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Wiesenschule Jüterbog kämpft um Schülercafé

Anlaufstelle droht wegzufallen Wiesenschule Jüterbog kämpft um Schülercafé

Seit zehn Jahren trägt das Schülercafé an der Jüterboger Wiesenschule zu einem besseren Schulklima bei. Es geht nicht nur um den Brötchen- und Getränkeverkauf, sondern vor allem um Möglichkeiten für die Schüler, sich einzubringen. Die Förderung für die Betreuerstelle läuft aus. Die Schule sucht händeringend nach einem Ausweg.

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Schüler übernehmen den Verkauf in den Hofpausen.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. Die Geschichte des Schülercafés in der Jüterboger Wiesenschule ist eine Erfolgsgeschichte. Trotzdem ist die Existenz der seit zehn Jahren bestehenden Anlaufstelle gefährdet. Denn die derzeit über das Arbeitsamt geförderte Stelle der Café-Leiterin und Schülerbetreuerin wird ersatzlos gestrichen. Ab dem kommenden Schuljahr, so das Schreckensszenario, säßen die Schüler in ihren Pausen wieder dort, wo sie vor zehn Jahren saßen: auf dem Schulhof.

Alternative zum Kampf auf dem Schulhof

„Dabei geht es um viel, viel mehr, als die bloße Pausenversorgung“, sagt Michael Lehmann, der vor elf Jahren die Hilferufe aus Jüterbog vernahm und seither an der Oberschule als Schulsozialarbeiter wirkt. Zahlreiche, zum Teil auch auf dem Schulhof ausgetragene Schülerkonflikte hatten damals für Negativschlagzeilen gesorgt und die Bildungseinrichtung lange Zeit als Problemschule erscheinen lassen. Das Schülercafé war eine der ersten Ideen, die Lehmann dem entgegensetzte.

Nur selten bleibt einer der 72 Stühle im Café frei

Nur selten bleibt einer der 72 Stühle im Café frei. Ein Plausch hier ist für viele eine gute Alternative zum Rumstehen auf dem Hof.

Quelle: Uwe Klemens

Wie gut die Idee bei den Schülern ankam belegt die Tatsache, dass es bis heute keine einzige Pause gab, in der das Café nicht geöffnet gewesen wäre. Das zehnköpfige Team aus Schülern aller Jahrgänge wechselt sich tageweise ab, sodass immer vier Schüler im Einsatz sind. Wer mitmachen möchte, muss sich auf die Warteliste setzen lassen.

Sozialkompetenz und Selbstwertgefühl können wachsen

Außer dem einen Euro Verdienst pro Tag und einer Mahlzeit bekommen die Mädchen und Jungen einen deutlichen Schub an Selbstwertgefühl und Sozialkompetenz, wie Michael Lehmann und Schulleiter Ralf Mund stolz berichten. Die Jugendlichen lernen, Verantwortung zu übernehmen, für Andere da zu sein, hygienische und Qualitätsstandards einzuhalten, verbindliche Absprachen zu treffen und mit ihrer „Kundschaft“ sauber zu kommunizieren, die ihrerseits lernt, sich entsprechend zu verhalten. Auch der Aspekt, dass die Schüler einen Pausenort zum Wohlfühlen haben, der ihnen genauso gut tut wie Erwachsenen, hilft, das Klima an der Schule zu verbessern.

Ein offenes Ohr und Anteilnahme schaffen Vertrauen

„Das Schülercafé ist mein Leben“, sagt auch Karola Fenner, die seit zwei Jahren das Café leitet und im Hintergrund all das organisiert, was die Schüler in den Pausen nicht schaffen können. Mit einem offenen Ohr und Anteilnahme hat sie sich das Vertrauen der Schüler erarbeitet und hilft mit Rat. „Manch ein Schüler hat zu Hause weder einen Ansprechpartner, noch jemand, der sich ums Frühstück kümmert“, sagt sie.

Hintergrund

Die Wiesenschule arbeitet seit dem Schuljahr 2005/2006 als Oberschule.

Der Unterricht erfolgt an drei Tagen pro Woche im Ganztags-, an den übrigen Tagen im Normalbetrieb.

Das Einzugsgebiet umfasst neben Jüterbog auch die Gemeinden Niedergörsdorf und Niederer Fläming.

Derzeit werden an der Wiesenschule 315 Schüler, die von 26 Lehrern in 14 Klassen unterrichtet werden.

Dass der Betrieb des sozialpädagogischen Projektes am Geld scheitert, möchten Schulleiter und Sozialarbeiter unbedingt verhindern. Ihr Hoffnungen richten sich auf die Schaffung eines Minijobs, durch die Stadt. Für den 19. April haben sie deshalb den Sozialausschuss eingeladen, um vor Ort die Möglichkeiten dazu auszuloten.

Von Uwe Klemens

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