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Wenn die Schultoilette Ekel auslöst

Zossen Wenn die Schultoilette Ekel auslöst

Schüler ekeln sich vor den Toiletten, Fenster sind undicht, Treppenhaus und Klassenzimmer geben ein tristes Bild ab. Die Liste der Mängel an einer Gesamtschule in Zossen ist lang. Zossens Bürgermeisterin bestreitet den maroden Zustand der Schule. Immerhin: mit 20.000 Euro sollen einige Mängel behoben werden. Ob das reicht?

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Die Gesamtschule in Dabendorf

Quelle: Nadine Pensold

Dabendorf. Verdreckte Klos. Kaputte Fenster. Schmutzige Fußböden.Triste Klassenräume. Die von Eltern aufgestellte Liste mit Mängeln am und im Gebäude der Dabendorfer Gesamtschule „Geschwister Scholl“ ist lang. Davon konnten sich die Mitglieder des Zossener Bauausschusses und weitere Stadtverordnete Montagabend bei einer nicht öffentlichen Begehung selbst überzeugen. In der anschließenden Sitzung beschloss der Bauausschuss auf Antrag von Sven Reimer (CDU), 20.000 Euro für Reparaturen zur Verfügung zu stellen. Cornelia Graffunders (Die Linke) Antrag, 100.000 Euro zu bewilligen, wurde nach kontroverser Diskussion vor rund 40 Gästen abgelehnt.

Schüler wünschen sich Toiletten-Reparatur

„Besteht die Möglichkeit, die Toiletten zu renovieren?“, wollte der Dahlewitzer Maximilian Ullrich wissen. Der 14-jährige Schüler meldete sich in der Bürgerfragestunde zu Wort. Ullrich sagte, dass er sich davor ekle, auf die Toilette zu gehen. Die Klobrillen seien ganz gelb. In manchen Seifenspendern befänden sich tote Fliegen und Glassplitter. „Es ist eine Schande, Kinder in so einem Dreckstall zu unterrichten“, meinte Maximilians Großvater Bernd Breite aus Kallinchen. Breite zufolge könne man von Kindern in so einer Schule nicht Sauberkeit und Ordnung verlangen. Der Schünower Gordon Bley sagte, sein Sohn gehe nicht mehr auf die Toiletten und in die Mensa, „weil es dort so eklig ist.“ Er schätzt, dass man einen fünf- oder sogar sechsstelligen Euro-Betrag brauche, um alle Mängel zu beheben.

Eltern listen Mängel auf

Eltern haben bis Ende voriger Woche Mängel am und im Gebäude der Dabendorfer Gesamtschule aufgelistet, die aus ihrer Sicht dringend von der Stadt Zossen als Schulträger behoben werden sollten. Hier einige Auszüge:

Sanitäranlagen: Wände, Schamwände und Türen der WCs abschleifen und mit neuem Anstrich versehen.

Fenster im Bereich der Treppenaufgänge abdichten.

Wartung aller Fenster hinsichtlich Dichtheit und Funktionstüchtigkeit der Schließmechanismen, insbesondere Fenster, welche derzeit mit Panzertape gesichert sind.

Wartung aller elektrischen Leitungen sowie Stilllegung und Entfernung toter Leitungen, Steckdosen sowie Lichtschalter.

Hygiene im Speiseraum und in den Toiletten lassen seit Jahren zu wünschen übrig.

Elternvertreterin Sandy Steinberg übergab dem Bauausschuss Unterschriften von Eltern, die so für die Abstellung aller Mängel protestieren. „Wir haben schon 138 Unterschriften gesammelt“, sagte die Ludwigsfelderin der MAZ. Lehrer und Schüler hätten weitere Unterschriften-Aktionen gestartet. Steinberg zufolge dauere es bis zur Fertigstellung der neuen Gesamtschule mindestens noch drei, vier Jahre. „Geben Sie den Kindern endlich ein Zeichen, dass die Verwaltung Geld in die Hand nimmt, um die Mängel abzustellen“, appellierte sie an den Bauausschuss und Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B).

Schreiber: Haus ist nicht marode

„Dieses Haus ist nicht in einem maroden Zustand“, sagte Schreiber, die an diesem Abend heftig im Kreuzfeuer der Kritik stand. Schreiber erinnerte daran, dass die in den 80er Jahren gebaute Schule nicht für so viele Kinder gedacht gewesen und nach der Wende nicht grundlegend saniert worden sei. Aktuell werden 823 Schüler unterrichtet. Um genügend Räume und vernünftige Toiletten anbieten zu können, „müssten wir die Schule doppelt so groß aufblasen“. Weil das nicht geht, hätten die Stadtverordneten beschlossen, neu zu bauen.

Malerarbeiten und Grundreinigung angemahnt

Nach einer Beratungspause wollte die Bürgermeisterin von Ausschuss-Mitgliedern, sachkundigen Bürgern und weiteren anwesenden Stadtverordneten wissen, wie sie den Zustand der Schule beurteilen: „Katastrophal oder nicht hübsch, aber funktionsfähig?“ „Was mich ein bisschen schockiert hat, sind die Treppenhäuser“, so Hartmut Miethge. Vor allem gehe es darum, „das Erscheinungsbild der Klassenräume aufzupeppen.“ Schwerpunktmäßig mahnte Miethge Malerarbeiten und Grundreinigung an. „Wenn Wasser durch die Fenster läuft, sollte man auf jeden Fall erkunden, wo das herkommt“, so Cornelia Graffunder. Burkhard Degner (Plan B) zufolge „müssen die Toilettenbrillen alle runter“. Der Stadtverordneten Waltraud Schröder (Plan B) ist „am wichtigsten, dass mit der Reinigungsfirma gesprochen und hier vernünftig sauber gemacht wird“. Jörg Wanke (Bürgerliste Zossen) hofft, „dass die Verwaltung ein Büro beauftragt, dass alle Mängel aufnimmt. Das konnten wir heute in einer Stunde Begehung nicht leisten“. Sven Baranowski (VUB/Bündnis 90/Die Grünen) meinte: „Schön ist anders.“ In vielen Klassenräumen könne man lernen. Allerdings sähen die Treppen grauenhaft aus. Früher habe der Hausmeister Dinge wie lockere Wasserhähne auf den Toiletten gleich repariert.

Schulleiter: Hausmeister weiß nicht, wo er anfangen soll

„Mit der Erledigung kleiner Reparaturen hat der Hausmeister kein Problem. Aber er weiß schon gar nicht mehr, wo er anfangen soll“, sagte Schulleiter Dirk Zobywalski. Der Sanitärbereich müsse dringend renoviert werden. „Wenn ich am Tag der offenen Tür mit Eltern spreche, sagen mir viele, dass ihnen das Konzept gefällt und sie ihre Kinder gerne zu uns schicken würden. “ Im selben Atemzug bekomme er dann zu hören: „Aber schauen Sie sich doch bloß mal die Toiletten an . . .“ Hier müssten Schüler bis zu einer Minute die Drückerspülung betätigen, ehe Wasser fließe. Weiter habe er ein großes Problem mit der Reinigungsfirma. „Die Mitarbeiter schaffen es nicht in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit, die Schule gründlich sauber zu machen“.

Von Frank Pechhold

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