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Teltow-Fläming Waldbrand in Jüterbog: Ausbreitung befürchtet
Lokales Teltow-Fläming Waldbrand in Jüterbog: Ausbreitung befürchtet
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18:37 10.05.2016
Bei Jüterbog brennt es seit 20 Stunden in einem Waldstück. Dort kommt es immer wieder zu Brandausbrüchen. Das Bild zeigt einen Brand vom August 2015. Quelle: Feuerwehr Sperenberg
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Dahmeland-Fläming

Der Waldbrand auf einem munitionsverseuchten Gelände in Jüterbog (Teltow-Fläming) ist auch einen Tag nach seinem Ausbruch noch nicht vollständig gelöscht. Das teilte der Brandenburger Waldbrandschutz-Beauftragte Raimund Engel am Dienstagmorgen mit. Lange konnten die Feuerwehrleute noch nicht einschätzen, wie groß die Brandfläche sei und wo der Brandschwerpunkt liege, weil das Gelände sehr unübersichtlich sei. Inzwischen ist klar: Mindestens 13 Hektar Wald sind verwüstet – und es lodert weiter. Über das weitere Vorgehen werde noch beraten.

„Auch wenn derzeit der Brand eher abebbt, kann bei den aktuellen Ostwinden nicht gesagt werden, wie sich die Lage entwickelt“, sagte Jüterbogs Bürgermeister, Arne Raue am Dienstag. Seine Prognose: „Aktuell nimmt der Wind erheblich zu, so dass mit großflächigem Ausbreiten zu rechnen ist.“

„Fast jede Form von Munition erprobt“

Die Bekämpfung der Feuers ist schwierig, weil auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „Altes Lager“ noch Munition und Munitionsreste im Boden liegen. Deshalb ist das Betreten gefährlich. Auf dem Gelände hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Waldbrände gegeben. Doch eine Brandbekämpfung sei auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „Altes Lager“ mit der vielen Munition im Boden wegen immer neuer Explosionen „nicht konsequent möglich“, erläuterte Raue. Rund um Jüterbog wurde nach Raues Worten mehr als 100 Jahre lang „fast jede Form von Munition“ erprobt. „Dies geht von Flugzeugbestückung bis hin zu U-Boot-Torpedos.“ Die verschiedenen Armeen hätten die Munition dagelassen - zu großen Teilen noch scharf. Sie liegt sowohl an der Oberfläche als auch im Boden verborgen. „Mit jedem Jahr wird sie desolater und damit auch unberechenbarer“, so Raue.

Feuerwehren dürfen nicht direkt löschen

Vor vier Jahren hat der Bürgermeister angewiesen, dass die Feuerwehren nicht mehr direkt löschen dürfen. „Es gibt Erfahrungen, wonach Einsatztechnik in früheren Jahren durch Granatsplitter beschädigt wurde. Auch ist bekannt, dass die Flächen mit chemischen Substanzen erheblich verseucht sind“, sagte Raue. „Entsprechend gefährlich wäre der Einsatz.“

Ein weiterer Brand in Zesch am See (Teltow-Fläming) konnte dagegen bereits am Montagabend gelöscht werden.

Bei Zesch am See standen am Montag mindestens zwei Hektar Wald in Flammen. Quelle: René Rynders

Einige tausend Quadratmeter stehen in Flammen

Dort hatte am Montag um 13.53 Uhr das System mal wieder angeschlagen. Die Kameras hatten über der Lindenbrücker Heide eine Rauchwolke erfasst, der Qualm stieg irgendwo zwischen der B96 und dem kleinen Dorf Zesch am See auf. Auf den Bildschirmen der Mitarbeiter der Wünsdorfer Waldbrand-Überwachungszentrale sah es aus, als hätte sich eine Schäfchenwolke etwas dicht über den Baumwipfeln eingenistet. Tatsächlich aber standen dort einige tausend Quadratmeter Wald in Flammen.

Hintergrund

Das System der Waldbrandgefahrenstufen wird seit dem Jahr 2013 bundeseinheitlich angewandt.

Die Stufen, die von der niedrigsten Stufe 1 bis zur höchsten Stufe 5 reichen, geben eine mögliche Feuerintensität und damit auch den Aufwand der Feuerwehren an, Waldbrände zu bekämpfen.

Errechnet wird diese Feuerintensität mit einer komplizierten Formel, in die nicht nur die Temperatur und die Sonneneinstrahlung, sondern unter anderem auch die Bodenfeuchte und die Windgeschwindigkeit einfließen.

Die Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald gehören in Brandenburg zu den Landkreisen, die für Waldbrände am anfälligsten sind.

Die vergleichsweise hohe Zahl der Waldbrände ist unter anderem auf die großen Waldflächen, die sandigen Böden und die hohen Kiefernbestände in beiden Kreisen zurückzuführen. Die Munitionsbelastung spielt ebenfalls eine Rolle.

Es folgte der standardisierte Ablauf: Die Zentrale alarmierte die Regionalleitstelle, die wiederum schickte Wehren aus der Umgebung los, erst Feuerwehrleute aus allen möglichen Zossener und Baruther Ortsteilen, später wurden noch Wehren aus Mellensee, Luckenwalde und Jüterbog alarmiert. Mehr als 20 Löschfahrzeuge waren letztlich im Einsatz. Das Gelände war so unwegsam, dass der Brand noch Stunden später nicht vollständig unter Kontrolle gebracht war. Und am frühen Nachmittag ging die nächste Waldbrandmeldung ein.

Am Keilberg bei Jüterbog brannte es, stand eine Waldfläche auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Flammen. Die Feuerwehr konnte deshalb nicht eingreifen, das Ausmaß des Brandes war am frühen Abend noch unklar.

Waldbrände gehören derzeit zum Alltag

Für all jene, die mit Wald und Brandbekämpfung zu tun haben, gehören solche Situationen derzeit zum Alltag. 52 Waldbrände verzeichneten die Forstbehörden Stand Montag landesweit in diesem Jahr, die meisten davon in den vergangenen zwei Wochen. Seit dem Wochenende gilt in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming Waldbrandwarnstufe 4. Die Sandböden sind trocken, die Sonne glüht seit Tagen ungestört, es hat auch schon eine ganze Weile nicht mehr geregnet. Da entzündet sich schnell mal etwas.

Aufnahme einer Waldbrand-Überwachungskamera. Quelle: Landesforst

Mit den Bränden bei Zesch und Jüterbog registrierten die Leistellen in den vergangenen fünf Tagen in der Dahmeland-Fläming-Region insgesamt fünf Waldbrände. Am Donnerstag erst fackelten bei Massow 5000 Quadratmeter Wald ab, die Wehren hatten den Brand nach einer Stunde unter Kontrolle. Am Sonnabend brannte dann eine kleine Waldfläche bei Radeland, und auch am Sonntag mussten die Wehren in ein Waldstück bei Dornswalde ausrücken. Für vier der fünf Brände waren Baruther Feuerwehrleute zuständig. „Die Brände sind in dieser Jahreszeit grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, vier Einsätze in so kurzer Zeit aber schon“, sagt der örtliche Stadtbrandmeister René Mydaß.

Ursachen sind nicht immer klar

Die Ursachen sind nicht immer klar. Kreisbrandmeister Ronald Judis erzählt von Leuten, die in den Wäldern rings um Halbe nach Weltkriegs-Memorabilia suchen, nach Orden, Helmen oder Waffenteilen, und die dabei auch teils phosphorhaltige Munition aus dem Erdreich buddeln. „Wenn die dann an der Oberfläche liegt, kann sie sich bei Sonneneinstrahlung leicht entzünden“, sagt er.

Im vorigen Jahr sei der Zusammenhang besonders auffällig gewesen. „Wir hatten eine lange Hitzeperiode und im Mai und Juni eine Zeit lang fast täglich Einsätze. Aber dann, ab dem ersten Tag mit 40 Grad, war plötzlich Ruhe. Die aufgebuddelten Stellen waren alle durchgebrannt.“

Zu diesem Zeitpunkt war die Statistik aber längst ruiniert. In normalen Jahren zählen die Feuerwehrleute in Dahme-Spreewald etwa 40 Waldbrandeinsätze, im Jahr 2015 waren es 100.

Brandstiftung, Glasscherben, Zigaretten

Aber Altmunition sei nur eine von vielen Brandursachen, betont Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter beim Landesbetrieb Forst, und zählt die typischen Auslöser für Waldbrände auf, die sich immer wieder feststellen lassen. Neben absichtlicher Brandstiftung gehören heiße Auspuffrohre genauso dazu wie herumliegende Glasscherben und offenes Feuer. Das darf zwar laut Waldgesetz bis zu einer Entfernung von 50 Metern in Waldnähe überhaupt nicht entzündet werden. „Aber wenn ich jeden Tag sehe, wie die Kippen aus den Autofenstern in den Wald fliegen, da könnte ich verrückt werden“, sagt Kreisbrandmeister Judis. Denn dafür, dass trotz solcher Fahrlässigkeiten bei einem Feuer selten mehr als ein halber Hektar Wald abbrennt, müssen Forstbehörden und Feuerwehren ihre gesamte Einsatzkraft aufbringen.

109 Kontrolltürme mit Kameras sind im gesamten Land installiert. Bei jedem Brand werden zahlreiche Wehren alarmiert, Löschfahrzeuge werden oft von weit her angekarrt. Auf früheren Truppenübungsplätzen laufen Feuerwehrleute zudem Gefahr, durch Altmunition verletzt zu werden – dieses Problem mahnt besonders Gerd Heine, Kreisbrandmeister von Teltow-Fläming, immer wieder an.

Weil die Anforderungen im Einsatz hoch sind, rufen die Kreisverbände ihre Leute jährlich zu einer großen Waldbrandübung. „Unsere findet in diesem Jahr Ende Mai statt“, sagt Ronald Judis.

Bis dahin werden die Ortswehren womöglich noch mehr Gelegenheiten bekommen, sich unter Realbedingungen zu beweisen. Denn die Waldbrandwarnstufe 4 bleibt wohl mindestens bis zum Wochenende bestehen.

Von Oliver Fischer, MAZonline und dpa

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