Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° bedeckt

Navigation:
Willkommensklasse für jugendliche Flüchtlinge

Schulpflicht Willkommensklasse für jugendliche Flüchtlinge

In Jüterbog gehen seit November vergangenen Jahres mehr als 30 Kinder aus den Übergangswohnheimen zur Schule. Einige von ihnen, die Siebt- bis Neuntklässler, besuchen seit Januar die Willkommensklasse in der Wiesenschule. Die Einrichtung ist die einzige Schule in Jüterbog, die eine Willkommensklasse eingerichtet hat.

Voriger Artikel
Radfahrerin kollidiert mit Pkw
Nächster Artikel
Kostüme, Accessoires und künstliche Nasen

Mehrmals in der Woche lernt Lehrer Peter Manjowk mit Nushin (11, links) und Ali aus Syrien an der Lindengrundschule Deutsch.

Quelle: Fotos: Josefine Sack (2)

Jüterbog. In Deutschland gilt die Schulpflicht auch für Flüchtlingskinder. Seit November 2015 gehen in Jüterbog mehr als 30 Kinder aus den Übergangswohnheimen zur Schule. 19 von ihnen, die Siebt- bis Neuntklässler, besuchen seit Januar die Willkommensklasse in der Wiesenschule. Alle anderen lernen in den Jüterboger Grundschulen. Die meisten von ihnen, neun Kinder aus Syrien und Afghanistan, gehen auf die Lindengrundschule. Sechs weitere Flüchtlinge besuchen die Evangelische und die „Geschwister Scholl“-Grundschule.

Traumatisierte Kinder aus Kriegsgebieten, überlastete Lehrer und arabische Eltern, die die Lehrerinnen ihrer Kinder nicht akzeptieren? Im November, als die ersten Flüchtlinge eingeschult wurden, waren die Befürchtungen groß. „Aber dann standen die Kinder mit strahlenden Augen da und freuten sich, dass sie endlich zur Schule gehen durften“, erinnert sich Schulleiterin Jana Simon an den Tag, als sie die ersten Neuankömmlinge begrüßte. Keine der Befürchtungen sei aber eingetreten.

Nach drei Monaten Integration ist stattdessen Routine eingekehrt – sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern. Viermal pro Woche lernen die Flüchtlingskinder zusätzlich zum normalen Unterricht in Kleingruppen Deutsch. „Das bedeutet zwar mehr Arbeit für uns, aber die Kinder sind so motiviert, dass wir den fremdsprachlichen Förderunterricht nicht als Mehrbelastung empfinden“, resümiert Simon.

Vier Lehrer lernen mit den kleinen Einwanderern Deutsch – mit Erfolg. Noch im Herbst konnten Ali (10) und Nushin (11) aus Syrien kein Wort Deutsch. Ein Vierteljahr später sprechen die Viertklässler schon in ganzen Sätzen, können etwa die Farben, Zahlen, das Datum und die Uhrzeit sagen.

Lehrer Peter Manjowk übt spielerisch Vokabeln mit ihnen. Nushin und Ali sollen Möbel und Gegenstände in eine auf ein Blatt Papier aufgezeichnete Wohnung einsortieren: Kühlschrank, Fernsehen, Teddybär – die Kinder wissen genau, wo was hingehört. Nur beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel hapert’s noch: „Das ist schwer“, findet Ali, als er das Wort laut sagen soll. „Das stimmt“, gibt Manjowk dem Jungen recht. Ansonsten ist er stolz auf seine Schützlinge, die sich in kürzester Zeit an lateinische Buchstaben gewöhnen mussten: „Nicht mal ein Vierteljahr lernen sie jetzt Deutsch und es klappt schon super.“

Für die Neuankömmlinge an der Lindenschule gab es zum Halbjahr sogar ein deutsch-arabisches Zeugnis. Übersetzt hat es eine Lehrerin, die in ihrer Studienzeit Arabisch gelernt hat. So verstehen auch Nushins und Alis Eltern, was ihre Kinder bislang gelernt haben. Trotz der Fortschritte, die sie gemacht haben, wollen sie auch die Ferien nutzen, um zu lernen. Als Manjowk Ali fragt, wie er die freien Tage verbringen wird, antwortet der Junge, wie aus der Pistole geschossen: „Fußball spielen, lesen und schreiben.“

Von Josefine Sack

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg