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Teltow-Fläming Willkommensklasse für jugendliche Flüchtlinge
Lokales Teltow-Fläming Willkommensklasse für jugendliche Flüchtlinge
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08:52 02.02.2016
Mehrmals in der Woche lernt Lehrer Peter Manjowk mit Nushin (11, links) und Ali aus Syrien an der Lindengrundschule Deutsch. Quelle: Fotos: Josefine Sack (2)
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Jüterbog

In Deutschland gilt die Schulpflicht auch für Flüchtlingskinder. Seit November 2015 gehen in Jüterbog mehr als 30 Kinder aus den Übergangswohnheimen zur Schule. 19 von ihnen, die Siebt- bis Neuntklässler, besuchen seit Januar die Willkommensklasse in der Wiesenschule. Alle anderen lernen in den Jüterboger Grundschulen. Die meisten von ihnen, neun Kinder aus Syrien und Afghanistan, gehen auf die Lindengrundschule. Sechs weitere Flüchtlinge besuchen die Evangelische und die „Geschwister Scholl“-Grundschule.

Traumatisierte Kinder aus Kriegsgebieten, überlastete Lehrer und arabische Eltern, die die Lehrerinnen ihrer Kinder nicht akzeptieren? Im November, als die ersten Flüchtlinge eingeschult wurden, waren die Befürchtungen groß. „Aber dann standen die Kinder mit strahlenden Augen da und freuten sich, dass sie endlich zur Schule gehen durften“, erinnert sich Schulleiterin Jana Simon an den Tag, als sie die ersten Neuankömmlinge begrüßte. Keine der Befürchtungen sei aber eingetreten.

Nach drei Monaten Integration ist stattdessen Routine eingekehrt – sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern. Viermal pro Woche lernen die Flüchtlingskinder zusätzlich zum normalen Unterricht in Kleingruppen Deutsch. „Das bedeutet zwar mehr Arbeit für uns, aber die Kinder sind so motiviert, dass wir den fremdsprachlichen Förderunterricht nicht als Mehrbelastung empfinden“, resümiert Simon.

Vier Lehrer lernen mit den kleinen Einwanderern Deutsch – mit Erfolg. Noch im Herbst konnten Ali (10) und Nushin (11) aus Syrien kein Wort Deutsch. Ein Vierteljahr später sprechen die Viertklässler schon in ganzen Sätzen, können etwa die Farben, Zahlen, das Datum und die Uhrzeit sagen.

Lehrer Peter Manjowk übt spielerisch Vokabeln mit ihnen. Nushin und Ali sollen Möbel und Gegenstände in eine auf ein Blatt Papier aufgezeichnete Wohnung einsortieren: Kühlschrank, Fernsehen, Teddybär – die Kinder wissen genau, wo was hingehört. Nur beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel hapert’s noch: „Das ist schwer“, findet Ali, als er das Wort laut sagen soll. „Das stimmt“, gibt Manjowk dem Jungen recht. Ansonsten ist er stolz auf seine Schützlinge, die sich in kürzester Zeit an lateinische Buchstaben gewöhnen mussten: „Nicht mal ein Vierteljahr lernen sie jetzt Deutsch und es klappt schon super.“

Für die Neuankömmlinge an der Lindenschule gab es zum Halbjahr sogar ein deutsch-arabisches Zeugnis. Übersetzt hat es eine Lehrerin, die in ihrer Studienzeit Arabisch gelernt hat. So verstehen auch Nushins und Alis Eltern, was ihre Kinder bislang gelernt haben. Trotz der Fortschritte, die sie gemacht haben, wollen sie auch die Ferien nutzen, um zu lernen. Als Manjowk Ali fragt, wie er die freien Tage verbringen wird, antwortet der Junge, wie aus der Pistole geschossen: „Fußball spielen, lesen und schreiben.“

Von Josefine Sack

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