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Wie in Wünsdorf der Ramadan organisiert wird

17 Stunden ohne Essen Wie in Wünsdorf der Ramadan organisiert wird

Seit Anfang der Woche ist Ramadan, für gläubige Muslime gilt damit: So lange die Sonne scheint, ist essen tabu. Weil aber nicht alle Muslime diesen Regeln folgen, und schon gar nicht die Flüchtlinge anderen Glaubens, stehen die Verantwortlichen in der Erstaufnahme in Wünsdorf vor einer logistischen Herausforderung. Sie müssen vor allem: reden, zuhören, vermitteln.

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Läuft während der Fastenzeit im Schichtbetrieb: Die Mensa der Erstaufnahme in Wünsdorf.

Quelle: Anja Meyer

Wünsdorf. Ein normaler und geordneter Alltag ist in einer Erstaufnahme für Flüchtlinge wohl ohnehin eine Illusion, aber seit Montag dieser Woche sind die Herausforderungen in der Einrichtung in Wünsdorf-Waldstadt noch etwas größer als sonst. Der Ramadan hat begonnen, der Fastenmonat der Muslime.

Für gläubige Muslime hat der Ramadan einen hohen Stellenwert, die Regeln während dieser Zeit sind klar: Gegessen und getrunken werden darf während dieser 30Tage nur nach Einbruch der Dunkelheit oder vor Sonnenaufgang. Aktuell bedeutet das: täglich 17 Stunden ohne Zucker. Je nach Nationalität oder Gläubigkeit werden die Auflagen allerdings mal strenger, mal weniger streng ausgelegt.

Umgang mit dem Ramadan musste im großen Stil geregelt werden

In den meisten Flüchtlingsunterkünften ist das Privatangelegenheit jedes Bewohners. „In der Vergangenheit gab es da höchstens mal Diskussionen darüber, dass es während des Ramadans abends mal etwas lauter wurde, aber das war nie ein echtes Problem“, sagt der Sozialdezernent des Landkreises Dahme-Spreewald, Carsten Saß (CDU).

In Wünsdorf-Waldstadt dagegen, Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Eisenhüttenstadt, musste der Umgang mit dem Ramadan im großen Stil geregelt werden. Der Grund: Die Bewohner können und dürfen dort – anders als in den Gemeinschaftsunterkünften – nicht selbst kochen, sie essen alle in der Mensa. Das habe für die Organisation Folgen, sagt die stellvertretende Leiterin, Marta Majewska-Vaassen. Etwa deutlich längere Öffnungszeiten der Essenausgabe.

Viele Gespräche zwischen Objektleitung und Sprecherrat

Allein mit dem späteren Ausreichen der Teller ist es aber nicht getan, denn erstens sind in der Erstaufnahme nicht nur Muslime untergebracht, und zweitens gibt es auch unter den muslimischen Volksgruppen unterschiedliche Gewohnheiten, die miteinander vereinbart werden müssen. Dem Ramadan vorausgegangen seien deshalb viele Gespräche zwischen der Objektleitung und dem sechsköpfigen Sprecherrat, in dem Perser, Syrer und Tschetschenen vertreten sind.

„Erstmal haben wir erfragt, wer überhaupt fastet“, erzählt Marta Majewska-Vaassen. Ergebnis: eine Hälfte ja, die andere Hälfte nein. In der Konsequenz wurden die Betriebszeiten der Mensa tagsüber verkürzt, nach Sonnenuntergang wird dafür erneut geöffnet.

Variation in der Speisenauswahl

Überhaupt, das Essen. Beim Speisenangebot habe man erst versucht, möglichst viel Arabisches anzubieten, sagt Marta Majewska-Vaassen. „Wir haben dann aber die Rückmeldung bekommen, dass sie unsere Kartoffeln mögen. Deshalb versuchen wir jetzt zu variieren.“ Für das Frühstück, das noch vor dem Sonnenaufgang eingenommen werden muss, werden den Bewohnern Esspakete mitgegeben. Spezielle Wünsche, etwa Trockenobst, habe man aber nur in kleinem Umfang anbieten können. Majewska-Vaassen: „Das wurde verstanden.“ Ebenso wie die Tatsache, dass bei allen Feierlichkeiten auf andere Bewohner Rücksicht genommen werden müsse, vor allem auf die Schulkinder, die nachts zur Ruhe kommen müssen.

Den Mitarbeitern komme bei der Organisation zugute, dass die Einrichtung derzeit nicht voll belegt ist. Ausgelegt ist das Haus für rund 1000 Bewohner, tatsächlich untergebracht sind aber nur 220. Dem gegenüber stehen 45 Angestellte, ein Großteil darunter in der Hausbetreuung und im sozialen Bereich.

Medizinische Präsenz erhöht

Dass der Ramadan durchaus zu Spannungen führen kann, wurde zuletzt bei einem Brand in einer Unterkunft in Düsseldorf deutlich. Dort hatte es Auseinandersetzungen über das Fasten gegeben. Zwei der Beteiligten hatten anschließend – wohl aus Protest – Feuer gelegt. Derlei Streit sei in Wünsdorf in den ersten Tagen aber nicht vorgekommen, was vor allem an der ständigen Kommunikation liege, sagt Marta Majewska-Vaassen. „Wir reden, reden und reden.“

Wichtig sei aber auch eine vermehrte medizinische Präsenz. Viele Bewohner seien nach einiger Zeit geschwächt. „Sie trinken auch nicht – und das ist gerade bei der Hitze eine Herausforderung.“ Der Ramadan endet am 5. Juli.

Von Oliver Fischer

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