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Teltow-Fläming Ein Blick in die Weltgeschichte
Lokales Teltow-Fläming Ein Blick in die Weltgeschichte
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11:40 01.12.2014
Ein Denkmal im Ortszentrum erinnert an die siegreiche Schlacht von 1813. Es wurde anlässlich des 100. Jahrestages 1913 aufgestellt. Quelle: Gudrun Ott
Dennewitz

Heinz Müller kann auf eine lange Familiengeschichte im Ort zurückblicken. Seine Vorfahren lebten schon 1860 in Dennewitz. Trotz seiner 73 Jahre bewirtschaftet Müller den Vierseithof wie Generationen von Landwirten vor ihm. Dabei steht ihm die gute Laune förmlich ins Gesicht geschrieben. Er ist Dennewitzer aus Leidenschaft. Und engagiert sich, weil es keinen besseren Ort auf Erden für ihn gibt. „Ich bin schon lange in der freiwilligen Feuerwehr, inzwischen Ehrenmitglied. Aber ein Neuling bin ich bei den Dennewitzer Flämingtrachten“, sagt er.

Martina Schlanke und Heinz Müller vom Verein Dennewitzer Flämingtrachten am Fuße der Hochzeitsmühle. Quelle: Gudrun Ott

Zwei Kilo Stoff: Die Flämingtracht als Aushängeschild

Letztere sind ein Verein von 40 Sängern und Tänzern, die sich 1996 zusammenfanden. „Wir treten in historischer Tracht im In- und Ausland auf. Unser Ziel ist es, das Brauchtum zu pflegen und die Region bekannt zu machen“, sagt Martina Schlanke. „Wir sind sozusagen als Botschafter des Flämings unterwegs.“ Die Leiterin der Dennewitzer Flämingtrachten lacht und erzählt, dass solch ein handgewebter Tuchrock mit einer Spannweite von 3,30 Metern ein Schwergewicht ist. „Die Anzahl der Schmuckborten weist darauf hin, wie wohlhabend seine Trägerin ist. Zwei Kilo Stoff tragen wir mit uns herum, während die Männer es leichter haben, mit schwarzem Gehrock und Zylinder einfach nur elegant aussehen“, erklärt sie. Die Dennewitzer Flämingtrachten umrahmen auf Wunsch auch Hochzeiten, die in der Hochzeitsmühle im Ort stattfinden.

Chronik des Ortes

1170 Der Bau der gotischen Feldsteinkirche beginnt. Er dauert bis 1200.
1174 Erste schriftliche Erwähnung des Ortes durch Pfarrer Friedericus von Danewitz.
1625 Bis auf die Kirche brennt der Ort während des 30-jährigen Krieges nieder.
1746 Dennewitz gehört zu Sachsen.
1750 Die Kirche erhält einen Kanzelaltar aus Sandstein.
1813 Die Schlacht bei Dennewitz findet statt.
1814 Dennewitz wird Preußen zugeschlagen.
1911 Einweihung der Dennewitz-Gedenkhalle (Ruhmeshalle), nach 1945 vollständig zerstört und geplündert.
1911 Gründung der freiwilligen Feuerwehr.
1913 Einweihung des Bülow-Denkmals zum 100. Jahrestag der Schlacht.
1988 Neuaufbau des Tauentziengedenksteins.
1992 Dennewitz gehört zum Amt Niedergörsdorf, mit dem es seit 1991 eine Verwaltungseinheit bildet.
1996 Eröffnung des Dorfmuseums mit ständiger Ausstellung zur „Schlacht bei Dennewitz“.
1998 Einweihung der Dennewitzer Hochzeitsmühle, Einweihung des neuen Dorfgemeinschaftshauses als Gerätehaus der Feuerwehr und des Sportlerheims, Wiederaufbau des Würtemberger Gedenksteins.
2000 Einweihung des Kinderspielplatzes und des Großfeldfußballplatzes.
2003 Restaurierung des Bülow-Denkmals und Fertigstellung des Bauvorhabens Dorferneuerung, Anschluss an die Fläming-Skate.
2005 Dennewitz wird Kreissieger im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Zwei Jahre später erringt der Ort den dritten Platz im Landeswettbewerb.

Heiraten in der Bockwindmühle

Die Bockwindmühle entstand 1998 nach historischem Vorbild, ist aber ohne Mühlentechnik erbaut. Sie befindet sich auf einem Hügel an der Fläming-Skate. Wer sich unter dem großen Kammrad das Ja-Wort gibt, sieht sich einer Standesbeamtin in Flämingtracht gegenüber. „Auch Brautleute können in Tracht, die wir auf Wunsch verleihen, heiraten“, sagt Martina Schlanke.

Das Bülow-Denkmal als Dorfaushängeschild

Beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ erreichten die Dennewitzer Flämingtrachten vor neun Jahren den zweiten Platz. Der Ort selber wurde Kreissieger und kam im Landeswettbewerb zwei Jahre später auf Platz drei. Im vergangenen Jahr feierte der Ort den Jahrestag der siegreichen Schlacht von 1813. General von Bülow rettete damals die Hauptstadt Berlin vor den Franzosen. Etwa 70.000 Mann kämpften in der französischen Armee. Ihnen standen an die 41.000 preußische Soldaten gegenüber. Bülow, der als Verteidiger und Retter der Mark gilt, wurde für seine Verdienste mit dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes und dem Titel „Graf von Dennewitz“ ausgezeichnet. Auf einem Bülow-Denkmal inmitten des Dorfes und in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche sind ein Bildnis von Bülow und zwei preußischen Soldaten vor der Schlacht zu sehen. Am 6. September 1913, also einhundert Jahre nach der Schlacht, wurde das Denkmal feierlich eingeweiht. Es gilt als Wahrzeichen von Dennewitz. Unterhalb des Bülow-Reliefs ist zu lesen: „Auf, mutig drein und nimmer bleich, denn Gott ist allenthalben. Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben!“ Ein Spruch von Ernst Moritz Arndt.

Das halbe Dorf ist in der Kirche aktiv

Zur Schlacht bei Dennewitz gibt es im Dorfmuseum eine ständige Ausstellung. Ein beeindruckendes Diorama mit 2400 Flachzinnfiguren gibt einen Einblick in die Geschichte der Befreiungskriege. Für Führungen ist eine Anmeldung nötig. Wer spontan ins Dorf kommt, kann im Wirtshaus „Zum Grafen Bülow“ nach dem Schlüssel fragen. Wirtin Kerstin Brechlin ist bereit, Gäste zu begleiten.

Geschichtsträchtige Speisen

Kerstin und Jörg Brechlin führen das Wirtshaus „Zum Grafen Bülow“. Die Speisekarte ist eine kulinarische Geschichtsstunde. Die Gerichte tragen Namen wie „General Bülows Siegesschmaus“, „Napoleons Henkersmahlzeit“ oder „Landwehrteller“. Es gibt aber auch heimische Soljanka, Tomatensuppe und auf Bestellung die berühmte Hochzeitssuppe.

Im Wirtshaus ist auch der Schlüssel zur Kirche hinterlegt – für den Fall, dass Chronistin Kristel Tretschock einmal nicht zur Verfügung steht. „Meine Großeltern waren hier mal Küster“, erzählt die Bauingenieurin im Ruhestand. Die Kirche ist das älteste Gebäude des Dorfes. Sie liegt am Luther-Tetzel-Weg, der Pilgerroute, die die Reformation in Gang brachte. Die Kirche ist bis heute so etwas wie der kulturelle Mittelpunkt des Ortes. Die Hälfte aller Dennewitzer sind Kirchenmitglieder und fünfzig Prozent von ihnen sind aktiv für ihr Gotteshaus tätig. „Derzeit warten wir auf ein Gutachten für den Kirchturm, damit wir einen Antrag auf Sanierung stellen können. Einige Balken müssen wahrscheinlich erneuert werden, im schlimmsten Fall muss der Dachstuhl runter“, sagt Kristel Tretschock.

Lesen Sie außerdem hier ein kurzes Interview mit dem Dennewitzer Ortsvorsteher Thomas Maurer. Er spricht über den Zusammenhalt im Dorf, aber auch über die Pläne und Wünsche.

Von Gudrun Ott

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