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Wiederentdeckt: Ilse Fischer schuf das Kleist-Fenster

Ludwigsfelde Wiederentdeckt: Ilse Fischer schuf das Kleist-Fenster

Lange Zeit war in Ludwigsfelde nicht mehr bekannt, wer das Kleist-Fenster, eine markante Glasmalerei an der denkmalgeschützten Fontane-Grundschule, geschaffen hatte. Nach einer MAZ-Veröffentlichung zur bevorstehenden Schulsanierung meldete sich Wolfgang Müller aus dem Nachbarkreis. Er kennt die Entstehungsgeschichte des Kunstwerks.

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Das von Ilse Fischer geschaffene Kleist-Fenster in der Theodor-Fontane-Grundschule Ludwigsfelde . Ein zweites Fenster ist zerbrochen.

Quelle: Foto: Abromeit

Ludwigsfelde. Das „Kleist-Fenster“ gehört in der Industriestadt Ludwigsfelde neben dem Heine-Denkmal, dem Relief „Geschichte der Nachrichten-Übermittlung“ oder der Autobahn-Eiche zu den bekanntesten Kunstwerken. Es ziert die Front des denkmalgeschützten Schulhauses der Ludwigsfelder Fontane-Straße. Im kommenden Schuljahr gibt es dort weder Unterricht noch Schülertrubel, sondern Baulärm  – das Gemäuer aus der Stalin-Zeit wird grundlegend saniert.

Kurios an der markanten Glasmalerei: Kaum ein Ludwigsfelder wusste noch, wer sie geschaffen hatte, weder Stadtarchiv- und Museumsleiterin Ines Krause noch Vera Gärtner, die dort 39 Jahre Lehrerin war und heute den Geschichtsverein leitet. Auch letztere erfuhr von der zuletzt in Eichwalde lebenden Malerin und Grafikerin Ilse Fischer und ihren Werken in Ludwigsfelde erst von einem Heimatforscher, dem Eichwalder Wolfgang Müller.

Entwürfe entstanden in Eichwalde

Der hatte sich nach einer MAZ-Veröffentlichung zur Schulsanierung gemeldet. Er schreibt, dass für den Bau der Wohnsiedlung auch Architekten und bildende Künstler hinzugezogen wurden. Ein Projektierungsbüro in Potsdam habe zwei großformatige Glasfenster geplant. Deren Gestaltung übernahm Ilse Fischer (1900 – 1979) vom Potsdamer Bezirksvorstand Bildender Künstler. Müller schreibt, alle Entwürfe für die Glasfenster entstanden in Fischers Eichwalder Atelier. Das obere Fenster nannte sie „Schülertheater“, schrieb jedoch auf die Rückseite eines Entwurf-Fotos „Theatervorstellung in der Schule ,Der zerbrochene Krug’ mit heiterer Umrahmung“; das treffe die Fenstergestaltung genauer, meint Müller.

Der Eichwalder Heimatforscher Wolfgang Müller

Der Eichwalder Heimatforscher Wolfgang Müller

Quelle: Gerlinde Irmscher

Zurzeit hat diese Glasmalerei acht von ursprünglich zwölf Einzelfenster. Die untere Reihe, unter anderem mit dem Schriftteil „Der zerbrochene Krug, 1804“, sei zerstört. Müller schreibt: „Die Jahreszahl 1804 bezogen auf die Komödie ist in etwa erklärbar, als dass Kleist 1803-5 daran gearbeitet hat.“ Uraufgeführt wurde sie 1808. Details des Fensters geben allerdings auch dem 76-jährigen Heimatforscher Rätsel auf: die Auftraggeber. Für das Kleist-Fenster war es der Kulturfonds Berlin, für das zweite, das untere Glasfenster war es der Rat des Kreises Zossen.

Glaswerkstatt in Berlin übernahm die Ausführung

Die Ausführung der Fischer-Arbeiten übernahm die Glasmalerei-Werkstatt Katharina Peschel in Berlin-Mahlsdorf, heute Glaskunst-Werkstatt Tanja Schölzel. Dort hat Müller bei seinen Recherchen allerdings keine Unterlagen zur Herstellung der Ludwigsfelder Schulfenster gefunden.

Das Ehrengrab von llse Fischer

Das Ehrengrab von llse Fischer

Quelle: Irmscher

Doch er stieß auf eine andere Information: 1956 waren Ilse Fischers Entwürfe als Einzelzeichnungen auf der Potsdamer „Bezirksausstellung Bildende Kunst“ zu sehen, der Fenster-Entwurf habe die öffentliche Kunstdiskussion bewegt, schreibt Müller. Als Beleg zitiert er das SED-Blatt „Neues Deutschland“: „Diese Arbeit erinnert daran, dass bei der Weiterentwicklung und Bereicherung unserer Architektur auch das Glasfenster wieder an entsprechender Stelle Verwendung finden könnte. Bisher sind wenige Versuche in dieser Hinsicht gemacht worden.“

Zweites Schulfenster ist zerstört

Fischers zweites Ludwigsfelder Schulfenster, ebenfalls zwölfteilig mit dem Titel „Lebensfreude und Heimatliebe“, gibt es nicht mehr. Es war zerbrochen, Reste sollen eingelagert sein. Wolfgang Müller weiß, dass Schwarzweiß-Fotos existieren, die eine weitgehend realistische Rekonstruktion ermöglichten. „Ein farbiges Bild konnte auch in der Akademie der Künste bisher leider nicht gefunden werden“, schreibt Müller; er empfiehlt dazu Recherchen im Bundesarchiv. Auf MAZ-Nachfrage zu den Fensterteilen sagte der für das Bauen zuständige Fachbereichsleiter Torsten Klaehn: „Ja, es gibt diese Teile noch. Sie werden im Rahmen der Sanierung wieder eingebaut.“

Die Schule

Mit dem Schulbau 1954/55 entstanden auch die beiden von Ilse Fischer geschaffenen Bleiglas-Fenster.

Am 1. September 1955 begann der Unterricht in der sogenannten Mittelschule im Dichterviertel. Dessen rund 800 Wohnungen für das Industriewerk Ludwigsfelde waren 1952 bis -55 zwischen Autobahn, Eisenbahn und Potsdamer Straße gebaut worden.

Zu DDR-Zeiten hieß die Schule POS „Hans Beimler“, kurz „Oberschule 2“.

Nach dem Mauerfall war sie schlicht die 2.Grundschule, bis zur Namensgebung „Theodor Fontane“ 2005.

Im Ludwigsfelder Dichterviertel gibt es übrigens zwei weitere Arbeiten Ilse Fischers: die sepiafarbenen Sgraffito-Arbeiten „Lied vom Sturmvogel“ und „Lied vom Falken“ zu Werken von Maxim Gorki. Beide zieren Fassaden von Wohnhäusern in Bahnhofsnähe.

Von Jutta Abromeit

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