irgendwie alles, Musik, Filme, schreibt, verwebt das zu performanceartigen Auftritten, hat bereits 2009 die österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften gewonnen, und sein letzter Gedichtband „Papierflieger Luft“ wurde schon viel gelobt.

Salon im Bürgerhaus

Als Salon ist der literarische Abend im Nicolaihaus konzipiert, Moderator Martin Jankowski ist selbst Schriftsteller und – wie er sich einführt – Salonbetreiber. Und das passt wunderbar zu diesem Gebäude, in dem der Verleger Friedrich Nicolai einst wirkte und das als eines der wenigen erhaltenen barocken Bürgerhäuser Berlins überdies von besonderer kulturhistorischer Bedeutung ist. Es ist Sitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und diese wiederum Träger des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf. Und, obwohl mitten in der Mitte Berlins, ebenfalls – wie auch das Arnim-Schloss – ein wenig abgelegen, versteckt in einem Sackgassen-Baustellen-Geviert. Vielleicht ein Grund, warum an diesem Montagabend nicht alle Sitzplätze belegt sind. Doch bei denjenigen, die gekommen sind, wird die Neugier sehr angefacht auf die Arbeiten der fünf Autorinnen und Autoren.

Doch bevor diese zu Wort kommen, werden die Stipendiaten und Gäste zunächst von Hans-Christian Feldmann von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz begrüßt. Nicola Maria Bückmann vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg verweist auf die Historie des Wiepersdorfer Schlosses von Bettina und Achim von Arnim, das seit 1946 zunächst Schriftstellerheim und später dann auch Künstler- und Musiker- beziehungsweise Komponisten-Herberge wurde. „Wiepersdorf ist dafür ein zentraler Ort“, verweist sie auf die Förderung künstlerischen Schaffens. 18 Aufenthaltsstipendien vergibt das Ministerium pro Jahr. Norbert Baas, der Vorsitzende des Freundeskreises Schloss Wiepersdorf, betont den internationalen Charakter des Hauses. Er baue darauf, „dass es uns weiter gelingt, gemeinsame Impulse zu setzen“. Derzeit entstehe eine „digitale Dependance“ des Künstlerhauses, „eine weltweit angelegte Kommunikation zwischen Künstlern, die in Residenzen leben“.

Niedergörsdorfer Autorin erzählt von Siebenbürgen

Ganz digital unterwegs war kürzlich die in Niedergörsdorf lebende Autorin Paula Schneider, die im Frühjahr ihr Stipendium in Wiepersdorf begann und es nun noch bis Ende des Monats fortsetzt. Zwischendurch war sie Stadtschreiberin im siebenbürgischen Kronstadt/Brasov. In einem Internetblog hat sie darüber währenddessen geschrieben. „Ich hatte die Aufgabe, der Stadt sehr ins Gesicht zu sehen“, erzählt sie im Nicolaihaus, wo sie einige der Texte nebst Fotos vorstellt. Stadtentdeckungen und Gedanken, eigene Erinnerungen, die sie in den Straßen einer fremden Stadt wiederfindet. Ans „Pösi“-Album aus der frühen Schulzeit etwa.

Vom „Sofa – so far away“ träumt der Wiener Alexander Peer, der soeben den Gedichtband „Der Klang der stummen Verhältnisse“ veröffentlicht hat. Zu Beginn seines Wiepersdorf-Aufenthaltes habe er noch letzte Korrekturen daran vorgenommen. So wird also auch dieses Buch für ihn mit dem Ort verbunden sein. Intensiv gearbeitet an ihrem nächsten Buch hat Inger-Marie Mahlke. „Latitude 28,3“ wird der vierte Roman der bereits vielfach ausgezeichneten Schriftstellerin. Sie erzählt darin 2015 beginnend bis zurück ins Jahr 1919.

Künstler gestalten noch eine Ausstellung

Ab morgen übrigens kommen auch die zahlreichen Bildenden Künstler, die in diesem Jahr in Wiepersdorf arbeiten konnten, zum Zuge. In der Saarländischen Galerie in Berlin-Kreuzberg werden bis zum Sonntag 19 Künstler vorgestellt, Annika von Trier wird die Vernissage musikalisch begleiten. Ihr gehört auch im Nicolaihaus ein Teil des Abends.

Sie singt, mit mal bösem Witz, dann wieder feinfühlig genau beobachtend. Und vor allem sind da ja noch ihre Hörstationen. An einer erklingt ihre Stimme beim Verlesen eines Briefes von Bettina von Arnim an ihren Gemahl Achim. Ein nicht ganz echter Brief, aber einer mit echten Brandenburger Ortsnamen: „In meinem Berlinchen habe ich die Netzeband“, erklärt sie ihrem auf dem Gut im Ländchen Bärwalde ackernden Mann, warum sie die Stadt nicht verlassen will. An einer anderen Station sprechen acht der Stipendiaten in ihren Muttersprachen über ihre Zeit in Wiepersdorf. „Träumt man anders?“, hat Annika von Trier sie unter anderem gefragt. Die Komponistinnen haben kurze Stücke dazu geschaffen, die die Sprachmelodien unterlegen. Andere Autoren lesen Texte. „Das ist das Tolle an dem Ort, dass man Profis an seiner Seite hat“, schwärmt sie von der Vielfalt im Künstlerhaus.

Und später, als längst alle bei Gebäck und Wein plaudernd beieinander stehen, werden auch auf dem Gang zu den Toiletten immer wieder Besucher gesichtet, die versonnen und konzentriert den Geschichten über Schiller, den heimlichen heutigen Schlossherrn Wiepersdorfs, lauschen.

Die Ausstellung „Salon Wiepersdorf“ wird morgen um 19 Uhr in der Saarländischen Galerie, Charlottenstraße 3, 10969 Berlin-Kreuzberg, eröffnet. Besichtigt werden kann sie von Freitag bis Sonntag, jeweils zwischen 14 bis 18 Uhr.

Von Karen Grunow

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