Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Was Kommunen ihren Neubürgern schenken

Söckchen für die Seele Was Kommunen ihren Neubürgern schenken

Ein Schlüsselanhänger, ein Bild oder doch ein Gutschein für das lokale Einkaufcenter? Mit kleinen Geschenken wollen Kommunen gleich von Beginn an bei Neubürgern oder jungen Eltern Imagepunkte sammeln. Eine Investition in die Zukunft, die sich manche sogar recht viel Geld kosten lassen. Die MAZ hat sich umgehört.

Voriger Artikel
Zwölfjähriger bei Unfall schwer verletzt
Nächster Artikel
Erziehermangel führt zu Personalengpässen

Iris Baade (r.) überreicht Miriam Höhne aus Nuthe-Urstromtal Lätzchen und Söckchen für Söhnchen Elias.

Quelle: Margrit Hahn

Dahmeland-Fläming. Königs Wusterhausen ist eine Stadt, die ihren Neubürgern einiges zu bieten hat: florierende Wirtschaft, Gymnasien, eine Bahnverbindung in die Hauptstadt, eine kleine Fußgängerzone, ein großes Einkaufszentrum direkt vor den Toren. Und wenn Zugezogene im Rathaus ihren Wohnsitz anmeldeten, bekamen sie eine Broschüre mit allen wichtigen Informationen, damit sie sich zurechtfinden. Jahrelang reichte das.

Seit Juni aber hat die Stadt aufgerüstet. Seither drücken die Sachbearbeiter im Meldeamt den Zugezogenen ein Starterpaket in die Hand, das fast den Eindruck hinterlässt, die Stadt wolle sich um einen Preis für die zuzugsfreundlichste Kommune bewerben. Wer jetzt in Königs Wusterhausen seinen Wohnsitz anmeldet, bekommt neben der Broschüre auch noch ein Willkommensschreiben des Bürgermeisters überreicht, an das eine Einladung zum Tag der offenen Tür in der Bibliothek geknüpft ist. Außerdem gibt es Gutscheine, die zum Besuch von gleich drei Museen der Stadt berechtigen, darunter das Museum im Jagdschloss. Und wer Kinder hat, kann sich obendrein ein umfangreiches Paket vom Netzwerk Gesunde Kinder abholen. Es scheint, als trage die Willkommenskultur in allen Gesellschaftsbereichen Früchte.

Willkommensgeschenke gehören zum guten Ton

Die Königs Wusterhausener sind aber nicht die Einzigen, die mit Großzügigkeit bei ihren Neubürgern punkten wollen. Willkommensgeschenke gehören bei vielen Gemeinden inzwischen zum guten Ton. In Blankenfelde-Mahlow bekommen Zugezogene neben allerlei Infomaterial noch Stift und Notizblock, ein Schlüsselband und – bei Bedarf – Buntstifte für die Kinder. In Ludwigsfelde dürfen Zugezogene die Stadtbibliothek ein Jahr kostenfrei nutzen oder wahlweise das Stadt- und Technikmuseum besuchen. Zudem überreicht ihnen der Bürgermeister beim regelmäßig stattfindenden Neubürgerempfang ein Bild für die Wohnzimmerwand.

Die Stadt Zossen legt dem Jutebeutel mit den obligatorischen Broschüren noch Karten mit Rad- und Wanderwegen bei. Und wer einen Hund anmeldet, dem wird noch ein „Gassi-Bag“ in die Hand gedrückt: eine Tasche in Knochenform, in der Kotbeutel verstaut sind. „Damit die Leute wissen, dass wir eine hundefreundliche, aber auch eine ordnungsliebende Stadt sind“, sagt Sprecher Fred Hasselmann.

Neue Einwohner bedeuten mehr Steuern

Die Erklärung für solche Geschenke ist recht simpel. Über Einwohnerwachstum ist man allerorten erfreut, denn neue Einwohner bedeuten mehr Steuern, mehr Zuschüsse, mehr Lebensqualität. Da ist ein Wohlfühlpräsent als kleines Dankeschön angebracht. „Für mich gehört das zum guten Ton“, sagt Bestensees Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf (parteilos), der für Häuslebauer hochwertige Schlüsselanhänger in der Schublade hat und auch schon mal Krawatten mit Gemeindewappen verteilt. Das ist Imagepflege in eigener Sache. „Viele, die aus Berlin herziehen, sind in dieser Hinsicht nicht verwöhnt. Die sind über unseren Empfang und die Neubürgermappe ganz angetan“, sagt etwa Marina Ujlaki, Pressesprecherin von Ludwigsfelde.

Noch verbreiteter als Begrüßungsgeschenke sind Gaben zur Kindsgeburt. Fast überall bekommen Eltern mindestens Glückwunschschreiben und irgendeine niedliche Kleinigkeit aus dem Rathaus, manchmal Teddys, wie in Jüterbog, manchmal Lätzchen, wie in Trebbin. In Nuthe-Urstromtal gibt es neben dem Latz noch Söckchen. Der Clou: Sie sind handgestrickt von Bürgermeisterin Monika Nestler (Linke) persönlich.

Fotografengutschein fürs erste Familienbild

Die Stadt Luckenwalde zeigt sich bei Neugeborenen auch einfallsreich. Die Eltern bekommen einen Fotografengutschein und damit das erste Profi-Bild der Neu-Familie. Ein Geschenk für die Ewigkeit.

Nach so etwas sucht man in Ludwigsfelde derzeit noch. Das Paket für junge Eltern umfasst dort bisher unter anderem ein Nachtlicht, einen Edeka-Gutschein und Söckchen, die vom Netzwerk Gesunde Kinder gesponsert sind. Aber ein weiteres kleines Präsent könnte es ruhig noch sein, findet man im Rathaus. Jahrelang wurden Nuckel verschenkt, auf denen „I love LU“ aufgedruckt war. „Aber die sind jetzt alle und wir überlegen noch, ob wir nicht mal etwas anderes bestellen“, sagt Marina Ujlaki.

Schultütepatenschaft in Zossen

Manche Kommunen lassen sich die Geschenke sogar richtig Geld kosten. In Zossen etwa übernimmt die Stadt für jedes Kind, das in die Schule kommt, eine Schultütenpatenschaft. Die Eltern bekommen einen Gutschein über 65 Euro, mit dem Schulutensilien gekauft werden können. Die Stadt Wildau überreicht jungen Eltern seit 2006 eine Mappe mit gesponserten Gutscheinen im Wert von rund 250 Euro und packt noch einen 50-Euro-Gutschein fürs A10-Center oben drauf. In Bestensee bekommen junge Eltern ein Sparbuch mit 100 Euro, die Stadt Mittenwalde überweist allen frisch gebackenen Eltern sogar 150 Euro aufs Konto – was sich pro Jahr immerhin auf rund 11 000 Euro summiert.

Auch Werner Schröder, Bürgermeister von Ihlow, bringt allen jungen Eltern in seiner Gemeinde nach der Geburt persönlich 100 Euro vorbei. Normalerweise macht er das etwa fünf Mal pro Jahr. In diesem Jahr – das weiß er schon – werden es mindestens zehn Kinder sein. „Macht 500 Euro mehr als im Haushalt eingestellt sind, die müssen wir woanders einsparen“, sagt er. Aber das sei kein Problem. Für den Nachwuchs spare man gerne. Im Jahr 2002, als das Begrüßungsgeld eingeführt wurde, habe man sogar kurzzeitig 400 Mark ausgereicht, erinnert sich Schröder. Diese Summe erwies sich für die nicht eben finanzstarke 700-Einwohner-Gemeinde aber rasch als zu hoch. Auf die 100 Euro bestehen die Ihlower aber. „Wenn wir das abschaffen würden, wäre das ein Schlag“, so Schröder. Dass das Geld Einfluss auf den Kinderwunsch der Ihlower Paare hat, glaubt er freilich nicht. „Für 100 Euro schafft sich keiner ein Kind an, das sagt man mir auch ganz offen“, sagt Schröder.

Es gibt auch Kommunen, die auf Geschenke verzichten

Es gibt aber auch Bürgermeister, denen solche Gesten zuviel des Guten sind. Schulzendorfs Markus Mücke (parteilos) etwa richtet aus, Namen und Adressen von Personen, die sich in Schulzendorf anmelden oder die Kinder bekommen, stünden ihm „aus datenschutzrechtlichen Gründen für Willkommensgeschenke nicht zur Verfügung“. Und Klaus Rocher, Bürgermeister aus Rangsdorf, hat überhaupt nichts übrig für derlei Gestik. „Viel wichtiger ist doch, dass die Eltern einen Kindergartenplatz bekommen, und das hat bei uns trotz des hohen Kinderanteils immer funktioniert“, sagt er.

Von Oliver Fischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg