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Teltow-Fläming Erinnerungen an Ketschendorfer Martyrium
Lokales Teltow-Fläming Erinnerungen an Ketschendorfer Martyrium
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00:29 23.01.2015
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Luckenwalde

Zur Eröffnung erschienen etwa 50 Besucher, deren Angehörige zum Teil selber in Ketschendorf interniert waren, dort umgekommen sind, oder es sogar überlebten. Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) wünschte der Ausstellung vor allem junge Besucher, um aus der Geschichte zu lernen. Solche Stätten müsse man bewahren, sagte sie, um zu zeigen, wozu sie gebraucht beziehungsweise missbraucht wurden.

Viele ungeklärte Schicksale

Der Vereinsvorsitzende der Initiativgruppe Ketschendorf, der ehemalige Superintendent Eckhard Fichtmüller, schilderte die „Verlängerung des Leidens“ nach dem Zweiten Weltkrieg für die ohne Nennung eines Grundes Festgenommenen sowie für deren Angehörigen. Diese blieben oft im Ungewissen, was aus ihren Familienmitgliedern geworden ist. Inzwischen habe man eine Liste der Internierten mit mehr als 10.000 Namen und auch eine Totenliste mit 4722 Namen. Bis heute gebe es ungeklärte Schicksale.

Das Lager in Ketschendorf

Die Siedlung Ketschendorf bei Fürstenwalde wurde 1940 für Arbeiter der Deutschen Kabelwerke erbaut.

Seit April 1945 wurden auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone elf Speziallager eingerichtet. Ketschendorf war die Nummer 5.

Die etwa 500 Bewohner der Siedlung wurden zwangsweise ausquartiert. Dort wurden mehr als 10.000 Menschen im Alter von zwölf bis 72 Jahren interniert.

Die Internierten mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen hausen.

Unzureichende Ernährung, Hunger, seelisches Leid und Krankheiten führten zu hohen Sterberaten.

4722 Menschen starben nach neuesten Erkenntnissen in den zwei Jahren, die das Lager Ketschendorf existierte.

Die verscharrten Leichen wurden später auf dem Waldfriedhof in Halbe bestattet.

Fast verhungert im Lager

Noch gibt es Zeitzeugen, die das Lager miterleben mussten. Vor seiner Verhaftung 1945 war der damals 16-jährige Willi Leppler 1,63 Meter groß und 46 Kilogramm schwer, berichtete der alte Herr, der zwei Jahre in Ketschendorf verbrachte. Als er 1948 aus einem anderen Lager entlassen wurde, war er zwei Zentimeter gewachsen und zwei Kilo leichter. Der andere Zeitzeuge Willi Leppler berichtete, wie er als 15-Jähriger in Ketschendorf fast verhungert wäre. Wegen der mangelhaften Ernährung seien viele seiner Alterskameraden dort gestorben.

Auch im Publikum befanden sich vier Zuhörer, deren Angehörige in Ketschendorf gelitten hatten. So berichtete Josef Sagner, dass sein Vater am 16. September 1945 aus dem Haus Beelitzer Tor 38 in Luckenwalde geholt wurde, wo Sagner jetzt noch wohne. Sein Vater sei nie zurückgekehrt.

Söhne der Gefangenen recherchieren Schicksale

Hannelore Priebe aus Heinsdorf berichtete, sie sei das zehnte Kind von Alfred-Paul Wille aus Dahme und habe ihren Vater nie kennengelernt. Der damals 45-jährige Buchdrucker und Schriftsetzer sei nach Ketschendorf gebracht worden. Ihre Mutter habe nie erfahren, was aus ihm geworden sei. Erst der Sohn von Hannelore Priebe habe im Zuge seiner Ahnenforschung herausgefunden, dass sein Großvater in Ketschendorf an Hunger gestorben ist.

Dagegen kam Ernst Schulze aus Luckenwalde 1950 aus dem Nachfolgelager Buchenwald zurück. Vorher war er in Ketschendorf. „Als er zurückkam war er rund und dick“, berichtete seine Tochter Karin Kutschera, „man hatte ihm vorher Hefe gegeben, damit er nicht so abgemagert aussieht.“

Dass sein Großvater Willy-Franz Jäger aus Meißen an seinem 37. Geburtstag in Ketschendorf gestorben ist, hatte Ralph Krause aus Luckenwalde schon vom DRK-Suchdienst erfahren. Als er vor drei Jahren Ketschendorf besuchte, war es dort aber noch nicht dokumentiert. Am Dienstag fand er den Namen und die Lebensdaten seines Opas im Ketschendorfer Sterbebuch.

Von Hartmut F. Reck

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