Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Wenn die Feuchtigkeit dem Gotteshaus zusetzt

Waltersdorfer Kirche in Not Wenn die Feuchtigkeit dem Gotteshaus zusetzt

Die Waltersdorfer Kirche ist ein verschmähter Schatz im Kirchenkreis Zossen-Fläming. Das außen bescheiden wirkende, innen reich ausgemalte Gotteshaus im Flämingdorf ist in einem bedauernswerten Zustand. Das Notdach hält kaum noch die Feuchtigkeit draußen. Die Malereien drohen verloren zu gehen.

Voriger Artikel
Kein Anschluss unter dieser Adresse
Nächster Artikel
Das Leben der Familie Yassin

Der Taufengel schwebt im reich verzierten Waltersdorfer Kirchenschiff.

Quelle: Uwe Klemens

Waltersdorf. Es müssen nicht immer die großen Kirchenbauten sein, die ahnen lassen, mit welcher Ehrfurcht sie unsere Vorfahren einst erbauten. Die kleine Dorfkirche in Waltersdorf ist dafür ein gutes Beispiel, auch wenn die turmlosen, im 15. Jahrhundert errichteten Feldsteinmauern das auf den ersten Blick nicht vermuten lassen. Dem zweiten Blick dahinter eröffnet sich spätmittelalterliche Pracht, die unter Fachleuten als der üppigste, barock ausgestaltete Kirchenraum des Flämings gilt.

Doch die Pracht ist in Gefahr. Schwamm in Mauerwerk und Dachkonstruktion haben nicht nur der Statik schwer zugesetzt, sondern auch der Innenausmalung aus dem Jahr 1754. Wie stark die Schädigung des Holzes unter der Bemalung bereits fortgeschritten ist, entdeckten die Bauleute erst vor zwei Jahren während der Schwammbekämpfung und statischen Sicherung im Dachraum. Schnell war klar, dass dieser Erstmaßnahme ein zweiter Schritt folgen muss. Angedacht wurde dieser damals für das Folgejahr.

Die Feldsteinkirche von Waltersdorf wirkt von außen unscheinbar

Die Feldsteinkirche von Waltersdorf wirkt von außen unscheinbar.

Quelle: Uwe Klemens

Da die alten Betondachziegel für den geschwächten Dachstuhl zu schwer geworden waren, wurden sie abgetragen und durch wesentlich leichteres Wellbitumen ersetzt. In der Hoffnung auf Mittel aus dem Leader-Förderprogramm 2015 sahen die Bauleute in der Notdachvariante kein Problem. Knapp 70 000 Euro flossen insgesamt in den ersten Bauabschnitt. Ohne Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland und des Waltersdorfer Kirchen-Fördervereins hätte das die Gemeinde allein nicht stemmen können. Dass sich der Kirchenkreis dabei gänzlich ausgeklinkt hat, noch dazu mit dem Hinweis auf eine angeblich zu geringe Bedeutung der Kirche, hält Pfarrer Wolfgang Scholz für eine ungünstige Entscheidung.

Im Herbst 2015 dann der nächste Schlag: Die erhoffte Leader-Förderung kommt frühtestens 2016, wenn überhaupt. Eine feste Zusage, ob es die erhofften 183 000 Euro aus dem EU-Topf geben wird, gibt es bis heute nicht. Doch der Zustand des Notdachs lässt ein längeres Warten nicht mehr zu. „Wir müssen in diesem Jahr auf jeden Fall bauen“, sagt Scholz, „notfalls eben nur mit dem Geld, das uns andere Unterstützer zugesichert haben. Jedoch müssten wir uns auf das Allernötigste beschränken.“ Arbeiten wären nicht möglich.

Reich verziertes Gotteslob

Der Feldsteinsaal der Waltersdorfer Kirche entstand im 15. Jahrhundert. Zwei Portale auf der Südseite ermöglichten den Eingang in den Kirchenraum. Das östlichere davon, die ehemalige Priesterpforte, wurde im 18. Jahrhundert zugemauert.


Der Altar zeigt Darstellungen des Abendmahls, der Kreuzigung und der Auferstehung Christi. Der Kanzelaufgang ist mit einem evangelischen Beichtstuhl verbunden, ein Taufengel schwebt im Raum. Komplettiert wird die Ausstattung des Innenraumes durch das Patronatsgestühl.

Die Innenausmalung erfolgte laut einer Inschrift erst 1754 durch den Maler Joseph Gerlach. Dargestellt sind in den Deckengemälden die Anbetung des von einem Licht- und Wolkenkranz umgebenen Lammes sowie Christus als Weltenrichter.

107 000 Euro haben die Fachleute für diese kleine Lösung kalkuliert – 290 000 sind insgesamt nötig. Ob die Entscheidung, das zwar schwere, aber bis dahin immerhin dichte Dach vor zwei Jahren abzutragen, richtig war, ist sich Wolfgang Scholz heute nicht mehr sicher. Das Notdach konnte wegen des Windes nur mit wenigen Zentimetern Überstand verlegt werden. Da auch das schwammgeschädigte Gesims abgetragen und nicht erneuert wurde, dringt nun Feuchtigkeit ein. Die Eingangstür selbst ist mittlerweile stark verquollen. Über einem der Fenster bröckelt der mittelalterliche Putz. Der Schwamm in der hölzernen Decke wird sich über das für ihn günstige Klima sicher freuen.

„Spätestens im Sommer wollen wir mit der Sanierung beginnen“, sagt Scholz, der noch immer auf die große Lösung hofft. Dann könnte eventuell sogar die Orgel restauriert werden, fügt er hinzu. Den Gästen, die sich in der Feldsteinkirche unregelmäßig, mal allein, mal gleich als Busgesellschaft, einfinden, könnte man dann in Zukunft nicht nur Augen-, sondern auch Ohrenschmaus bieten. Im jetzigen Zustand taugt die Orgel dazu nicht.

Von Uwe Klemens

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Ein neues Geheimdienst-Gesetz steht an: Sollte der BND mehr Befugnisse erhalten?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg