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Teltow-Fläming So kommen Hacker in Ihr System
Lokales Teltow-Fläming So kommen Hacker in Ihr System
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18:34 13.09.2018
Die Tiefen der IT-Sicherheit sind für nicht Eingeweihte kryptisch. Quelle: Oliver Fischer
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Wildau

Die neuste Masche der Hacker ist dem Zeitgeist angepasst. Sie schicken Bewerbungsschreiben. Mark Le Corre, Kriminalkommissar von der Zentralen Ansprechstelle für Cybercrime in Brandenburg, hat mal eins mitgebracht. Kurze E-Mail, freundlicher Text, sogar in Deutsch. „Gibt’s noch nicht so lange“, sagt Le Corre. Das angehängte Foto zeigt eine junge Frau, angeblich hat sie Vertriebserfahrung. Näheres erfahre man im Anhang. „So etwas interessiert jedes Unternehmen, und wenn die Frau auch noch hübsch aussieht, wird man noch eher draufklicken“, sagt der Kommissar. Er klickt auch. Es passiert erstmal: nichts.

Das, was ein paar Augenblicke später dann doch passiert, war am Donnerstag eines der zentralen Themen bei der siebten Auflage des IT-Sicherheitstages in den Räumen der Technischen Hochschule Wildau. Eingeladen hatten Wirtschaftskammern, die Polizei und weitere Wirtschafts- und Technologie-Verbände.

Seit Jahren steigende Bedeutung

Die Veranstaltung richtete sich an Unternehmer, die für die unzähligen Schwachstellen eines jeden Systems und die große Verantwortung ihren Kunden und Mitarbeitern gegenüber sensibilisiert werden sollten. „IT-Sicherheit hat seit Jahren eine steigende Bedeutung. Heute werden oft schon große Schäden angerichtet, weil Leute nur mal mit den technischen Möglichkeiten spielen, die im Internet zu haben sind“, sagt etwa der Moderator der Veranstaltung, Heiko Vesper, von der Handwerkskammer Cottbus.

Später am Tag zeigte Bernd Schulz, Geschäftsführer der Netzwerk-Sicherheitsfirma Telco Tech, das am echten Beispiel. Schulz hackte sich mit geringem Aufwand in eine Webcam ein, zog eigentlich unzugängliche Informationen aus Datennetzen und klinkte sich in ein Telefongespräch. Einfach so. „Das machen wir nicht, um die Leute zu verängstigen. Wir wollen aufmerksam machen und Unternehmern zeigen, was alles möglich ist“, so Schulz.

Nicht auf soziale Folgen vorbereitet

Als erster Gast hatte der Netzaktivist Daniel Domscheit-Berg, einst Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks, am Morgen den Stand der digitalen Entwicklung beschrieben. Sie verlaufe rasant und verändere die Welt wie es vorher nur der Buchdruck schaffte, sagte er. Das Problem dabei: Die Gesellschaft könne damit nur bedingt umgehen und sei nicht auf die sozialen Folgen vorbereitet.

Domscheit-Berg meinte den großen Rahmen: drohende Arbeitslosigkeit oder Verschiebungen zwischen Stadt und Land. Den kleineren Rahmen – der die rund 150 Besucher schon jetzt betrifft – demonstrierten dann Hauptkommisssar Le Corre und sein Berliner Kollege Olaf Borries.

Manche müssen Konkurs anmelden

Die Bewerbungsmail gehörte dazu. Die darin enthaltene Verschlüsselungssoftware machte, als sie dann doch reagierte, den Rechner des Hauptkommissars unbrauchbar. Für Unternehmen sei so etwas existenziell, sagte Olaf Borries. Einige mussten nach solchen Angriffe bereits Konkurs anmelden.

Aber Verschlüsselungssoftware ist nur eine von vielen Methoden, auf die Internet-Kriminelle setzen. Erpressung komme genauso häufig vor wie Spähsoftware. Oft seien die Täter auch Mitarbeiter, die aus dem Unternehmen heraus agieren. Und Unternehmer machen es den Fachleuten zufolge allen Tätergruppen dabei zu leicht.

Eineinhalb Jahre, bis Angriffe bemerkt werden

Das verdeutlichen schon die Zahlen, die Mark Le Corre an die Wand warf. Zahl eins: 70 Prozent. So hoch ist der Anteil der Unternehmen, die laut aktueller Studien innerhalb des vergangenen Jahres einen Angriff auf ihr System mitbekommen haben. Das muss im Zusammenhang mit Zahl zwei betrachtet werden: 469 Tage. So lange dauert es im Schnitt, bis ein Unternehmen einen Angriff registriert. „Wir hatten gerade einen Fall, bei dem der Eindringling erst nach neun Jahren bemerkt wurde“, so Borries.

Nur wenige gehen zur Polizei

Im Vergleich dazu Zahl drei: sieben Tage. So lange brauchen Hacker, um bekannt gewordene Sicherheitslücken in Systemen auszunutzen. Borries’ Fazit an die Unternehmer: „Die Frage ist nicht, ob Sie angegriffen werden. Die Frage ist, wann Sie zuletzt angegriffen wurden.“

Die Polizisten stellten den beeindruckten Unternehmern dann mögliche Sicherheitsvorkehrungen vor und rieten ihnen, in jedem Fall zur Polizei zu gehen. Das machen derzeit nur sieben Prozent der Betroffenen.

Von Oliver Fischer

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