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Wege nach Wiepersdorf

Ausstellung „Pilgrimage“ im Finnland-Institut Wege nach Wiepersdorf

„Pilgrimage – Wege nach Wiepersdorf" ist der Titel einer Ausstellung mit Werken ehemaliger finnischer Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf. Sie ist noch bis zum 7. Juli im Finnland-Institut in Berlin-Mitte zu sehen. Bei der Ausstellung werden ganz unterschiedliche Werke gezeigt.

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Einige von Elsa Salonens faszinierenden Aschebildern.

Quelle: Karen Grunow

Wiepersdorf/Berlin. Wie klingen Ameisenkolonien? Jarkko Räsänen hat den winzigen Tierchen zugehört, wenn sie über trockene Blätter marschierten. Der finnische Künstler hat daraus gewissermaßen seinen Wiepersdorf-Soundtrack entworfen, denn entstanden ist der „Marche Funèbre“ (Trauermarsch) während seines Aufenthaltes im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf im Jahr 2012. Gemeinsam mit fünf weiteren ehemaligen finnischen Wiepersdorf-Stipendiaten wird er bis zum 7. Juli im Finnland-Institut in Berlin-Mitte vorgestellt. „Pilgrimage – Wege nach Wiepersdorf“ heißt die Ausstellung, in der es um das Wahrnehmen des Ortes für das Entstehen der eigenen Kunst geht.

Behüteter Aufenthalt

Zugleich aber lassen sie mit ihren niedergeschriebenen Erinnerungen die Besucher an den tiefen Eindrücken teilhaben, die so ein behüteter Aufenthalt im Kreise von Kollegen in der Fremde – und im Fall von Wiepersdorf – der ländlichen Einsamkeit hinterlassen kann. Wie sich das eigene Tempo ändern kann, das Denken und Arbeiten konzentrierter werden. Genau das wird am 12. Mai auch mit einer Podiumsdiskussion thematisiert werden, bei der über Sinn und Aufgabe von Künstlerresidenzen gesprochen werden wird. Das greift durchaus auch eine Initiative des Auswärtigen Amtes gemeinsam mit dem Goethe-Institut auf, denn für Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sind Künstlerresidenzen „Knotenpunkte“ bei der Entwicklung von kultureller Intelligenz – der „Fähigkeit zum Nachvollziehen der Denkmuster, Geschichtsbilder und Zukunftshoffnungen“, wie er 2015 erklärte.

Eine Arbeit von Tiina Raitanen, die jetzt im Finnland-Institut zu sehen ist

Eine Arbeit von Tiina Raitanen, die jetzt im Finnland-Institut zu sehen ist.

Quelle: Karen Grunow

Elsa Salonen wird dann auch mit auf dem Podium sitzen. Für sie waren die Monate in Wiepersdorf 2013 der Weg aus einer künstlerischen Sackgasse. Sie fing an zu experimentieren, sammelte Blumen, um ihnen die Farbe zu entziehen. Die Pigmente verwendete sie, um farbige Kristalle herzustellen. Im Finnland-Institut sind die gebleichten Pflanzen nun mit ihren kristallin bewahrten Farben zu sehen. „Materie und Geist des Lebens“ nannte Salonen diese Arbeit. Eine andere ist „Achtzig bescheidene Aussagen über die Unmöglichkeit des Todes“: Mit der Asche von verbrannten Fuchsknochen malte sie Pflanzen auf transparenten Kunststoff.

„Zyklus des Temporären und Ewigen“

Auch Tiina Raitanen, die im vergangenen Jahr in Wieperdorf war, sammelte ihre Materialien vor Ort – Weggeworfenes wie CD-Regale, Baumaterialien. „Das Sein, Sehen und Verbleiben in einem Raum und den Zyklus des Temporären und Ewigen“ kommentieren ihre Werke, schreibt sie dazu. Dass sie veränderlich sind, Raitanen auf jeden neuen Ausstellungsort wie nun auf das Finnland-Institut individuell reagiert, sieht, wer sie 2015 bei den Stipendiaten-Präsentationen erlebt hat.

„Ich war in Wiepersdorf genau zur richtigen Zeit“, sagt Mia Saharla, die 2012 für vier Monate „anhalten, stillstehen“ konnte. Dass ihre Zeit keineswegs Stillstand, sondern Neustart und Erkennen der eigenen Kunst war, beschreibt die Malerin. So wie Fotografin Elina Julin und Komponist Tomi Räisänen sich gern erinnern und mit ihren nun vorgestellten Arbeiten ihre Wiepersdorf-Zeiten anschaulich werden lassen.

Info : www.schloss-wiepersdorf.de

Von Karen Grunow

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