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Wenig Hasen in Südbrandenburg

Wildtierzählung Wenig Hasen in Südbrandenburg

Es gab eine Zeit, da wurden südlich von Berlin noch Treibjagden auf Hasen veranstaltet. Auf eine solch Idee würde heute niemand mehr kommen. Der gemeine Feldhase hat in der Region mit so viel Widrigkeiten zu kämpfen, dass der Bestand in den Fluren in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming arg dezimiert ist. Im Grunde ist der Hase ein Opfer der DDR.

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Der Hasenbestand in Dahmeland-Fläming hat sich über die Jahre deutlich verringert.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. In ein paar Wochen, wenn die Natur richtig aufgewacht ist und die Junghalme sich schon in Größenordnungen durch die Erde gequält haben, wird Uwe Grünack mal wieder auf Tour gehen. Er wird dafür den Suchscheinwerfer auf sein Auto montieren. Außerdem wird er einen Bekannten dazu bitten – alleine funktioniert es nicht – und dann werden sie gemeinsam nach Einbruch der Dunkelheit die Feldwege in Uwe Grünacks Revier bei Rotberg (Schönefeld) abfahren. Die Aufteilung ist klar: Einer lenkt, der andere leuchtet die Ränder der Äcker und Wiesen aus und schaut, ob in Erdnähe etwas kauert. Gesucht wird ein graubraunes Tier, etwa kniehoch. Besondere Kennzeichen: lange Ohren und ein schwarz-weißer Puschelschwanz.

Uwe Grünack ist Jäger. Aber die Feldhasen, die er auf seiner Runde findet, will er nicht schießen. Das habe man in der Region schon lange aufgegeben, sagt er. Er will sie nur zählen. Vier mal im Jahr fährt er dafür des nachts die typischen Lebensräume der Feldhasen ab. Zweimal im Frühjahr, zweimal im Herbst. Die Ausbeute ist meistens gering. Einmal haben sie 17 Hasen gezählt, sagt er. Das war eine gute Nacht. In der Regel finden sie aber deutlich weniger. Einmal waren es ganze fünf – auf 250 Hektar, einer Fläche, so groß wie der Wannsee.

Hauptursache für den Rückgang ist die moderne Landwirtschaft

Früher, da war die Gegend um Rotberg mal ein gutes Hasenrevier, sagt Uwe Grünack. Ranghohe Sowjetoffiziere hatten dort ihre Freude an Treibjagden und erlegten dabei zig Hasen. Heute freut man sich, wenn man überhaupt mal einen sieht, sagt Grünack. Die Hasenpopulation, sie ist – Ostern hin oder her – nicht mehr das, was sie mal war. Und das gilt nicht nur für Rotberg.

Gründe dafür gibt es mehrere. Der wichtigste liegt in der modernen Landwirtschaft, sagt Ortwin Seier, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Teltow-Fläming. Denn Feldhasen sind in abwechslungsreichen Offenlandschaften zu Hause. Sie ernähren sich von Jungpflanzen, Kräutern, Knollen und Wurzeln. Das alles fanden sie über Jahrhunderte entlang der kleinen Äcker. Die Hecken, die Bauern oft an den Feldrainen pflanzten, boten ihnen Schutz vor Falken, Füchsen und anderen Feinden. Mit der Kollektivierung und der Gründung der LPGen habe sich der Lebensraum der Hasen aber grundlegend verändert, sagt Ortwin Seier. Die kleinen Äcker wurden zu riesigen Feldern zusammengelegt, die Genossenschaftsbauern pflügten Hecken, Wege und Randstreifen rigoros weg. Die teils gigantischen Roggen- und Maisfelder, die sich bald an ihrer Stelle ausdehnten, brachten den Feldhasen wenig. Das abwechslungsreiche Futter verschwand, und ohne Hecken hatten auch hungrige Raubtiere zunehmend leichtes Spiel mit Meister Lampe.

Nur noch fünf Tiere auf 100 Hektar

Als dann in den siebziger Jahren auch noch einige harte Winter und – für Hasen noch schlimmer – einige nasskalte Frühjahre dazukamen, sei die Population drastisch eingebrochen, sagt Grit Greiser vom Thünen Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. Grit Greiser koordiniert die Hasenzählaktionen, die seit 2003 brandenburgweit stattfinden, und hat deshalb auch einen guten Überblick über die Zahlen, die die Jäger liefern. Und die belegen, dass die Population im Osten Deutschlands deutlich geringer ist als im Westen.

Während in den Referenzrevieren in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Baden-Württemberg teilweise mehr als 40 Tiere auf 100 Hektar gezählt werden, geht man in Brandenburg davon aus, dass in den bevorzugten Lebensräumen noch etwa fünf Tiere auf 100 Hektar leben. Aber immerhin: „Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben“, sagt Grit Greiser. Dazu beigetragen habe sicherlich, dass Hasen heutzutage in Brandenburg nur noch in Ausnahmefällen gejagt werden, etwa vor Weihnachten, wenn der Jäger selbst Lust auf einen Hasenbraten hat.

Das belegen auch die Streckenzahlen. Die Untere Jagdbehörde des Landkreises Teltow-Fläming listet für die Jagdsaison 2014/15 insgesamt 176 tote Hasen auf. Zum Vergleich: Rehe wurden im selben Zeitraum etwa 4000 getötet. Und von den 176 Hasen wurden allein 118 von Autos überfahren.

Von Oliver Fischer

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