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Wahlsdorfer hadern mit Straßennamen

Erzwungene Neu-Adressierung Wahlsdorfer hadern mit Straßennamen

Die Politik ließ den Wahlsdorfer kaum ein Wahl. Nach zähem Ringen um einen Kompromiss im aufgezwungenen Straßennamen-Streit, kamen sie auf eine pfiffige Idee. Trotzdem sind sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Post und Rettungsdienste hätten es schwerer als vorher, sind immer noch viele überzeugt.

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Neue neben alten Straßennamen: Für die Wahlsdorfer war dies ein Kompromiss. Doch die Zeit der Doppelbezeichnung endet voraussichtlich im Sommer.

Quelle: Uwe Klemens

Wahlsdorf. Der Ärger um den Verlust der vertrauten Heimatadresse ist bei vielen Betroffenen nicht verraucht. Nach jahrelangem Ringen verlor vor gut einem Jahr auch das zur Gemeinde Dahme gehörende Wahlsdorf die vertrauten Straßennamen. Der Grund: Unter einer Postleitzahl darf ein Straßenname in einer Kommune nur einmal auftauchen.

Kleinster gemeinsamer Nenner: Dorfname als Straßenbezeichnung

Im ganzen Fläming sorgte das vor wenigen Jahren für heftige Diskussionen. Oft fand sich wie in Wahlsdorf ein kleinster gemeinsame Nenner: Alle Straßen bekamen den Dorfnamen. Die Häuser wurden neu durchnummeriert. Doch zufrieden sind viele Wahlsdorfer nicht. Jeder zehnte Brief komme wegen der neuen Adresse nicht an, hieß es kürzlich in einem Fernsehbeitrag. Der Trick mit der Durchnummerierung schien nach hinten losgegangen zu sein.

„Alles Quatsch!“, sagt Ortsvorsteher Thomas März. Bei seiner eigenen Recherche unter den Dorfbewohnern hat er herausgefunden, dass es Schwierigkeiten nur dort gibt, wo Anwohner aus Trotz oder Unkenntnis noch die alte Schreibweise verwenden. „Dort gibt es bei der Zustellung Probleme“, sagt März, der im Ort eine Werbeagentur betreibt. Dass die Wahlsdorfer die neue Adressschreibweise nicht mögen, kann der Ortsvorsteher verstehen. „Mich nervt das auch, aber wenn die Politik das so will, muss man sich letztlich fügen“, sagt er, „bei der nächsten Wahl kann ja jeder berücksichtigen, wem er den Schlamassel zu verdanken hat.“

Post liefert keine Briefe mit falscher Adresse mehr aus

Dabei haben die Wahlsdorfer noch Glück. „Meist kennt der Zusteller seine Schäfchen und kann die Post trotz falscher Adresse richtig zustellen“, sagt März. Doch das funktioniert nicht mehr lange so. Denn die Zustellunternehmen ändern ihre Adressen-Software in den Sortierzentren. So hat die Deutsche Post ihre 82 Briefzentren bereits umgestellt. „Sendungen, die nicht in der korrekten Schreibweise adressiert sind, werden hier bereits aussortiert und gehen zurück an den Absender“, erklärt die für Brandenburg zuständige Pressesprecherin Tina Birke, „alle anderen Sendungen kommen zuverlässig beim Empfänger an.“

Dass die Zustellung an die neuen Adressen, wenn sich denn irgendwann alles eingespielt hat, grundsätzlich leichter sei, als nach dem alten Adressmuster, sieht Birke nicht. „Die Entscheidung darüber hat aber nicht die Post, sondern die Politik gefällt“, sagt die Pressesprecherin.

Rettungsdienst sieht keine Probleme – auch nicht mit alten Namen

Zum gleichen Urteil gelangt auch Denny Mieles, der im Landkreis Teltow-Fläming den Rettungsdienst leitet. „Durch die neue Schreibweise wird es für uns weder leichter noch schwieriger. Hauptsache die Daten, die in das System eingepflegt sind, stimmen. Der Software ist das egal.“

Trotzden fand Anfang des Jahres ein nach Wahlsdorf gerufener Rettungswagen erst nach längerer Suche das richtige Haus (die MAZ berichtete). Da die eigenen Fahrzeuge anderorts im Einsatz waren, wurde Hilfe aus Dahme-Spreewald angefordert. Ob der Fahrer die Adresse falsch verstanden oder die genannte Adresse noch die alte Anschrift war, lässt sich nicht mehr ermitteln. „Trotzdem kam das Fahrzeug noch innerhalb der gesetzten 15-Minuten-Frist an“, sagt Mieles zu dem Fall.

Manfred Schmiedchen

Manfred Schmiedchen

Quelle: Uwe Klemens

„Identifikation der Menschen mit ihren Dörfern geht flöten“

Manfred Schmiedchen betreibt in seinem Wohnort Wahlsdorf eine Versicherungsagentur und ist zugleich stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Dahme.

Was halten Sie von der Neuregelung der Adressen-Schreibweise?
Manfred Schmiedchen: Gar nichts. Das Argument, dass es die Rettungsdienste dadurch leichter hätten, war ein Vorwand. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten der Navigation ist das der reinste Schwachsinn. Schade ist es dabei allerdings, dass die Identifikation der Menschen mit ihren Dörfern flöten geht, wenn der Ortsname aus der Adresse verschwindet.

Hat da nicht die Kommunalpolitik versagt?
Schmiedchen: Für uns als Laienpolitiker war die ganze Tragweite des Themas am Anfang schwer zu durchschauen. Ich selbst sehe das als unbefriedigend an. Aber man kann sich ehrenamtlich – also neben Beruf, Familie, Haus und Hof – nicht in jedes Thema so hineinarbeiten, wie es die Lobbyisten können, die ein bestimmtes Ziel durchdrücken wollen.

Welche Auswirkungen hatte die Straßennamenänderung für Sie persönlich?
Schmiedchen : Mich hat die ganze Sache schlappe tausend Euro gekostet. Meine Büromitarbeiterin hat wochenlang nichts anderes getan, als Kundendaten geändert. Die andere Arbeit ist liegengeblieben. Dazu kommen die Kosten für neue Geschäftspapiere, Stempel und das neue Schild am Haus. Das Geld hätte ich lieber gegeben, damit alles so bleibt, wie es war.

Interview: Uwe Klemens

Von Uwe Klemens

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