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Warnung vor aggressiven Wildschweinen

Bachen schützen ihre Frischlinge Warnung vor aggressiven Wildschweinen

Klaus Grüneberg, stellvertretender Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Teltow-Fläming, geht seit 30 Jahren auf Schwarzwildjagd und kennt die Gewohnheiten von Wildschweinen gut. Im Interview erzählt er, weshalb man einer Bache mit Frischlingen besser nicht in die Quere kommen sollte: „Die Tiere verteidigen ohne Gnade“.

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Es gibt kaum besorgtere Mütter als Wildschweine.

Quelle: dpa

Luckenwalde. Wald-Spaziergänger sollten derzeit besonders aufmerksam sein. Jäger in der Region Dahmeland-Fläming warnen vor aggressiven Wildschweinen.

Klaus Grüneberg ist seit 30 Jahren Jäger

Klaus Grüneberg ist seit 30 Jahren Jäger.

Quelle: Oliver Fischer

Aktuell bekommen die Bachen ihre Frischlinge und greifen auch Menschen an, die ihnen zu nahe kommen, sagt Klaus Grüneberg, stellvertretender Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Teltow-Fläming.


MAZ:
Herr Grüneberg, der Landesjagdverband warnt in diesen Tagen vor Bachen mit neu geborenen Frischlingen. Wie gefährlich sind die Tiere?

Klaus Grüneberg: Da will ich Heinz Meynhardt zitieren, einem damals in der DDR sehr bekannten Verhaltensforscher und Schwarzwild-Spezialisten. Der hat intensiv über das Thema geforscht und zeitweilig auch in einer Rotte gelebt. Er schreibt in einem seiner Bücher: „Ich habe kaum besorgtere Mütter gesehen als Wildschweine. In den ersten Tagen nach der Frischlingsgeburt wird eine Bache jeden angreifen, der sich ihrem Kessel nähert, auch uns Menschen.“ Das kann man so stehen lassen. Gefährlich sind die Tiere an sich nicht, nur wenn man ihnen zu nahe kommt. Dann ist die Gefahr nicht zu unterschätzen.

Was heißt das konkret?

Grüneberg: Bachen sind in den Tagen nach der Geburt schon wehrhaft. Sie lassen da nicht einmal die einjährigen Frischlinge in die Nähe ihrer Jungen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. In Mahlow, bei mir um die Ecke, gab es mal einen Wurfkessel, rund 20 Meter von der Straße entfernt. Wenn man da dicht rangekommen wäre, dann hätte die Bache angegriffen – und die Tiere haben eine enorme Startgeschwindigkeit, ein Mensch ist da chancenlos. Und die Tiere verteidigen ohne Gnade, wenn sie sich angegriffen fühlen oder ihre Frischlinge bedroht sehen.

Wie muss man sich einen Zusammenstoß mit einer Bache vorstellen? Rennen sie den Menschen um?

Grüneberg: Bachen haben anders als Keiler keine Waffen – so nennen wir Jäger die großen Eckzähne. Aber sie knautschen, das heißt, sie beißen richtig zu. Ein Wildschwein kann, wenn es sein muss, einen Oberschenkelknochen durchbeißen. Ein weibliches Tier wiegt außerdem zwischen 40 und 100 Kilo, das ist dann schon eine imposante Erscheinung. Bevor sie angreift, bläst sie laut Luft aus. Das ist eine letzte Warnung, daraufhin erfolgt ein Scheinangriff, dann muss man weg sein. Ansonsten hilft nur noch Arme hoch und schreien. Wenn man flüchtet, muss man aufpassen, dass man nicht zwischen die Bache und ihre Frischlinge gerät. Aber ich muss dazu sagen: So etwas habe ich noch nicht erlebt in meinen 30 Jahren als Jäger, und ich bin viel draußen in Wald und Feld.

Hintergrund

Wildschweine sind Allesfresser und gelten als extrem anpassungsfähig.

Die Tiere leben üblicherweise in Gruppen zusammen. Die männlichen Tiere, die sogenannten Keiler, leben jedoch zumeist als Einzelgänger.

Die Paarungszeit dauert von November bis Januar. Die Tragezeit der Weibchen, der sogenannten Bachen, beträgt 114 bis 118 Tage. Die Säugezeit der Frischlinge dauert zweieinhalb bis dreieinhalb Monate; deren Bindung an die Bache rund eineinhalb Jahre.

Ausgewachsen sind Wildschweine im Alter von fünf bis sieben Jahren. Allerdings wird nur jedes zehnte Wildschwein älter als vier Jahre.

Was raten Sie Spaziergängern zu dem Thema?

Grüneberg: Die Hauptfrischzeit dauert bis Ende April, bis dahin sollte man die Wege im Wald nicht verlassen und unübersichtliches Terrain nach Möglichkeit meiden. Bachen frischen mittlerweile aber auch am Rand von Siedlungsgebieten. Ich erinnere mich noch, im vorigen Jahr war in der Nähe eines Reiterhofs bei Heinersdorf eine Bache in einem Brombeergestrüpp. Die kam immer raus, wenn die Reiter mit ihren Pferden vorbeigeritten sind. Die Reiter haben mich damals gefragt, was sie tun sollen.

Was haben Sie Ihnen geraten?

Grüneberg: Ich sagte, sie sollen die Gegend um die Brombeerhecke einfach zwei Wochen lang meiden und das Tier in Ruhe lassen. Dann ist die Gefahr vorbei. Genauso war es dann auch. So fair sollte man den Tieren gegenüber sein. Ich erlege gerne ein Stück Schwarzwild, aber genauso sehr kümmere ich mich darum, dass die Bachen, wenn sie Frischlinge haben, waidgerecht behandelt werden.

Wie ist es derzeit um die Wildschweinpopulation in der Region bestellt?

Grüneberg: Die Tiere vermehren sich ungemein, nicht nur bei uns. Es ist viel Nahrung da. Die Eichen und Buchen werfen in den letzten Jahren ungewöhnlich viele Eicheln und Bucheckern ab. Hinzu kommt der Maisanbau. Durch die hohe Energiezufuhr bekommen sie relativ viele Frischlinge. Außerdem waren die Winter kurz und warm zuletzt, so dass auch schwache Tiere durchgekommen sind. Da auch schon sehr junge Wildschweine an der Reproduktion teilnehmen, beobachten wir inzwischen Zuwachsraten von 300 Prozent. Das heißt: Auf ein Wildschwein kommen zu Beginn eines Jagdjahres im Schnitt drei neue. Das ist schon enorm, insbesondere, wenn man die Schäden sieht, die die Tiere anrichten. Ich jage in Dahlewitz und wir schießen dort jedes Jahr um die 30 Stück Schwarzwild. Das ist richtig Arbeit, gerade im Winter.

Inwiefern bezeichnen Sie das als richtig Arbeit ?

Grüneberg: Man braucht zum Jagen ausreichend Licht, und die Tiere kommen erst aus der Deckung, wenn es dunkel ist. Mein letztes Stück Schwarzwild habe ich erlegt, als Schnee lag, das war richtiges Sauwetter (lacht). Außerdem sind die Tiere ja auch lernfähig. Sie werden immer vorsichtiger. Wir haben unlängst bei uns im Revier eine Drückjagd angesetzt, dabei haben wir drei Tiere erlegt. Seither sind sie aus diesem Teil des Reviers verschwunden. Aber das verlagert das Problem natürlich nur.


Von Oliver Fischer

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