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Vorerst kein Bier aus dem Stellwerk

Von Großbeeren nach Gransee Vorerst kein Bier aus dem Stellwerk

Die Stellwerk-Brauerei Großbeeren muss warten, zu groß sind für zwei Braumeister die Probleme mitten zwischen Straßen und Gleisen der Anhalter Bahn. Doch die „Großbeerener Molle“ brauen Tobias Ketterer und Maximilian Schwab weiter. Nur müssen sie Kessel und Maischpfanne wieder durchs Dach und nach Nordbrandenburg schaffen. Dort bauen sie eine Schlossbrauerei.

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Die spektakuläre Aktion vom Dezember 2015 der Kessel- und Maischpfannen-Lieferung durchs Stellwerk-Dach wird nun rückwärts wiederholt.

Quelle: Foto:Abromeit

Großbeeren. Das Lehrgeld ist hoch, das die beiden jungen Braumeister Maximilian Schwab und Tobias Ketterer für ihre Träume zahlen: Mit der abgefahrenen Idee der Stellwerk-Brauerei mitten zwischen den Gleisen der Anhalter Bahn in Großbeeren kommen sie zurzeit nicht weiter, zu groß sind Genehmigungshürden und Investitionskosten. Deshalb starten sie jetzt mit einem neuen Vorhaben am anderen Ende von Brandenburg: In diesem Monat reichten sie beim Landkreis Oberhavel den Bauantrag für ihre „Schlossbrauerei am Wentowsee“ ein.

In luftiger Höhe dirigiert Maximilian Schwab im Dezember 2015 den Läuterbottich durch das Stellwerk-Dach

In luftiger Höhe dirigiert Maximilian Schwab im Dezember 2015 den Läuterbottich durch das Stellwerk-Dach. Nun müssen alle Großgeräte denselben Weg zurück nehmen...

Quelle: Abromeit

Dort sieht alles deutlich einfacher aus als in Großbeeren. In Dannenwalde bei Gransee gibt es ein Schloss mit Hotel und einem Gewerbegebiet daneben. Alles zusammen hat der Berliner Taxi-Unternehmer Hermann Waldner gekauft. Eine alte Lagerhalle ist noch frei. Tobias Ketterer erfuhr davon und begeisterte seinen Freund für das neue Vorhaben. Gemeinsam gründeten die beiden, die sich beim Braumeister-Studium an der Berliner TU kennengelernt hatten, eine neue Firma. Die Investitionskosten für die Schlossbrauerei veranschlagen sie mit einem siebenstelligen Betrag. „Aber wann wir dort dann wirklich Bier brauen können, das lässt sich im Moment nicht genau sagen“, erklärt Schwab.

Offenbar sind die beiden Enthusiasten nach den Großbeerener Erfahrungen und erfolglosen Ausgaben im sechsstelligen Bereich nun vorsichtiger. Das Stellwerk, das niemand hatte haben wollen, bekamen sie zwar günstig. Doch dass es dort keinen Strom gibt, weil die Bahn ihre Leitung mit Stellwerk-Stilllegung gekappt hatte, das „vergaß“ der Gebäude-Vermittler den Jungunternehmern zu sagen. Die streiten sich seither juristisch mit ihm.

„Eine geile Idee, die Stellwerk-Brauerei“, finden Kranführer und Passanten damals

„Eine geile Idee, die Stellwerk-Brauerei“, finden Kranführer und Passanten damals. Doch vorerst funktioniert sie nicht.

Quelle: Abromeit

Und auch einen fürs Bierbrauen so wichtigen Wasseranschluss gibt es nicht; niemand könnte die Kosten für einen Anschluss zwischen den Gleisen und Straßen des „Spaghettiknotens“ von Bundesstraße 101, Landesstraße und Anhalter Bahn direkt am Bahnhof Großbeeren bezahlen. Mit dem Wasserzweckverband Region Ludwigsfelde war Schwab so weit gekommen, dass es möglich ist einen Brunnen zu bohren und eine Abwassergrube zu bauen. Doch wie lange das alles dauern würde, ist nicht absehbar. Deshalb starten er und sein Geschäftspartner jetzt neu.

Braumeister Tobias Ketterer „fängt“ die empfindlichen Großteile im Stellwerk-Obergeschoss ab

Braumeister Tobias Ketterer „fängt“ die empfindlichen Großteile im Stellwerk-Obergeschoss ab.

Quelle: Abromeit

Die großen Teile der Brauerei, die Vorbeifahrende im oberen Stellwerk-Geschoss gut erkennen können, holen die beiden wieder ab. Doch dies wird eine noch aufwendigere Aktion als das spektakuläre Anliefern am 5. Dezember 2015: Weil die Teile nicht durch das enge Treppenhaus passen, geht es nur über das Dach. Das war damals marode, die Brauerei-Großgeräte wurden mit einem Autokran vom Laster gehievt und mit nervenaufreibendem Bugsieren in die Dachluke gelenkt. Doch nun ist das Dach dicht. „Das heißt: Es muss aufgeschnitten werden. „Wir lassen also die Teile rausheben und müssen es wieder abdichten.“ Maximilian Schwab graut davor. Zumal es wieder eine Winter-Aktion werden muss, wenn sie im kommenden Sommer anfangen wollen, Schlossbier zu brauen. Welchen Namen sie dem Gerstensaft aus dem Norden geben, wissen sie noch nicht. Mehrere Sorten soll es geben, sagt Schwab.

Auf alle Fälle aber werde die „Großbeerener Molle“ weiter gebraut. Dieses erste eigene, aber noch andernorts gebraute Bier kam bei hiesigen Biertrinkern so gut an, dass beide diese Marke weiterführen. In den kommenden Wochen werden sie neben allen Arbeiten für die künftige Schlossbrauerei am Wentowsee noch eine größere Charge „Großbeerener Molle“ brauen. Im vergangenen Winter waren allein aus Großbeeren Bestellungen für 500 Kisten davon bei Schwab eingegangen. „Wir schauen, dass wir damit irgendwo als Gastbrauer vorstarten können. Denn diese Kunden wollen wir natürlich auf keinen Fall verlieren“, erklärt der Berliner.


Behörden schauen sich die leere Halle im Gewerbegebiet am Wentowsee in Dannenwalde an

Behörden schauen sich die leere Halle im Gewerbegebiet am Wentowsee in Dannenwalde an; dort wollen Tobias Ketterer und Maximilian Schwab nun eine Schlossbrauerei aufbauen.

Quelle: privat

Und auch seine Großbeerener Bau-Träume gibt Maximilian Schwab trotz aller Widrigkeiten noch nicht auf. „Das Stellwerk behalte ich, das ist so ein geiler Ort. Vielleicht bringen wir ja mal einen Stellwerk-Schnaps raus.“ Nächstes Jahr will er mit einem Architekten und mit dem Bauordnungsamt in Luckenwalde prüfen, was dort noch möglich ist.

Werbung für ihre Schlossbraupläne machen Schwab und Ketterer übrigens nächste Woche in großem Stil: auf der Berliner Biermeile.

Es wäre so schön gewesen, hier direkt am Bahnhof Großbeeren zwischen den Gleisen der Anhalter Bahn Bier zu brauen

Es wäre so schön gewesen, hier direkt am Bahnhof Großbeeren zwischen den Gleisen der Anhalter Bahn Bier zu brauen. Aber vielleicht kreieren die Jungunternehmer ja nach der „Großbeerener Molle“ irgendwann noch einen Schnaps.

Quelle: Abromeit

Von Jutta Abromeit

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