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Von Vibratoren, Dildos und Liebeskugeln

Eine Sexshop-Verkäuferin plaudert aus dem Nähkästchen Von Vibratoren, Dildos und Liebeskugeln

Jana Liebe verdient ihr Geld als Verkäuferin in einem Erotikmarkt. Im MAZ-Fachgespräch redet sie über Vibratoren mit App und Fernbedienung, über schüchterne Kunden und darüber, was sie ihrem kleinen Sohn erzählt, wenn er nach ihrer Arbeitsstelle fragt.

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„Man sollte ein gesundes Selbstbewusstsein haben“: Jana Liebe.

Quelle: Oliver Fischer

Wildau. Jana Liebe, 25 Jahre alt, blond und Königs Wusterhausenerin, steht hinter dem Verkaufstresen eines Wildauer Erotik-Geschäfts, wo sie seit einigen Monaten arbeitet. Der Laden ist eine Fundgrube für alles, was auch nur entfernt mit Sex und Liebe zu tun hat. Die Regale sind voll mit Filmen, Scherzartikeln, Dessous sowie Unmengen kleinerer und größerer Artikel zur Luststeigerung. Gerade eben hat Jana Liebe einem älteren Herren zwei Hardcore-Filme in eine neutrale Plastiktüte geschoben. Es ist ein Vormittag unter der Woche, da verirren sich nicht viele Kunden ins Geschäft. Deshalb kann sie sich etwas Zeit für ein Interview nehmen.

Frau Liebe, eine Sex-Shop-Verkäuferin mit diesem Namen. Da muss das Interview eigentlich mit einem Namenswitz beginnen. Darf ich?

Jana Liebe: Erstens heißt es Erotikfachmarkt, darauf legen wir großen Wert. Und zweitens höre ich aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis die Witze mit meinem Namen regelmäßig. Das muss also nicht sein.

Na schön. Dann erzählen Sie uns doch mal, wie man überhaupt Verkäuferin im Erotik-Fachgeschäft wird.

Liebe: Ich habe ursprünglich Bäckerei-Fachverkäuferin gelernt. Dann habe ich zwei Kinder bekommen. Auf den Kitaplatz für mein großes Kind musste ich ein ganzes Jahr warten. Als es dann endlich geklappt hat, habe ich eine neue berufliche Herausforderung gesucht. Im Internet habe ich dann eine Anzeige gelesen und mich beworben. So einfach ging das. Inzwischen kann ich mir keinen besseren Job vorstellen.

Das Verständnis von Frauen und Männern in Bezug auf Erotik ist oft ein anderes. Was muss man mitbringen, um als Frau in diesem Metier zu arbeiten?

Liebe: Man sollte ein gesundes Selbstbewusstsein und keine Berührungsängste haben. Bei mir ist es so, dass einer meiner Freunde schon in einem Erotik-Fachhandel gearbeitet hat, insofern war ich dem Thema gegenüber von vornherein aufgeschlossen.

Haben Sie eine spezielle Ausbildung bekommen, eine Einführung in die Welt der Dildos, Vibratoren und Liebeskugeln?

Liebe: Eine richtige Ausbildung gab es nicht, da ich als Quereinsteiger in den Beruf gekommen bin. Am Anfang habe ich genau zugehört, wie meine Chefin die Kunden beraten hat. Ich habe geschaut, wie sie mit ihnen umgegangen ist und dabei habe ich viel gelernt. Wenn ich etwas genauer wissen wollte, habe ich gefragt oder mich anhand der Produkte oder im Netz informiert.

Trotzdem: Sie müssen doch wissen, was Sie den Kunden verkaufen und was man empfehlen kann. Testen Sie die Produkte zu Hause?

Liebe : Im Laden habe ich die Möglichkeit, die Produkte auszupacken, sie anzuschalten. Ich merke mir, wie sie funktionieren, ob sie Batterien brauchen oder per Ladekabel aufgeladen werden. Das reicht vollkommen aus. Sollte mich dann doch etwas genauer interessieren, dann kaufe ich mir das entsprechende Produkt einfach für zu Hause.

Wenn man sich bei Ihnen im Laden umschaut, fällt eines auf: Früher sahen Vibratoren bestenfalls aus wie gerade Massagestäbe, wenn es nicht mehr oder minder originalgetreue Penis-Nachbildungen waren. Heute sind viele der Geräte so eigenwillig geformt, dass man sie auf den ersten Blick kaum noch als Vibratoren erkennt.

Liebe: Das stimmt. Die Zeit hat sich nun mal geändert und die Technik hat sich entwickelt. Die Produkte sollen ja auch freundlich und einladend wirken. Nehmen Sie etwa den hier (hebt ein Teil in die Luft, das geformt ist wie eine große Gummi-Pinzette). Das ist ein Paar-Vibrator, den beide Partner gleichzeitig beim Liebesspiel benutzen können. Er hat eine Fernbedienung, mit dem ein Partner das Vibrationsmuster steuern kann. Und er lässt sich darüber hinaus auch über eine App bedienen.

Wie bitte? Sex mit dem Smartphone?

Liebe: Ja. Wenn beide die App auf ihrem Handy installiert haben, dann kann beispielsweise der Mann auch während einer Geschäftsreise oder bei einer Fernbeziehung seiner Partnerin mit der App ein Telefonat versüßen.

Das nennt man dann wohl Telefonsex 2.0.

Liebe: Das könnte man jetzt so sagen, ja. Wobei ich ehrlich gesagt finde, dass wir im Alltag schon oft genug aufs Telefon schauen. Es gibt Gelegenheiten, bei denen wir das Smartphone vielleicht auch einfach mal weglegen sollten, um uns ganz dem Partner oder der Partnerin zu widmen.

Was sind die teuersten Dinge, die Sie verkaufen?

Liebe: Bei uns im Laden gibt es viele Sachen, die einen hohen Wert haben, was sich dann aber auch in der Qualität widerspiegelt. Dreistellige Beträge sind keine Seltenheit. Nach oben sind eigentlich keine Grenzen gesetzt.

Frau Liebe, nicht alle Menschen haben ein gänzlich entspanntes Verhältnis zu den Themen Sex und Erotik. Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie Ihren Arbeitsvertrag in der Tasche hatten?

Liebe: Genauso unterschiedlich, wie die Leute generell mit dem Thema Sex umgehen. Mit einigen kann ich darüber ganz offen reden, die haben sich dann auch für mich gefreut, dass ich einen Job gefunden habe, der zu mir passt. Bei dem einen oder anderen kam es nicht ganz so gut an. Aber grundsätzlich war das kein Problem.

Was antworten Sie, wenn Ihr vierjähriger Sohn Sie nach Ihrem Arbeitsplatz fragt?

Liebe: Das hat er schon gemacht. Ich habe ihm gesagt, dass ich Kleidung und Spielzeug für Erwachsene verkaufe. Das hat ihm als Antwort gereicht, er hat nicht weiter nachgefragt.

Dem Sex-Shop haftete lange ein Schmuddel-Image an, er galt als reine Männer-Domäne. Ist das noch so?

Liebe: Nein. Unsere Kundschaft ist sehr gemischt. Da kommen gleichermaßen Herren und Damen, aber auch ganz viele Paare zu uns in den Laden. Es ist wirklich alles dabei.

Ein Besuch im Erotik-Geschäft ist eine vergleichsweise intime Angelegenheit. Wie verhalten Sie sich, wenn jemand den Laden betritt? Halten Sie sich zurück oder sprechen Sie den Kunden offensiv an?

Liebe: Ich lasse die Leute erst einmal ein oder zwei Minuten schauen. Aber dann gehe ich hin und frage, ob sie etwas Bestimmtes suchen und ob ich helfen kann. Viele winken erst mal ab, aber etwas später kommen sie meistens doch und fragen nach bestimmten Produkten. Oder sie sagen, dass sie etwas im Internet gesehen haben und so etwas auch gerne hätten. Manche treten sehr selbstbewusst auf, da kann ich auch mal einen Witz machen und so die Atmosphäre auflockern. Andere sind schüchtern, da muss man behutsamer sein. Aber ich habe Verkäuferin gelernt und weiß, wie ich auf die Kunden zugehen muss. Das hat man im Gefühl.

Verstecken sich Kunden auch manchmal hinter Aufstellern?

Liebe: Es kommt schon mal vor, aber das sind sehr wenige.

Gibt es bei Ihnen im Laden die Möglichkeit, Sachen anzuziehen oder die Produktpalette mal zu testen?

Liebe: Ich packe den Kunden gerne die Produkte aus. Jeder kann alles in die Hand nehmen und für sich entscheiden, ob das jeweilige Produkt das Richtige für ihn ist. In den Umkleidekabinen haben die Kunden auch die Möglichkeit, die Kleidungsstücke anzuprobieren.

Kommt es vor, dass jemand in sexy Unterwäsche vor Ihnen steht und um Rat fragt?

Liebe: Hin und wieder kommt das auch schon mal vor. In solchen Fällen berate ich die Kunden, die es auch wünschen, sehr gerne. Etwas schwieriger wird es, wenn die Kunden nicht für sich selbst die Wäsche kaufen wollen, sondern als Geschenk – etwa für den Partner. Aber in den meisten Fällen schaffe ich es, dass der Kunde zufrieden und glücklich den Laden verlässt, weil wir etwas Passendes gefunden haben. Wenn das klappt, bin ich zufrieden.

Gleich am Eingang des Geschäfts steht ein großes Regal mit Porno-DVDs. Würden Sie sich die selbst anschauen?

Liebe: In meinem Privatleben würde ich mir mit meinem Partner das eine oder das andere Filmchen ansehen, sofern es gut gemacht ist. Aber jeder Mensch hat seinen eignen Geschmack, jeder mag andere Filme, und das ist auch ganz gut so. Es wäre doch langweilig, wenn wir alle komplett gleich wären.

Und wie steht es mit den Ledermasken dort hinten an der Wand? Die sehen recht martialisch aus ...

Liebe: Mein Geschmack ist es nicht, aber das ist nicht schlimm. Wenn jemand eine solche Maske haben möchte, berate ich ihn und verkaufe sie sehr gerne. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Und was die Kunden dann letztlich mit den Produkten machen, ist mir egal.

Geben Sie Ihr Fachwissen auch an Freunde und Bekannte weiter?

Liebe: Das kommt vor. Meine beste Freundin hat mich tatsächlich schon um Rat gefragt. Ich habe ihr etwas empfohlen.

Und?

Liebe: Sie gab mir ein positives Feedback.


Von Oliver Fischer

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