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Weniger Gründungen in der Region

Gewerbeanmeldungen gesunken Weniger Gründungen in der Region

Die Zahl der Gewerbeanmeldungen ist gesunken, doch Handwerksunternehmer bleiben auf stabilem Niveau

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Innovative Idee: Denny und Bodo Faustmann aus Dahmetal produzieren maßgeschneiderte Hundeboxen.

Quelle: privat

Dahmeland-Fläming.
Dahmeland-Fläming gilt als wirtschaftliche Boom-Region, trotzdem ist hier die Zahl an Unternehmensgründungen wie in ganz Deutschland rückläufig. Das belegen jüngst veröffentlichte Zahlen der statistischen Bundes- und Landesämter.

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 142 130 Gewerbeanmeldungen weniger abgegeben als im Jahr 2009. Im Landkreis Dahme-Spreewald lag das Minus beim Vergleich der beiden Jahre bei 207 Gründungen, in Teltow-Fläming wurden 225 Unternehmen weniger gegründet. Zuletzt ist die Entwicklung schwankend.

Während Gewerbeanmeldungen in Dahme-Spreewald von 2013 auf 2014 um 69 nach oben gingen, sanken sie in Teltow-Fläming um 125. Im Ranking aller 400 Städte und Kreise Deutschlands liegt Dahme-Spreewald mit 99 Unternehmensgründungen gesehen auf 10 000 Einwohner auf Platz 81, Teltow-Fläming rangiert mit 79 Gründungen auf Rang 213.

Um Selbstständigen beim Aufbau ihrer Existenz zu helfen, gibt es in der Region unter anderem den Lotsendienst der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald. Seit 2001 wurden durch dessen fachkundige Hilfe und Anleitungen 1428 Gründungen begleitet, der Anteil von weiblichen Gründerinnen erhöhte sich dabei stetig und liegt derzeit bei 51,8 Prozent. Im Jahr 2015 nahmen rund 150 Jungunternehmer die Beratung in Anspruch. Der Lotsendienst wird von der Europäischen Union und dem Land Brandenburg gefördert.

Unter den Gründern sind sowohl Arbeitnehmer, die aus einer Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit heraus etwas auf die Beine stellen wollen als auch Berufsrückkehrer oder Personen, die einen Betrieb übernehmen, sagt Marion Schirmer vom Lotsendienst. „Bei mir gibt es ein allgemeines Einführungsgespräch, die erste Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt sie. Im nächsten Schritt wird die Idee der Gründungsinteressierten einer weiteren Prüfung unterzogen, zusammen mit Experten aus Betriebswirtschaft und Marketing. „Die werdenden Unternehmer absolvieren dabei einen Reifeprozess und analysieren ihre Ausgangslage und die Nachhaltigkeit ihrer Idee.“ Doch die Arbeit des Lotsendienstes ziele nicht darauf ab um jeden Preis zu gründen. Trotzdem schaffen es mehr als 50 Prozent, ihre Idee umzusetzen, sagt Schirmer, die bei ihren Erstgesprächen den Input der Unternehmer in spe offen und kritisch hinterfragt. „Ich bin stringent, was die Gespräche angeht.“ Einigen schlägt sie auch zunächst den Weg des Nebengewerbes vor, doch das sei nur ein kleiner Teil. Trotzdem ist Schirmer davon überzeugt: Jede Existenzgründung brauche Zeit, jeder könne aber auch mit einer Schnapsidee zu ihr kommen. „Im Gespräch nehmen wir dann den Gedanken auseinander. Ich hatte noch keine Gründungsidee, die wirklich absurd war. Nachhaltigkeit ist das Wichtigste.“ Schirmer legt auch starken Wert auf die Einbindung der Familie und führt die Gespräche zusammen mit den Partnern der Gründungswilligen, um ihnen die Angst zu nehmen.

Hintergrund

Die Nachfrage nach gewerblichen Räumen und betrieblichen Neuansiedlungen ist insbesondere im Speckgürtel rund um Berlin seit vielen Jahren ungebrochen.

Die im Vergleich mit anderen ostdeutschen Landkreisen guten Zahlen für die Region hängen mit den großen Standortvorteilen zusammen. Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming gehören nach einem Focus-Ranking von 2014 zu den attraktivsten Wirtschaftsstandorten in Ostdeutschland.

Positive Faktoren sind unter anderem die Nähe zu Berlin und zum Flughafen Schönefeld, sowie dem künftigen Großflughafen BER, zur TH Wildau und den Großunternehmen der Region.

Zu Unternehmen, die in diesem Jahr neu an den Markt gegangen sind, gehören die Vakuplastic Kunststoff GmbH in Schönefeld, die sich auf die Herstellung von Saugnäpfen und Kunststoff-Spritzguss spezialisiert hat, die Akkura Analytic GmbH, die in Wildau Hormonanalysen anbietet oder die OHS Aviation Services GmbH, die sich um den Kabinenausbau von Geschäftsreiseflugzeugen kümmert. Allein im Technischen Gründerzentrum und im Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Wildau sind 2015 rund 50 neue Arbeitsplätze entstanden.

Auch der Lotsendienst Teltow-Fläming hat seit 2007 mehr als 1500 Gründungsinteressierte begleitet: 450 Personen entwickelten ihre Idee im Rahmen der Beratung weiter und etwa 300 davon gründeten ihr eigenes Unternehmen, sagt Detlef Gärtner, Beigeordneter des Landkreises Teltow-Fläming. „Das Programm wird gut in Anspruch genommen“, so Gärtner: Im Jahr 2015 haben bereits 27 Teilnehmer das Prozedere abgeschlossen und ihr eigenes Unternehmen gegründet. Auch hier war über die Hälfte der Teilnehmer weiblich. Bei den Ideen sind die Branchen breit gefächert: maßgefertigte Hundeboxen von Denny und Bodo Faustmann beispielsweise oder die Reaktivierung eines Webhauses als Kunst- und Kulturcafé in Kloster Zinna.

Die Zahl der Unternehmen im Handwerksbereich ist im Landkreis Dahme-Spreewald stabil geblieben: Zum 1. Januar 2016 waren hier 3043 Handwerksunternehmen angesiedelt. Davon wurden im vergangenen Jahr 241 Betriebe neu gegründet, doch genauso viele meldeten sich Ende des Jahres auch wieder ab. „Es gibt hier einen starken Unternehmensbestand, doch eine Fluktuation ist vorhanden“, sagt Veronika Martin von der Handwerkskammer Cottbus. Dahme-Spreewald ist der wirtschaftsstärkste Landkreis im Gebiet dieser Handwerkskammer. Zum Vergleich: Der Landkreis Spree-Neiße vermeldete Anfang des Jahres lediglich 2222 Unternehmen.

Im Landkreis Teltow-Fläming gab es Ende 2015 sechs Handwerksbetriebe mehr als noch Ende 2014. „Die Handwerkskammer Potsdam geht in den nächsten Jahren von stabilen Betriebszahlen in Westbrandenburg aus, die Region ist sehr gut aufgestellt“, sagt Katja Wolf, Sprecherin der Kammer. Insgesamt gab es Ende des Jahres 2015 2689 Handwerksbetriebe in Teltow-Fläming.

Seit Ende des vergangenen Jahres ist auch die Meistergründungsprämie in Kraft: Sie bietet Handwerksmeistern mit einem Zuschuss von bis zu 12 000 Euro die Möglichkeit, drei Jahre nach ihrem Meisterabschluss zu gründen beziehungsweise einen Betrieb zu übernehmen.

Von Melanie Höhn

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