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Wenig Minijobber in der Region

Dahmeland-Fläming Wenig Minijobber in der Region

In Deutschland sind 7,5 Millionen Menschen in Minijobs beschäftigt. Was ein gutes Sprungbrett in den Berufseinstieg sein kann, wird für viele zur Falle: Sie verharren jahrelang in Minijobs. In der Region Dahmeland-Fläming sind davon vergleichsweise wenig Menschen betroffen. Das hat jedoch nicht nur positive Gründe.

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Zu den typischen Arbeitsbereichen für Minijobs gehört die Reinigungsbranche.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Dahmeland-Fläming. Knapp 16 000 Arbeitnehmer in der Region Dahmeland-Fläming sind Minijobber, das sind 4,9 Prozent aller Einwohner ab 15 Jahre. Frauen arbeiten in der Region nur etwas häufiger in Minijobs als Männer: In Teltow-Fläming waren zum Stichtag im Juni vergangenen Jahres 4,8 Prozent aller Frauen und 4,7 Prozent aller Männer in Minijobs beschäftigt. In Dahme-Spreewald waren es 4,5 Prozent aller Männer und 5,5 Prozent aller Frauen. Das geht aus den Daten der Arbeitsagenturen hervor, die das Recherchenetzwerk Correctiv deutschlandweit ausgewertet hat.

Demnach gibt es in den ostdeutschen Bundesländern deutlich weniger Minijobber als im Bundesvergleich. Bundesweit sind es 7,5 Millionen Menschen. Vor allem Frauen in Westdeutschland finden sich in einer steuerfreien Beschäftigung bis 450 Euro wieder. Ganz oben in der Statistik steht Nordrhein-Westfalen mit 8,2 Prozent der Einwohner in Minijobs. Brandenburg steht mit 4,6 Prozent an drittletzter Stelle im Bundesvergleich – damit liegt die Region Dahmeland-Fläming nur leicht über dem Brandenburger Durchschnitt.

Die meisten Minijobber gibt es im Spreewald: In den Kommunen Alt Zauche-Wußwerk, Straupitz und Lübben sind über 6 Prozent der Arbeitnehmer Minijobber. Auch in Großbeeren sind es 6,5 Prozent.

Dass es in der Region so wenig Minijobber gibt, klingt im Hinblick auf die Entwicklung des hiesigen Arbeitsmarktes erst einmal positiv. Denn während Minijobs etwa für Studenten oder Rentner eine praktische Möglichkeit sind, sich etwas zum Lebensunterhalt dazuzuverdienen, landen viele Minijobber langfristig in der Falle: Wer über Jahre nur in Minijobs arbeitet, zahlt nicht in die Rente ein und ist entweder vom Verdienst des Partners abhängig oder muss mit Sozialleistungen wie Hartz IV aufstocken. In den alten Bundesländern sind davon vor allem Frauen betroffen.

Nach Angaben von Isabel Wolling, Sprecherin der Arbeitsagentur Potsdam, könne ein Minijob ein gutes Sprungbrett nach einer längeren Zeit der Erwerbslosigkeit wie etwa nach Kindererziehung oder Krankheit sein. Eine Möglichkeit, um wieder in den Beruf einzusteigen. Um nicht in die Minijob-Falle zu rutschen und für die eigene Rente vorzusorgen, bieten die Arbeitsagenturen immer wieder Beratungen für Arbeitnehmer und Unternehmen an, wie aus einem Minijob auch ein sozialversicherungspflichtiger Job werden kann.

Doch dieses Problem der ewigen Minijobber ist in der Region gar nicht so groß, wie die Zahlen zeigen. Wie Boris Müller, Leiter des Geschäftsstellenbereichs Königs Wusterhausen der Arbeitsagentur, erklärt, liege das vor allem daran, dass hier deutlich weniger Minijobs angeboten werden. „Wir leben in einer strukturstarken Region mit vielen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsangeboten“, sagt er. „Da beschäftigen die Unternehmen die Bewerber lieber gleich sozialversicherungspflichtig, weil sie sonst darum bangen müssen, dass sie in einen anderen Betrieb wechseln.“ Der Fachkräftemangel betreffe genau die Branchen, in denen traditionell auch die meisten Minijobs angeboten werden: Handel, Gastronomie und Bau.

Der prosperierende Arbeitsmarkt sei jedoch nicht unbedingt ein Vorteil für die Arbeitnehmer. Wie Susanne Feldkötter, Verdi-Chefin des Bezirks Potsdam-Nordwestbrandenburg erklärt, habe die geringe Quote an Minijobs wenig damit zu tun, dass man hier bessere, sozialversicherungspflichtige Anstellungen findet als im Westen der Republik.

Vielmehr müssten hierzulande beide Partner arbeiten, weil ein Einkommen gar nicht für den Lebensunterhalt ausreiche. Außerdem seien die Löhne schlechter, da es weniger Tarifbindungen gibt, und Stellen sowieso häufig befristet sind. „Deshalb lohnen sich Minijobs für die Unternehmen hier gar nicht so sehr – sie können die Arbeitnehmer auch gleich prekär anstellen.“

In der Region, wie in ganz Brandenburg, ist laut Susanne Feldkötter eine Zersetzung des Arbeitsmarktes eingetreten. „Mittlerweile gibt es keine Differenzen der Unternehmensgewinne in Ost und West – aber die Lohnunterschiede sind trotzdem da.“ Dass die Beschäftigungsverhältnisse hierzulande viel schlechter als im Westen sind, betreffe nicht nur die Löhne. Dazu zählten laut Feldkötter auch prekäre Arbeitsverhältnisse wie Scheinselbstständigkeit, Honorarverträge oder andere Beschäftigungen ohne Absicherung. Das sei vor allem bei den Jobs in den Logistikzentren um Berlin der Fall. „Auf den ersten Blick mögen die Statistiken für den hiesigen Arbeitsmarkt sprechen – doch die Realität ist komplexer.“

Diesen Einwand kann auch Boris Müller von der Arbeitsagentur Dahme-Spreewald zum Teil bestätigen. Denn nicht umsonst pendeln trotz Fachkräftemangel täglich mehr Arbeitnehmer aus der Region aus als ein. „Die Arbeitgeber in der Region müssen tatsächlich mehr für ihre Attraktivität tun“, sagt er. Damit meine er nicht nur höhere Löhne. „Faktoren wie flexible Arbeitszeiten, Fahrtkostenzuschüsse, Mitarbeiterevents oder eine Beitrag zur Altersvorsorge spielen da ebenso mit hinein.“ Erst wenn das bei den Unternehmen angekommen sei, könne der Fachkräftemangel nachhaltig bewältigt werden.

Von Anja Meyer

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