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Teltow-Fläming Wenn auf einmal die Welt zusammenbricht
Lokales Teltow-Fläming Wenn auf einmal die Welt zusammenbricht
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10:30 25.11.2015
Nicole Rose mit ihren Kindern Leandro (r.), Lucie (l.) und Louisa. Quelle: Christian Zielke
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Mahlow

Wenn die kleine Louisa Rose vom 8. November des vorigen Jahres spricht, dann spricht sie „von der Sache damals“. Die Achtjährige wirkt gefasst, fast abgeklärt, dabei hat sie etwas erlebt, das zu viel ist für die Augen eines Kindes. Sie fand den damaligen Lebensgefährten ihrer Mutter mit einem Strick um den Hals. Jörg N. hatte sich in der gemeinsamen Wohnung das Leben genommen.

„Es muss ja irgendwie weitergehen“, sagt die Mutter

Wenn die heute Achtjährige von diesem traumatischen Erlebnis erzählt, dann hat man den Eindruck, es spricht eine junge Frau. Sie ist die älteste der drei Geschwister und hat durch den Schock an Reife gewonnen – eine Reife, die ihr Mutter Nicole gern erspart hätte. „Es muss ja irgendwie weitergehen“, sagt die dreifache Mutter. Viel Zeit zum Trauern habe sie nicht gehabt. Zusammen mit ihrer ältesten Tochter hat sie sich Hilfe von Ärzten und Psychologen geholt. Sie musste stark sein, auch wenn sie eigentlich keine Kraft hatte. „Ich habe versucht, die Tränen zurückzuhalten, aber immer ging es nicht“, sagt die 35-Jährige.

MAZ-Sterntaler-Aktion

Die Weihnachtsaktion, die die MAZ in Kooperation mit dem DRK durchführt, soll Familien, die unverschuldet in Not geraten sind, ein unvergessliches Weihnachtsfest ermöglichen. Zudem sollen damit in diesem Jahr Frauenhäuser, Behindertenverbände, Tafeln und der Schulsanitätsdienst des DRK unterstützt werden.

Das Spendenkonto wird vom DRK- Kreisverband Fläming-Spreewald verwaltet, der auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellt.

Kontoinhaber: DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald e.V., IBAN: DE30 1605 0000 3633 0275 39, Verwendungszweck: Sterntaler.

Die MAZ möchte die Namen der Spender veröffentlichen. Ist dies nicht gewünscht, kann das beim Verwendungszweck vermerkt werden.

Im vergangenen Jahr schwankte Nicole Rose zwischen innerem Ausnahmezustand und äußerlicher Normalität. Ihre beiden jüngsten Kinder, der sechsjährige Leandro und die ein Jahr alte Tochter Lucie wissen nicht, was passiert ist. Leandro will immer wieder wissen, wo Jörg ist, Lucie wird eines Tages fragen, wer ihr Vater ist. Bis es soweit ist, möchte Nicole Rose ihnen eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen. „Ich frage mich oft, wie erkläre ich das meinen Kindern“, sagt sie.

Mann hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen

Antworten hat sie nicht. Der Freitod ihres Lebensgefährten hat viele Fragen aufgeworfen. Nicole Rose wusste, dass er in der Vergangenheit schon zwei Mal versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Sie glaubte, ihre Beziehung und die gemeinsame Tochter Lucie, die im Sommer geboren wurde, hätten ihm Halt gegeben.

Als Jörg N. aus dem Leben schied, hinterließ er weder einen Abschiedsbrief, noch hatte er Freunden oder Verwandten von seinem Plan erzählt. Es habe auch keine Anzeichen gegeben, die darauf hindeuteten, dass er nicht mehr leben will, sagt Nicole Rose. Die gemeinsamen Jahre seien nicht immer einfach gewesen. „Er kam aus einer schwierigen Familie, hatte Probleme mit Alkohol und Tabletten“, sagt Nicole Rose. Wenn er am Wochenende bei der Familie war, war er oft abweisend und in sich gekehrt. Über seine Probleme sprechen oder sich helfen lassen wollte er nicht. „Ich muss damit leben, dass viele meiner Fragen für immer unbeantwortet bleiben“, sagt die junge Frau aus Mahlow.

Die alten Möbel mussten beim Umzug weg

Das vergangene Jahr stand auch im Zeichen eines Neubeginns. Die Familie zog in eine neue Wohnung. „Ich habe es nicht mehr ausgehalten“, sagt Nicole Rose. Zuviel habe sie an die gemeinsame Zeit mit ihrem Lebensgefährten erinnert. Louisa ging es ähnlich. Sie wollte nicht mehr in ihrem Bett schlafen. Die alten dunklen Möbel mussten weg, in der neuen Wohnung ist alles in hellen, freundlichen Tönen gehalten.

Dass es irgendwann wieder so etwas wie Normalität geben kann, habe sie vor einem Jahr nicht geglaubt, sagt Nicole Rose. „Ich hatte Angstvorstellungen und Panikattacken.“ Dazu kamen die finanziellen Sorgen, als Pflegehelferin eine vierköpfige Familie ernähren zu müssen. „Ohne meine Eltern hätte ich es nicht geschafft“, sagt Nicole Rose.

Mutter hofft, dass die Kinder unbeschwert Weihnachten feiern können

Seit einigen Monaten ist die Familie wieder zu fünft. Andreas Pruchlat ist der neue „Papa“. Der 28-Jährige weiß, dass er in einer Familie mit einer schweren Hypothek angekommen ist. „Anfangs war es nicht leicht“, sagt er. Er hat gelernt, mit dem Schicksal zu leben. Damit es nie wieder zum Äußersten kommt, haben er und seine Lebensgefährtin sich geschworen, immer offen über Probleme zu reden – auch mit den Kindern.

In diesem Jahr will die Familie gemeinsam Weihnachten feiern. Die Wunschliste ist lang. Louisa hätte gern einen Roller oder einen Fernseher. Leandro spielt Fußball und wünscht sich Schuhe in der Größe 33, einen Schreibtisch, ein Autopuzzle, einen sprechenden Bär und ein Regal für sein Spielzeug. Und Lucie wächst aus dem Kinderbett heraus. Mutter Nicole wünscht sich, dass ihre Kinder endlich wieder ein unbeschwertes Weihnachtsfest erleben dürfen.

Von Christian Zielke

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