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Weiterer Einstieg zum alten Bunkersystem

Ludwigsfelde plant Anschluss an Berliner Unterwelten Weiterer Einstieg zum alten Bunkersystem

Die Arbeit ist mühselig, es gibt kein Geld dafür: Die Stadt Ludwigsfelde lässt jetzt, fünf Jahre nach Wiederentdeckung, mit Hilfe einer Tiefbaufirma einen zweiten Einstieg ins Stollensystem unter dem Industriepark Ost setzen. Die Bunkeranlage war in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs unter das damalige Daimler-Flugmotorenwerk Genshagen gebaut worden.

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Mit diesen Rohrteilen wird im Industriepark Ost Ludwigsfelde ein weiterer Zugang zu den wiedergefundenen Stollenanlagen gesetzt.

Quelle: Abromeit

Ludwigsfelde. Riesige Rohrteile im Industriepark Ost Ludwigsfelde  - das sind keine Segmente für eine gigantische Wasser- oder Erdgasleitung, wie mancher denken mag. Damit wird ein weiterer Zugang zu der vor wenigen Jahren wiederentdeckten Bunkeranlage unter dem früheren Daimler-Flugmotorenwerk Genshagen gesichert. Das erfuhr die MAZ von Torsten Klaehn, dem stellvertretenden Bürgermeister und Bau-Fachbereichsleiter.

Wie berichtet war es der promovierte Berliner Wirtschaftswissenschaftler Rainer Karlsch, der diese vergessene und lange gesuchte Stollenanlage 2011 wiederentdeckt hatte. Dort unten gibt es ein verwirrendes Netz von Luftschutzstollen, mannshoch und armbreit. 15 Meter tief liegt es unter Sand und Kiefern.

Modrig war es dort, als erstmals nach mehr als sechs Jahrzehnten wieder Luft in die Bunkergänge gekommen war. Diese insgesamt ein paar hundert Meter langen Gänge enden bisher im Sand, immer dort, wo der Tunnel in den letzten Kriegstagen 1945 nicht fertig geworden oder gesprengt worden war.

Eingezeichnet war dieser Bunker für technische Kräfte in keiner Karte. Doch gewusst hatten viele Ludwigsfelder davon. Obwohl nur wenige Menschen zum Ende des Zweiten Weltkriegs unter dem damals wichtigsten Rüstungsbetrieb der Nazis als Projektant oder Zeichner gearbeitet hatten. Über der Erde waren die Daimler-Benz- Triebwerke für Messerschmitt-Flugzeuge hergestellt worden. Doch weder zu Zeiten des späteren Industriewerks, des IFA-Autowerks noch in den mehr als zwei Jahrzehnten seit Mauerfall mit all seinen Verwerfungen, Abrissen und Neubauten hatte jemand die Bunkeranlage auf dem Industriepark-Gelände gefunden.

Karlsch war bei Forschungsarbeiten auf dieses Thema gestoßen und hatte das Gelände auf eigene Rechnung geophysikalisch untersuchen lassen. Die Stadt als Grundstückseigentümer half mit Baggern, einen Zugang zum Stollensystem zu finden. Kurz vor dem Aufgeben Ende 2012 fand man ein Luftrohr und schuf einen provisorischen Abstieg. Das hatte auch Militaria-Jäger auf den Plan gerufen, die dort unten Teile aus der Triebwerksproduktion oder Geheimunterlagen vermutet hatten. Doch nichts von alledem war gefunden worden. Was Karlsch, Klaehn und Museumsleiterin Ines Krause dort unten fanden, war klamm und nass: Holzreste von kargem Mobiliar, eine verbogene Eisentür, Reste verrottender Metallschränke, Kabelreste und leere Flaschen. In den folgenden Monaten waren Vermessungsingenieure in dieser Unterwelt zugange, deren Luftsauerstoffgehalt teils nur 20 Prozent betrug. Mit schweren Stahlplatten und Röhren ist der Zugang inzwischen gesichert.

Ob die Idee von einer Mahn- und Gedenkstätte in diesem Areal mit touristischem Anschluss an die Berliner Unterwelten tatsächlich umgesetzt werden kann, ist derzeit noch immer offen. „Es geht im Moment wirklich nur um die Sicherung eines Einstiegs und um Grabungen zur weiteren Erkundung“, sagt der Vizechef im Ludwigsfelder Rathaus; „und ohne das Sponsoring der Tiefbaufirma Haase & Pollack hätte die Stadt allein auch gar nicht das Geld für die jetzigen Arbeiten“, so Klaehn.

Von Jutta Abromeit

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