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Teltow-Fläming Wieder Zuhause nach dem Unfall
Lokales Teltow-Fläming Wieder Zuhause nach dem Unfall
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06:10 03.10.2016
Rabi Yassin (l.) mit seiner Familie. Quelle: Oliver Fischer
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Ludwigsfelde

Jetzt noch ein Familienfoto, nein das muss in dieser Situation nun wirklich nicht sein, befindet Rabi entschlossen. Und wie er das so sagt, könnte wohl niemand dem Zwölfjährigen seinen Wunsch abschlagen. Schließlich kann er seit Tagen nur auf dem Sofa im Wohnzimmer der Familie Yassin liegen, hin und wieder humpelt er auf Krücken durch die Wohnung. Und er wird da noch eine Weile so liegen müssen – das rechte Bein bis zum Oberschenkel im blauen Gips, zwei Kissen darunter, Tabletten machen seine Schmerzen erträglicher.

Redewendung gelernt: „Glück im Unglück“

Vor mehr als einer Woche ist Rabi auf dem Heimweg vom Fußballtraining von einem Auto angefahren worden. Er hatte Glück im Unglück, wie es auf Deutsch so schön heißt. Diese Redewendung kennt nun auch seine Mutter Rabiha und wiederholt sie hier und da mit einem müden Lächeln. Noch immer steckt ihr der Schreck mächtig in den Knochen, dabei ist nun klar: Für das, was alles hätte passieren können, ist Rabis Unfall noch recht glimpflich abgelaufen. In ein paar Monaten wird er voraussichtlich nichts mehr davon spüren.

Der Unterschenkel ist gebrochen, aber er muss zumindest nicht operiert werden. Nach drei Tagen haben die Ärzte Rabi wieder aus dem Krankenhaus entlassen, jetzt muss er sich schonen. Er kann nun erst einmal nicht zur Schule gehen, bald fängt er mit Physiotherapie an. Vor drei Wochen erst – zum Schuljahresbeginn – ist er von seiner Willkommensklasse in eine reguläre, achte Klasse übergegangen. Da gibt es viel neuen Stoff zu lernen, Mathe und Physik zum Beispiel. Schließlich hatte Rabi im vergangenen Schuljahr nur Deutschunterricht. Aber die Sorge, dass er durch den Unfall nun zuviel Unterricht verpasst, ist im Hause Yassin zweitrangig. Erstmal wieder richtig gesund werden, das ist jetzt das Wichtigste.

Monatelange Sportpause für Rabi

„Mir ist langweilig“, sagt Rabi. Da macht ihm auch das Youtube-Videoschauen auf dem Handy seiner Mutter keinen Spaß mehr. Immerhin wird er jetzt von allen verwöhnt. Schwester Hala hat bunten Schleim zum Spielen aus dem Supermarkt geholt, Rabiha hat ihm seine Lieblingspizza zubereitet. Hilft alles nichts. Rabi würde am liebsten sofort wieder raus, Fußball spielen, Fahrradfahren und seine Freunde treffen. Bis es so weit ist, muss er sich noch etwas gedulden. Sechs Wochen lang bleibt Rabis Bein im Gips, für die Zeit danach haben ihm die Ärzte für noch mindestens vier Wochen Sportverbot verordnet.

Obgleich die Erleichterung über die gesundheitlichen Unfallfolgen bei Rabiha und Mohammed groß ist, drückt bei ihnen nun noch eine andere Folge des Unfalls auf die Stimmung: Wer kommt für den Schaden am Auto auf? Eigentlich wird so etwas über Haftpflichtversicherungen abgewickelt. Doch die Yassins haben keine, sie wussten nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt. So wie wohl die meisten Flüchtlinge. Solange ihr Aufenthaltstitel noch nicht geklärt ist, können sie auch noch gar keine eigene Haftpflichtversicherung abschließen.

Versicherer bieten Gruppen-Haftpflicht an

Eine Situation, vor der Verbraucherschützer warnen. Und auch Versicherer haben dieses Geschäftsfeld für sich entdeckt. So bietet zum Beispiel die Allianz Kommunen Gruppenverträge für Flüchtlinge an. Für bis zu fünf Euro pro Person und Monat erhalten Asylbewerber da über ihre Kommune eine private Haftpflichtversicherung. Einige bayerische Gemeinden machen das schon so. In Ludwigsfelde ist das laut Stadtsprecherin Marina Ujlaki noch kein Thema gewesen. In der Kreisverwaltung habe man laut Kreissprecherin Karin Melzer schon über Gruppenversicherungen für Flüchtlinge gesprochen, sich jedoch dagegen entschieden.

Was bei den Yassins nun erst mal bleibt, ist die Ungewissheit.

Info: Die Familie Yassin ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und lebt jetzt in Ludwigsfelde. Die MAZ berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland. www.maz-online.de/ Brandenburg/Eine-syrische-Familie-hofft-auf-einen-Neustart

Von Anja Meyer

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