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Weniger Autodiebe in Dahmeland und Fläming

Einbruch, Diebstahl, Benzinklau Weniger Autodiebe in Dahmeland und Fläming

Fast täglich meldet die Polizei, dass irgendwo in der Dahmeland-Fläming-Region ein Auto aufgebrochen, eine Lkw-Plane aufgeschlitzt oder Diesel abgezapft wurde. Ein Blick auf die Fallzahlen zeigt aber: Die Kriminalität rund ums Auto geht seit Jahren zurück. Früher war mehr Diebstahl – doch das heißt noch nicht Entwarnung.

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Draht rein, auf ist die Tür. Autoknacker machen kurzen Prozess – inzwischen aber seltener.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Die Meldungen gehören zum täglichen Grundbestandteil eines jeden Polizeiberichts: Auto gestohlen, Autoradio ausgebaut, Diesel abgezapft. Eine Kostprobe aus der jüngsten Zeit: Unbekannte steigen in ein Firmengelände in Niederlehme ein und bauen 72 Lkw-Batterien aus. In Luckenwalde wird ein nagelneuer VW-Kleinbus gestohlen, der noch nicht einmal ein Kennzeichen hatte. In Zossen klauen Diebe nicht nur Radkappen aus einem Autohaus, sie bauen auch noch die Räder von zwei Autos ab. Von einem Parkplatz in Deutsch Wusterhausen verschwindet ein Audi A4, und in Königs Wusterhausen wird ein schwarzer Mazda vermisst gemeldet. Schadenshöhe: 15 000 Euro.

Früher war mehr Autoklau

Die Liste vergleichbarer Fälle aus den vergangenen Jahren ist schier endlos. Eine gute Nachricht gibt es offenbar trotzdem, und die lautet: Früher war mehr Autoklau. Die Kfz-Kriminalität geht in der Region Dahmeland-Fläming offenbar zurück.

Zumindest besagen das die Kriminalitätsstatistiken der beiden zuständigen Polizeidirektionen Süd und West. Im Landkreis Teltow-Fläming etwa wurden im vorigen Jahr 13 Prozent weniger Diebstähle von, an und aus Fahrzeugen festgestellt als im Jahr 2014. Im Landkreis Dahme-Spreewald betrug das Minus sogar 36 Prozent. Beide Landkreise waren früher deutlich stärker gebeutelt als der große Rest des Landes Brandenburg, inzwischen liegen sie beide etwa im Durchschnitt, Dahme-Spreewald sogar leicht darunter. In einzelnen Kommunen ging die Diebstahlsrate im vergangenen Jahr sogar um die Hälfte zurück.

Zahlen und Fakten

18 662 Fälle von Diebstahl oder Sachbeschädigung wurden im Jahr 2015 landesweit angezeigt. Im Jahr 2006 waren es noch 26 465. Die Aufklärungsquote liegt derzeit bei knapp 20 Prozent.

Im Landkreis Dahme-Spreewald (ohne Schönefeld) wurden im Jahr 2015 insgesamt 1071 Fälle von Kfz-Kriminalität registriert. Aufklärungsquote: 17,6 Prozent.

Im Landkreis Teltow-Fläming wurden im Jahr 2015 insgesamt 1272 Straftaten im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen angezeigt. Aufklärungsquote: 15,7 Prozent.

Schönefeld verzeichnete 274 Fälle von Diebstahl, Einbruch und Sachbeschädigung rund ums Auto. Damit hat Schönefeld auf die Einwohnerzahl hochgerechnet die höchste Straftatenquote in Brandenburg und mit 8,4 Prozent auch die niedrigste Aufklärungsquote.

Diesel-Diebstahl spielt eine zunehmend geringere Rolle. Im Jahr 2013 wurden landesweit noch 1964 Fälle angezeigt. Im Jahr 2015 waren es noch 1106. Die Gründe für den Rückgang sind unklar.

Königs Wusterhausen etwa ist eine dieser Kommunen. Im Jahr 2014 nahm die Polizei dort insgesamt noch 274 Anzeigen wegen gestohlener Autoradios, Räder, Rückspiegel, Navigationssysteme oder Handtaschen auf, die irgendjemand ausgebaut, abgeschraubt oder vom Beifahrersitz geklaubt hatte. Im vergangenen Jahr waren es nur noch halb so viele.

Mittenwalde und Schönefeld besonders betroffen

Ebenso deutlich ist der Rückgang in Mittenwalde. Die 8800-Einwohner-Gemeinde war im Jahr 2014 eine der am stärksten von Kfz-Kriminalität betroffenen Gemeinden – was in erster Linie mit den im Gemeindegebiet befindlichen Autobahnrastplätzen Am Kahlberg Ost und West zu tun hat. Damals kamen 17 Delikte auf 1000 Einwohner, das waren deutlich mehr als in den ebenfalls stark betroffenen Kommunen Schönefeld (13 auf 1000) und Königs Wusterhausen (8 auf 1000). Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Diebstähle aber auch an der Autobahn zurückgegangen, weshalb die Quote in Mittenwalde ebenfalls um knapp die Hälfte sank.

Die rückläufige Tendenz ist landesweit zu beobachten, und zwar schon seit zehn Jahren. Brandenburgweit ging die Zahl der Kfz-Delikte von 26 000 im Jahr 2006 auf 18 000 im Jahr 2015 zurück. Die Zahl des Kraftstoffdiebstähle hat sich in den vergangenen drei Jahren halbiert. Eine schlüssige Erklärung dafür gibt es nicht.

Ursache für den Rückgang ist unklar

Vermutet werden von verschiedenen Stellen unter anderem ein höherer Verfolgungsdruck und bessere Ausleuchtung von Parkplätzen als Ursache. Womöglich hat sich das Aktionsgebiet der Banden verlagert – oder die Autoknacker-Branche leidet auch unter Fachkräftemangel. „Es heißt manchmal auch, der Markt im osteuropäischen Ausland sei gesättigt. Was genau die Ursache für den Rückgang ist, lässt sich schwer sagen“, sagt Mario Heinemann, Sprecher des Polizeipräsidiums in Potsdam.

Entwarnung kann trotzdem nicht gegeben werden: „Es sind weiterhin professionelle Banden unterwegs, und die haben es vor allem auf Infotainmentsysteme abgesehen“, sagt Lutz Miersch, Sprecher der Polizeidirektion Süd. Mitunter hätten die Banden sogar konkrete Fahrzeuge im Visier. Da werde erst die Anlage gestohlen, und wenn alles ersetzt und repariert ist, schlagen die Diebe ein zweites Mal zu.

Parkplätze sind bei Autoknackern beliebt

Parkplätze sind bei Autoknackern beliebt.

Quelle: dpa

Schwerpunktorte sind große, unübersichtliche oder verlassene Parkplätze. „Im Sommer sind es vor allem die Badeseen, im Winter die Friedhöfe“, so Miersch. Hinzu kommen Autobahnraststätten, auf denen Lkw-Planen aufgeschlitzt werden, Baustellen und Agrarbetriebe, wo die Diebe Diesel in Größenordnungen von mehreren hundert Litern aus den Tanks der Bau- und Erntemaschinen zapfen, und die riesigen Parkplätze der Einkaufscenter und des Schönefelder Flughafens.

Weniger Zubehör-Klau, mehr Komplett-Diebstahl

Und: Während die Diebstahlrate beim Zubehör nachgelassen hat, werden komplette Autos immer noch in Größenordnungen gestohlen. Dahme-Spreewald verzeichnete als einer von wenigen Landkreisen sogar einen Zuwachs bei Autodiebstählen. Im Jahr 2015 verschwanden zwischen Schönefeld und Luckau 327 Autos, 50 davon allein rund um den Flughafen Schönefeld. Das heißt: Fast täglich wird im Landkreis ein Auto gestohlen, wobei sich die Diebe neuerdings vor allem auf Königs Wusterhausen, Schönefeld, Wildau, Lübben und das Amt Unterspreewald mit Tropical Islands konzentrieren.

Dass der Landkreis verkehrstechnisch gut angebunden und mit seiner Grenznähe international ausgerichtet ist, erweist sich in diesem Punkt offenbar als Nachteil. Im weiter westlich gelegenen Teltow-Fläming wurden im vorigen Jahr nur 173 Fahrzeuge gestohlen gemeldet. Das sind deutlich weniger als in Dahme-Spreewald und auch weniger als in den Vorjahren. Im Jahr 2013 verschwanden im Landkreis Teltow-Fläming immerhin noch 261 Autos.

Die Chancen auf Rückgabe bleiben eher gering

Eine schlechte Nachricht schließt sich da an: Die Chancen, gestohlene Autos oder Autoteile wiederzubekommen, bleiben eher gering. Die Aufklärungsquoten schwanken zwischen 15 und 20 Prozent. Über die Tätergruppen lässt sich deshalb häufig auch nur spekulieren. Die Polizei geht davon aus, dass ein Großteil der Autodiebstähle Banden aus Osteuropa zuzurechnen ist. Bei Diebstählen von Autoteilen oder Autoeinbrüchen spiele aber häufig auch Beschaffungskriminalität im Drogenmilieu eine Rolle.

Und dass es sich auch bei bandenmäßigem Autodiebstahl nicht immer um Kooperationen aus Polen, Weißrussland oder Litauen handelt, zeigt ebenfalls eine Meldung aus dieser Woche: In Luckenwalde wurde ein ganzer Diebesring ausgehoben. Sechs Männer im Alter zwischen 25 und 36 werden beschuldigt, Fahrzeugteile im großen Stil gestohlen zu haben. Alle waren Luckenwalder.

Von Oliver Fischer

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