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Wenn das Blaulicht-Fahrzeug rasen muss

Ahrensdorf Wenn das Blaulicht-Fahrzeug rasen muss

Immer mehr Verkehr, immer mehr Unfälle und Feuerwehr-Einsätze: Die Autobahn- und Fernstraßen-Gemeinden Ludwigsfelde, Großbeeren und Blankenfelde-Mahlow lassen in dieser Woche Feuerwehr-Maschinisten kritische Verkehrssituationen am Spezialsimulator üben.

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Haben die Kameraden im Sondersignal-Fahrzeug nachts bei Regen im Stadtverkehr richtig reagiert? Ausbilder Steffen Müller (Mitte) erklärt es.

Quelle: Jutta Abromeit

Ahrensdorf. Alexander Puschmann von der Freiwilligen Feuerwehr Siethen macht fast alles richtig: An seiner Blaulicht-Fahrt im Spezialsimulator für Einsatzfahrten hat Ausbilder Steffen Müller kaum etwas auszusetzen. Der 46 Jahre alte Puschmann ist seit acht Jahren Feuerwehrmann. Bei seinem fiktiven Unfalleinsatz entscheidet er sich in engem Stadtgebiet angesichts des Gegenverkehrs instinktiv für die Busspur. „Das war die bessere Alternative als die Risiken der Gegenspur mit unerwarteten Fußgängern“, Müller lobt ihn. Hätte man bei einem Linienbus vor sich auch auf den Fußweg fahren dürfen? Die Kameraden diskutieren.

Fahrpraxis mit schwerem Gerät

Müller ist von der Leipziger Firma IFE Systems und schult diese Woche in der Fahrzeughalle der Feuerwehr Ahrensdorf 48 Kameraden, immer sechs je vier Stunden. Die „Schüler“ kommen aus Ortswehren der Gemeinden Ludwigsfelde, Großbeeren und Blankenfelde-Mahlow. Der Ludwigsfelder Stadtwehrführer André Schütky erklärt: „Rund ein Drittel aller Kameraden sind Maschinisten, das heißt, sie haben Spezial-Qualifizierungen. Aber die wenigsten von ihnen fahren ständig Fahrzeuge von zehn oder 20 Tonnen. Das müssen wir üben, um für möglichst viele Ernstfälle gewappnet zu sein.“

Deshalb hatte er die Qualifizierung von Feuerwehr-Maschinisten initiiert: 2015 war Fahren im Gelände dran, voriges Jahr ein Fahrsicherheitstraining in Linthe. „Mit dem Simulator-Training jetzt sind wir mit der Hälfte der Maschinisten dann erst mal durch, nächsten Jahr starten wir noch mal eine Drei-Jahres-Staffel“, so Schütky.

Kommunen zahlen Zusatzausbildung

Robert Kieschke von der Freiwilligen Feuerwehr Dahlewitz ist Truppführer und Atemschutz-Gerätewart, außerdem Vorsitzender des Feuerwehr-Fördervereins. Er muss als nächster auf den Simulator und sagt: „Als Physikstudent fährt man ja nicht jeden Tag große Lkws. Deshalb kann ich hier üben, Automatismen zu entwickeln, um schneller und besser reagieren zu können.“ Dafür bezahlen die drei Kommunen gemeinsam einen vierstelligen Betrag für diese Zusatzausbildung. Und genau auf diese Simulation von Sondersignal- und Einsatzfahrten hat sich Müllers Firma spezialisiert, sie ist nach eigener Angabe Marktführer unter einer Handvoll deutscher Wettbewerber.

Pylonen dürfen überfahren werden – ganz sacht

Eine Stunde Theorie zu Beginn, dann der Simulator. „Alles, was hier mit plötzlich auftauchenden Kindern hinter Bussen oder plötzlich abbiegenden Fahrzeugen eingespielt wird, sind Auswertungen realer Unfälle“, erklärt Müller. Die sechs Feuerwehrleute vor ihm warnt er: „Niemals dorthin fahren, wo man nichts einsehen kann.“ Mut macht er den Männern, wenn sie an eine Tagesbaustelle mit rotweißen Gummihütchen kommen: „Wenn dahinter keine Grube ist, dürfen Sie sachte drüberfahren. Nicht zu schnell, sonst fliegen sie zu weit, aber bei aller Risikoabwägung kann das am ungefährlichsten sein.“

Und er wiederholt, was die Kameraden offensichtlich alle wissen: „Bei roter Ampel dürfen auch Privatpersonen über eine Kreuzung fahren, um Einsatzfahrzeugen Platz zu machen.“ An Schulbussen allerdings sollten auch Blaulicht-Fahrzeuge nur Schritt fahren: „Sie haben sonst keine Chance, beim Bremsen zum Stehen zu kommen“, so der Ausbilder.

Von Jutta Abromeit

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