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Wiesenhof will Schlachthof für 160.000 Hühner

Niederlehme Wiesenhof will Schlachthof für 160.000 Hühner

Schon jetzt ist das Fleischwerk in Niederlehme (Dahme-Spreewald) eine relativ große Nummer: 120.000 Hühner werden dort täglich geschlachtet und zu Grillhähnchen, Suppenhühnern und Fleischteilchen verarbeitet. Ab dem kommenden Jahr soll die Produktion aber noch einmal merklich aufgestockt werden.

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Rund 120 000 Hühner werden bislang täglich in Niederlehme geschlachtet. Zum ersten Quartal des kommenden Jahres soll die Kapazität erhöht werden.

Quelle: dpa

Niederlehme. Das Wort Schlachthof trifft es nicht ganz, wenn man über das Geflügel-Verarbeitungswerk in Niederlehme redet. In dem von der Firma Wiesenhof betriebenen Hallenkomplex, in dem nach Unternehmensangaben 680 Beschäftigte arbeiten, verbirgt sich eher eine ganze Schlachtfabrik.

Am Ende einer minutiös getakteten Logistikkette werden dort viertelstündlich Hühner aus Mastbetrieben der Umgebung mit Lkws angefahren. Nach einer kurzen Ruhephase werden die Tiere betäubt, anschließend kopfüber in ein am Band laufendes Gestell gehängt, danach maschinell getötet, vollautomatisch gerupft, ausgenommen und zu Grillhähnchen, Suppenhühnern oder Teilchen verarbeitet. Das geschieht bisher bis zu 120.000-mal am Tag. Mehr als 40 Millionen Tiere verlassen das Werk jedes Jahr verzehrfertig – als Ganzes oder in Einzelteilen. Aber diese Kapazitäten reichen nicht mehr aus.

160.000 Tiere sollen pro Tag geschlachtet werden

Die „Märkische Geflügelhof Spezialitäten GmbH“ will ihre Schlachtleistung im kommenden Jahr erhöhen. 160 000 Tiere sollen künftig pro Tag verarbeitet werden. Das geht aus den Planungsunterlagen hervor. Das Unternehmen selbst gibt sich zum Umfang und den Gründen schmallippig. „Dazu wollen wir nicht viel sagen“, lässt Geschäftsführer Gerhard Heil wissen. Nur so viel: Natürlich habe die Erweiterung mit dem Großbrand der Schlachterei in Lohne zu tun. „Und damit, dass wir den Standort Niederlehme sichern wollen.“

Hintergrund: Am Ostermontag dieses Jahres war im niedersächsischen Lohne ein Großfeuer in einem Schlachtbetrieb ausgebrochen, der ebenfalls zur Wiesenhof-Gruppe gehört. Dort waren bis dahin täglich bis zu 370 000 Hähnchen geschlachtet worden – also rund dreimal so viele wie in Niederlehme. Der Brand richtete einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe an und legte den Betrieb in Lohne lahm. Nach dem Wegfall der Schlachterei mussten andere Zweigstellen die niedersächsischen Produktionsausfälle kompensieren – darunter auch die in Niederlehme.

Wiesenhof in Zahlen

2,38 Milliarden Euro betrug der Umsatz der PHW-Gruppe, zu der die Geflügelmarke Wiesenhof gehört, im Geschäftsjahr 2014/15. Damit ist Wiesenhof einer der führenden Geflügelproduzenten Deutschlands.

6600 Beschäftigte sind bei Wiesenhof angestellt, ein Zehntel davon in Niederlehme.

352 Tonnen lebende Hühner soll das Werk in Niederlehme künftig verarbeiten.

219 Tonnen wiegen die Fleischprodukte, die täglich die Fabrik in Niederlehme verlassen und in den Verkauf gehen werden.

104 Tonnen Material landen in Niederlehme täglich im Schlachtabfall, darunter elf Tonnen Federn und zwölf Tonnen Blut. Ein großer Teil der Abfälle wird von dem Unternehmen Ge Pro übernommen, das daraus unter anderem Geflügelmehl, Heimtiernahrung und Fischfutter produziert.

Diese Zusatzleistung soll jetzt offenbar dauerhaft abgesichert werden. Für eine höhere Schlachtleistung muss aber die Baugenehmigung geändert werden. Die Unterlagen, zusammengestellt vom Landesumweltamt, liegen derzeit im Königs Wusterhausener Rathaus aus. Sie können noch bis zum 18. November eingesehen werden.

Aus ihnen geht hervor, was Wiesenhof konkret plant: Die Produktion soll um etwa ein Drittel aufgestockt werden, die technische Maximalkapazität der Anlage läge bei einem 24-Stunden-Betrieb sogar bei 240.000 Tieren am Tag. Dafür muss laut Plan die Technik etwas erweitert werden, vor allem aber braucht es eine neue Logistik: Mehr Stellfläche für Lkws und Container, größere Abfalltanks und eine bessere Luftreinigung. Umbauten an der Gebäudehülle seien für die Änderungen indes nicht notwendig, heißt es. „Es sind im engeren Sinn keine baulichen und technischen Erweiterungen des Betriebes geplant, sondern ausschließlich Modernisierungsinvestitionen“, heißt es aus der Presseabteilung des Konzerns. Anfang des Jahres sei bereits die Lebendtierannahme mit zusätzlicher Filtertechnik ausgestattet worden, sodass weniger Geruchsemissionen entstünden.

Pro Stunde fahren 24 Lkws das Werk an

Laut der beigefügten Umwelt-Verträglichkeitsprüfung sind keine nennenswert höheren Belastungen zu erwarten. Mögliche Geruchsbelästigungen sollen durch die neuen Lüftungssysteme kompensiert werden. Auch die steigende Verkehrsbelastung soll im Rahmen bleiben. Aber: Bis zu 24 Lkws werden künftig pro Stunde an die Werktore fahren und Schlachttiere abladen. In der Nacht sollen es immerhin noch fünf je Stunde sein. Auch Leerfahrten soll es deutlich mehr geben. Ob mit der geplanten Erweiterung das Personal im Werk aufgestockt wird, hänge von der Entwicklung des Geflügelmarktes ab, heißt es bei Wiesenhof.

Wiesenhof ist eine Marke des größten Geflügelproduzenten Deutschlands, der PHW-Gruppe. Das Unternehmen betreibt bundesweit neun Schlachtereien und weitere Verarbeitungsbetriebe. Es arbeitet mit mehr als 1000 Mastbetrieben zusammen.

Info: Einwendungen können bis 2. Dezember beim Landesamt für Umwelt in Großglienicke eingereicht werden.

Von Oliver Fischer

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