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Teltow-Fläming Von der Hochzeitskutsche bis zum Leichenwagen
Lokales Teltow-Fläming Von der Hochzeitskutsche bis zum Leichenwagen
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07:32 23.08.2014
Frank Nitzsche und Stefanie Jainda in der offenen Kutsche „Vis-a-vis“. Quelle: Margrit Hahn
Luckenwalde

Die Anschaffung der ersten Kutsche war eher Zufall. Nitzsche hatte Sorge, dass er im Alter nicht mehr reiten kann. Und so kaufte der Landwirt eine Kutsche. Das war vor sieben Jahren. Inzwischen besitzt er sieben, die in Russland und Polen hergestellt oder restauriert wurden. Sie sind in der Ausstattung sehr unterschiedlich – offen oder geschlossen, mit dunk lem Leder oder rotem Samt. Je nach Wunsch kommen zwei, vier oder auch sechs Pferde davor.

Transporter fahren die Pferde

Um den Tieren möglichst lange Wege zu ersparen, werden sie mit dem Transporter an den jeweiligen Ort gefahren. In einer ruhigen Nebenstraßen laden Frank Nitzsche und Stefanie Jainda Warmblüter und Kutsche dann aus. Die achtjährige Kontessa und die siebenjährige Kassandra sind fast immer dabei, denn sie sind sehr ruhige und zuverlässige Pferde. „Inzwischen gibt es Anfragen aus ganz Deutschland und sogar aus Warschau. Dort werde ich demnächst mit der weißen Kusche unterwegs sein“, sagt Frank Nitzsche. Sein Lieblingsmodell ist die offene mit dem Namen „Vis-a-vis“. Sie sei leicht zu fahren und auch das Dach lässt sich schnell schließen. In Berlin am Herrmannsplatz stand er jüngst im Stau. „Es macht keinen Spaß, wenn die Autofahrer drängeln und hupen“, sagt der Inhaber der Bergranch Nitzsche. Aber so leicht lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen.

Das Rücklicht der Kutsche. Quelle: MAZ

Ehepaar wollte nur mit Verdeck reiten

Hochzeiten mag er am liebsten. Vor allem fährt er gern junge Paare, wobei die älteren mehr aus ihrem Leben erzählen können. Ein diamantenes Paar, das kürzlich bei ihm Platz nahm, war sehr gut drauf. Der Bräutigam sagte zu ihm: „Auf Kutscher, los geht's!“ Dann zogen die Pferde los, erst im Trab, dann im Galopp. Geschmückt werden Kutsche und Tiere schon vorher in Berkenbrück, sodass es vor Ort schneller geht.

In all den Jahren hat Frank Nitzsche einiges erlebt. „Ich hatte ein Brautpaar, das die Kutschfahrt geschenkt bekam, darüber aber nicht glücklich war, denn sie wollten nicht gesehen werden“, berichtet Nitzsche. Da musste er das Verdeck hochklappen.

Die Laterne der Hochzeitskutsche. Quelle: MAZ

Einmal kam Frank Nitzsche ziemlich ins Schwitzen. Er sollte eine Braut von zu Hause abholen und in die Kirche bringen. Unterwegs läuteten schon die Glocken. Doch plötzlich bat die Braut, der Kutscher möge anhalten. Eigentlich war dafür keine Zeit. Doch die Braut wollte ihrem Zukünftigen einen Denkzettel verpassen, weil er sie auch so oft warten ließ. Am Ende waren die Gäste stinksauer – nicht auf die Braut, sondern auf Frank Nitzsche, weil sie glaubten, er hätte sich verspätet.

Pferde mussten durch Wasser traben

Hin und wieder muss umdisponiert werden. So lief ein älterer Herr vor die Kutsche. Um Schlimmeres zu verhindern, drehte Nitzsche seine Kutsche ruckartig zur Seite. Dabei brach ein Rad. Schnell mussten die Hochzeitskutschen getauscht werden. Der Braut wurde erzählt, dass sie nun auf einem Trabi-Anhänger mit zwei Campingstühlen zur Trauung gefahren wird. Sie wäre fast in Tränen ausgebrochen. Aber natürlich wurde noch alles gut.

Der Bestattungswagen, der für Trauerfeiern genutzt wird. Quelle: MAZ

An ein Erlebnis erinnert sich der Berkenbrücker noch genau. Die Pferde sollten über eine Brücke, die 20 Zentimeter unter Wasser stand. Die Vierbeiner weigerten sich und so musste das Brautpaar mit Gummistiefeln über die Brücke laufen. Der prominenteste Fahrgast war bisher der ehemalige Ministerpräsident Matthias Platzeck. Beim Landes- und Kreis erntefest in Jänickendorf ließ sich der Landesvater in der Kutsche chauffieren. Die Pferde müssen am meisten aushalten. Wenn bei Hochzeiten Salutschüsse oder Hupkonzerte gegeben werden, muss Nitzsche dafür sorgen, dass sie ruhig bleiben.

Postkutsche für 30 Personen

Es gab etliche lustige Anfragen. So wollte jemand wissen, ob auch Scheidungsfahrten angeboten werden. „Ich weiß zwar noch nicht, wie die Kutsche aussehen soll. Aber machbar ist alles. Und ich hätte dann auf einem Schlag gleich zwei Fahrten“, fügt Nitzsche lachend hinzu. Momentan lässt er eine Postkutsche für 30 Personen bauen, die Ende des Jahres zum Fuhrpark gehören soll.
Es ist ein schönes Gefühl, wenn man in der offenen Kutsche sitzt, das Geklapper der Hufe hört, die Sonne scheint und man sich zurücklehnen kann. Mit zwei Pferdestärken unterwegs zu sein, ist etwas ganz anderes, als motorisiert durch die Gegend zu düsen. Man genießt die Fahrt mehr. Klack-klack geht es im Trab, und Schaulustige winken einem zu.

Von Margrit Hahn

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