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„Wie eine Friedensblase mitten im Krieg“

Jüterboger Jugendliche engagieren sich in Israel „Wie eine Friedensblase mitten im Krieg“

Eine Reise nach Israel, das trauen sich zurzeit nicht viele Menschen. Seit Anfang Juni tobt dort der Krieg, fliegen Raketen, sterben Menschen. Doch die beiden Jüterboger Jugendlichen Mary Burugu und Ludger Voigt trauten sich – und mehr noch.

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Mary Burugu und Ludger Voigt aus Jüterbog reisten kürzlich nach Israel.

Quelle: Kathrin Burghardt

Jüterbog. Dort wo sich Israelis und Palästinenser seit Wochen bittere Gefechte liefern setzten sie gemeinsam mit Jugendlichen aus beiden verfeindeten Lagern ein Zeichen des Friedens. In einer Gruppe aus 28Jugendlichen bauten sie einen riesigen Regenbogen aus Robinienholz, ein symbolischer Brückenschlag.

Friedliches Gemeinschaftsprojekt im Krieg: Jugendliche aus Polen, Deutschland, Israel und Palästina bauten einen Regenbogen.

Quelle: Kathrin Burghardt

Mary Burugu und Ludger Voigt sind beide 18 Jahre alt. In Jüterbog besuchen sie das Goethe-Schiller-Gymnasium. Ludger hat das Abitur gerade frisch in der Tasche, Mary ist in der zwölften Klasse. Die Sommerferien nutzten die Zwei, um sich an diesem außergewöhnlichen Projekt zu beteiligen. Als sie noch vor dem Sommer zusagten, war noch kein Krieg ausgebrochen. Die Reise abzusagen kam für die beiden und die anderen Projektteilnehmer jedoch nicht in Frage. Im Norden Israels konnte das Projekt in relativer Sicherheit und mit vielen Kilometern Abstand zum umkämpften Gaza-Streifen durchgeführt werden. Ihr Ziel hieß Bustan Not Meshutaf in Mizpe Aviv, etwa 100 Kilometer nördlich von Tel Aviv.

"Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung"

„Es war eine wahnsinnig surreale Erfahrung“, kann Mary ihre vielen Eindrücke und Erlebnisse nach ihrer Rückkehr nur schwer zusammenfassen, „es war, als wären wir die ganze Zeit in einer Art Friedensblase mitten im Krieg“, beschrieb sie den Ort in Israel, an dem sie den Regenbogen errichteten. „Vor allem die Menschen an diesem Ort machten dieses Gefühl aus“, ergänzt Ludger, „wir haben live miterlebt, wie friedlich es dort sein kann, wenn alle aufeinander zugehen, Vorurteile sein lassen, und neugierig aufeinander sind. Es war unbeschreiblich“, sagt er.

Dennoch wissen beide nun umso mehr, wie weit der Weg ist, den die Menschen vor Ort noch gehen müssen. „Unser Projekt war nur ein winziger kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber immerhin ein Anfang“, sagt Mary Burugu.

12 Kletteranlagen seit 1998

Das Regenbogen-Projekt ist eine jährliche Initiative der Firma Sik-Holz aus Langenlipsdorf. Firmeninhaber und Holzbildhauer Klaus-Peter Gust baute seit 1998 insgesamt zwölf solcher Spielplatz-Kletteranlagen, „an allen Orten, die ein Friedenszeichen nötig haben“, so seine Idee.
Stets nehmen Jugendliche aus allen Ländern, in denen bereits ein Regenbogen steht, an dem neuen Projekt teil. Eine Rückbegegnung aller Projektteilnehmer aus Israel ist für 2015 in Deutschland geplant. Im Rahmen der Bundesgartenschau soll es dann einen Regenbogen in Premnitz geben.

Gastgeber für die Jugendlichen in Israel war das Ehepaar Goldin. Nach dem Tod ihres Sohnes durch ein Selbstmordattentat in einem öffentlichen Bus errichtete das Ehepaar Goldin einen Friedensgarten als Ausgangspunkt für einen Weg zur Versöhnung – in diesem wurde der Regenbogen gebaut.
Die Familie Gust lernte das Paar im Oktober 2013 kennen und beschloss, die Initiative mit dem Regenbogen zu unterstützen.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.sik-holz.de

Seit dem ersten Bau eines bespielbaren Regenbogens 1998 in Soweto (Südafrika) lädt der Spielplatzbauer und Unternehmer Klaus-Peter Gust aus Langenlipsdorf in jedem Jahr zu seinen Regenbogen-Projekten ein. Der Regenbogen soll, mit der gemeinsamen Arbeit daran, Menschen verschiedenster Nationen und Religionen verbinden, so seine Philosophie. Der inzwischen zwölfte Regenbogen steht seit Juli nun in Israel. Klaus-Peter Gust erträumte ihn sich eigentlich mitten in Jerusalem, doch zumindest in diesem Jahr bleibt diese Stadt unerreichbar für solch ein Projekt. „Wir bauten ihn stattdessen im Garten des Ehepaares Tilda und Amiram Goldin“, berichtet Ludger Voigt, „wir waren damit weit weg vom Gaza-Streifen. Doch der Krieg ist dort trotz der Entfernung näher und präsenter gewesen, als wenn man in Deutschland in den Nachrichten davon hört“, erzählt er. Angst hatten er und Mary zu keiner Zeit vor Ort.

Sicherheitslage in Israel wurde zunächst überprüft

Bei der Familie Goldin wurde die Gruppe aus etwa 30 Jugendlichen aufgenommen. 14 Tage lang wurde gebaut. Vor dem Antritt der Reise wurde allen versichert, dass die Lage im Norden stabil sei. Das Leitungsteam des Projektes mit der Familie Gust und einigen Vertretern der Kirchengemeinde reiste vor, um die Lage zu überprüfen. Erst fünf Tage später kamen die deutschen und polnischen Jugendlichen dazu. Viele unter ihnen bauten bereits in den Vorjahren an anderen Regenbögen mit. „Mir hatte eine Freundin schon lange davon vorgeschwärmt, das wollte ich unbedingt auch einmal mitmachen“, erzählt Mary. Für Ludger war es die große Neugier auf das Land Israel, die „sichere Gelegenheit“, die ihn zu der Reise brachte.

Die Jugendlichen waren bei vier Familien untergebracht. „Unsere Religionen spielten vor Ort für uns alle überhaupt keine Rolle. Es war sehr spannend zu beobachten und zu erleben, wie jeder Einzelne auf den anderen zuging, man sich ein ander ausfragte, und sämtliche Vorurteile schnell völlig unwichtig wurden, ein tolles Gefühl und Erlebnis“, sagt Ludger.

Emotionaler Höhepunkt für beide war die feierliche Eröffnung des Regenbogens am 25. Juli. „Als alle Projektteilnehmer farblich gleiche T-Shirts trugen und wirklich alle gemeinsam dieses Gefühl von Freundschaft hatten, egal aus welchem Land sie kamen, das war unglaublich bewegend“, sagt Mary, „der große Wunsch nach Frieden für Israel und Palästina war unbeschreiblich.“

Von Kathrin Burghardt

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