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Waschbär, Fuchs und Wildschwein legen zu

Dahmeland-Fläming Waschbär, Fuchs und Wildschwein legen zu

Die Jäger der Dahmeland-Fläming-Region haben in der Jagdsaison 2015/2016 deutlich mehr Tiere geschossen als im Jahr zuvor. Allein in Teltow-Fläming wies die Gesamtstrecke einen Anstieg um 1200 Abschüsse aus. Die größten Anstiege gab es bei den Wildschweinen. Raubtiere bereiten den Jägern Sorgen.

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Der Waschbär vermehrt sich in der Region in drastischem Ausmaß.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Der Frühling des Jahres 2015 war außergewöhnlich mild. Im März blieb es trocken, im April schien die Sonne auf Rekordniveau, die Temperaturen stiegen in wonnige Höhen. Kurz: Es waren Bedingungen, wie sie sich eine Wildschweinbache für ihre Frischlinge nicht besser wünschen könnte. Das schlägt sich prompt in den Statistiken nieder, die das Land vor wenigen Tagen für das Jagdjahr 2015/16 vorgelegt hat: Es gab wohl massig Wildschweine, die Jäger haben zumindest massig Schwarzwild geschossen.

Allein in Teltow-Fläming gingen den Jägern von April 2015 bis März 2016 insgesamt 5265 Wildschweine vor die Flinte. Das waren rund 500 mehr als im Jahr davor und rund 800 mehr als im Jagdjahr 2013/14. Auch in Dahme-Spreewald schossen die Jäger deutlich mehr Schwarzwild als im Vorjahr. Das positive Ergebnis ist wichtig, denn Wildschweine sind für einen Großteil der Wildschäden verantwortlich, außerdem droht die afrikanische Schweinepest, die bereits Ostpolen erreicht hat, und deren Ausbruch möglichst vermieden werden soll. Dafür gelte es, den Bestand so kurz wie möglich zu halten, sagt Ortwin Seier, der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Teltow-Fläming.

Normale Schwankung beim Schwarzwild

Über alle Wildtierarten hinweg weist die Streckenstatistik deshalb für das jüngste Jagdjahr in Teltow-Fläming auch gut 1000 Abschüsse mehr aus als im Vorjahr. Beim Schwarzwild lasse sich der Anstieg aber als normale Schwankung verbuchen, sagt Norbert Hill, zuständiger Sachgebietsleiter beim Landkreis Dahme-Spreewald, und bei fast allen anderen Wildarten seien die Zahlen stabil. Das Rehwild bewegt sich seit Jahren in ähnlichen Dimensionen wie das Schwarzwild. Auch die Tatsache, dass das Land die Kontrolle der Abschusspläne aufgehoben und die Rehe somit zum Abschuss freigegeben hat, ändert daran nichts.

Der Rotwildbestand hat sich auf etwas niedrigerem Niveau stabilisiert. Stark gesunken ist dagegen die Damwild-Population. In Dahme-Spreewald ist überhaupt nur noch ein kleiner Bestand in der Nähe von Hammer bekannt, wie Norbert Hill sagt. Noch dramatischer sieht es beim Muffelwild aus. In Dahme-Spreewald sind im vergangenen Jagdjahr gerade zwei Mufflons geschossen worden, in Teltow-Fläming leben die letzten Muffel in der Nähe von Thyrow. Bestände bei Baruth und Johannismühle, die vor einigen Jahren noch nachzuweisen waren, seien bereits erloschen, sagt Ortwin Seier. Grund ist wahrscheinlich der Wolf.

Damwild ist leichte Wolfsbeute

Dass Wölfe inzwischen in der Region heimisch geworden sind, ist unbestritten. In Teltow-Fläming lebt mindestens ein Rudel, Ortwin Seier vermutet, dass es eher zwei sind. Die Wölfe reißen vor allem wenig wehrhafte Tiere, dazu gehören Mufflons und Damhirsche. „Rotwild und Rehe können mit Wölfen umgehen“, sagt Seier. Damwild dagegen ist leichte Wolfsbeute. Ein Grund, die Damhirsche oder die Mufflons zu verschonen, ist das für die Jäger aber nicht. Eine Hege sei bei diesen geringen Beständen in der Regel wegen fehlender Erfolgschancen und Inzuchtgefahr ohnehin nicht sinnvoll. „Die Tiere sind auch nicht geschützt. In anderen Regionen leben noch genügend“, sagt Norbert Hill. Bei anderen Wildarten müsse man aber schon schauen, ob man auf die Bedrohung durch den Wolf reagiere und möglicherweise weniger Jungtiere entnimmt, weil die eher Wolfsopfer werden.

Hintergrund

Schwarzwild: In Teltow-Fläming wurden 5265 Wildschweine geschossen (Vorjahr: 4754). In Dahme-Spreewald wurden 4794 Abschüsse gezählt (Vorjahr: 4359).

Rehwild: In Teltow-Fläming wurden 3979 Rehe geschossen (Vorjahr: 3792). In Dahme-Spreewald waren es 4794 (Vorjahr: 4582).

Rotwild: In Teltow-Fläming 718 Stück (Vorjahr: 674), in Dahme-Spreewald 967 Stück (Vorjahr: 966).

Damwild: Teltow-Fläming 315 Stück (Vorjahr: 300), Dahme-Spreewald 72 Stück (Vorjahr 65).

Rotfuchs: Teltow-Fläming 1846 Stück (Vorjahr: 1614). Dahme-Spreewald 1909 Stück (Vorjahr: 1700).

Waschbär: Teltow-Fläming 1598 Stück (Vorjahr: 1311), Dahme-Spreewald 1706 Stück (Vorjahr: 1551).

Dachs: Teltow-Fläming 252 (217), Dahme-Spreewald 377 (307).

Anlass zur Sorge bereitet den Jägern und Förstern die schier unaufhaltsam wachsende Waschbär-Population. In der Region Dahmeland-Fläming ist die Zahl der geschossenen Waschbären innerhalb von zwei Jahren von 2400 auf 3300 gestiegen. Inzwischen gibt es ähnlich viele Waschbären wie Füchse. „Problematisch am Waschbär ist unter anderem, dass er gut klettern kann. Er besetzt Uhuhorste oder Storchennester und raubt die Eier“, sagt Ortwin Seier. Dass der Waschbär, der schon zur EU-weit unerwünschten Art erklärt wurde, noch zurückgedrängt werden kann, glaubt der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes nicht. Seier: „Er ist nachtaktiv und schwer zu bejagen. Am effektivsten ist die Jagd mit Fallen, aber dafür braucht man viel Zeit.“ In Dahme-Spreewald haben sich einige Reviere bereits auf Waschbären spezialisiert – trotzdem dürfte es schwer werden, den Bestand überhaupt einzugrenzen, schätzt Norbert Hill.

Merklich zugelegt haben auch andere Raubtiere wie Rotfuchs, Marderhund und Dachs. Das Raubwild stehe aber auch weniger im Fokus der Jäger, sagt Norbert Hill. Denn Füchse, Dachse und Marderhunde haben es vor allem auf Niederwild abgesehen – und das spielt für die Jäger in der Region eher eine untergeordnete Rolle.

Von Oliver Fischer

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