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Wieder Bock auf Schule

Im Schulverweigererprojektes „Rückgrat“ wird die Lust am Lernen neu geweckt Wieder Bock auf Schule

Null Bock auf Schule. Mit dieser Einstellung kommt man im Leben nicht sehr weit. Das haben auch Ole, Sascha, Laura, Lukas, Konstantin und Anne erkannt. Im Rahmen des Zossener Schulverweigererprojektes „Rückgrat“ wurde bei ihnen die Lust am Lernen wieder neu geweckt. Träger des Projektes ist der von Renate Vogler geleitete Bildungsverein „Wir“.

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Projektleiterin Renate Vogler (Mitte) freut sich gemeinsam mit ihren Schützlingen über deren wiedererlangte Freude am Lernen.

Quelle: foto: frank pechhold

Zossen .
Sitzenbleiber, Schulschwänzer, Problemkinder. Das waren Ole, Sascha, Laura, Lukas, Konstantin und Anne. Die Lust am Lernen wurde bei ihnen erst im Rahmen des Schulverweigererprojektes „Rückgrat“ wieder geweckt. Nun haben sie den Abschluss der 10. Klasse hinter oder vor sich, Lehrstellen und Berufspraktika in der Tasche.

Darauf ist Projektleiterin Renate Vogler sehr stolz. „Wir wollen, dass unsere Schüler wieder bildungsfit werden und in die Lehre gehen.“ Ein engagiertes, vierköpfiges Lehrerteam kümmert sich seit 2008 in den auf dem Gelände des Zossener E-Werkes angemieteten Räumen jährlich um zwölf  Schulverweigerer aus dem Landkreis Teltow-Fläming in drei Lerngruppen. „In so einer kleinen Gruppe kann ich mich besser konzentrieren als in meiner alten Schule“, sagt Anne (15). Dort sei sie sitzen geblieben und habe anschließend keine Lust mehr auf Schule gehabt. „Hier habe ich schon in den ersten Monaten gemerkt, dass ich viel mehr kann.“

So wie Anne kamen auch alle anderen Mädchen und Jungen mit Lehrern, Mitschülern und den Verhältnissen in ihren Heimatschulen nicht klar. Einige von ihnen leiden an Leseschwäche, Rechenschwäche, viele unter Konzentrationsstörungen. Die Folge war: Null Bock auf Schule. In ihrer Verzweiflung über das vermeintliche Versagen ihrer Kinder wandten sich viele Eltern an das Schulverweigererprojekt mit der Bitte um die Aufnahme ihrer Sprösslinge in die von dem Verein „Wir“ getragene Mini-Förderschule. „Wenn die Eltern das möchten, ist es gut. Aber das reicht uns nicht“, sagt Renate Vogler. Der Schulverweigerer muss lernen wollen. „Deshalb ist immer der Schüler unser Ansprechpartner. Von den Eltern erwarten wir, dass sie gute Partner sind.“

Für alle Teilnehmer an dem Schulverweigerungsprojekt gelten Grundregeln: Gewalt, Drogen und sexuelle Übergriffe sind tabu. Handys bleiben im Unterricht aus. „Die Regeln sind okay“, sagt Sascha (16).

„Pünktlichkeit ist keine Regel, sondern eine Selbstverständlichkeit“, so Renate Vogler. „Zum Unterrichtsbeginn um 8 Uhr haben alle hier zu sein. Da gibt es keinen Spielraum.“ Bis 14.30 Uhr wird Deutsch, Mathe, Englisch, Naturwissenschaften, Lebenslehre oder WAT unterrichtet. In der 9. Klasse haben die jungen Leute abwechselnd eine Woche Schule, eine Woche Betriebspraktikum.

Während seines Praktikums auf einem Bauernhof reifte bei Ole (16) der Wunsch, Landwirt zu werden. Daran war noch vor zwei Jahren überhaupt nicht zu denken. „Weil ich in der Schule zu viel Scheiße gebaut und den Unterricht gestört habe, bin ich rausgeflogen“, sagt Ole. Mit der Unterstützung seiner Eltern und der Lehrer vom „Rückgrat“-Projekt fasste er wieder Fuß. Täglich fuhr er mit dem Zug fast zwei Stunden zur Schule und wieder zurück. Bald fängt er eine Lehre im Jänickendorfer Pflanzenproduktionsbetrieb „Der Märker“ an.

Laura (16) beginnt im Oktober ein Übergangspraktikum, wo sie austesten kann, welcher Lehrberuf ihr liegt. „Bis ich 13 Jahre alt war, lief alles gut.“ Nach der Trennung ihrer Eltern suchte sich Laura „eine eigene Familie“ und fand falsche Freunde. „Da bin ich total abgerutscht und habe auch Drogen und Alkohol konsumiert“. Nach monatelangen Aufenthalten in der Lübbener Spreewaldklinik und einem Jugendheim drückte sie ab der 9. Klasse die Schulbank in einer kleinen Zossener Lerngruppe. „In großen Klassen mit vielen Menschen hätte ich Angstzustände bekommen“, sagt Laura. Sie ist stolz darauf, „den Schulabschluss geschafft zu haben.“

Darüber ist auch Konstantin (16) froh. Er hat eine Lehrstelle als Elektriker erhalten. Lukas (18) hat sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus Ludwigsfelde beworben. „Hinterher möchte ich eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvieren“.

Von Frank Pechhold

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