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Windmühlen-Verein pflegt Wahrzeichen

Gölsdorf Windmühlen-Verein pflegt Wahrzeichen

Nach der Rekonstruktion der Gölsdorfer Mühle macht der Förderverein nun weiter mit der Pflege des Wahrzeichen des Ortes. Unter anderem bietet er dort Führungen und Veranstaltungen an. Dabei gibt es historisches Wissen rund ums Mühlenwesen.

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Die Bockwindmühle in Gölsdorf wurde Stück für Stück rekonstruiert.

Quelle: Landkreis TF

Gölsdorf. Eine Mühle muss bewegt werden, damit sie lebt! Dieser Maxime folgen die 70 Mitglieder des Fördervereins Gölsdorfer Mühle in den Sommermonaten eisern. Denn an jedem letzten Sonntag des Monats drehen sich die Flügel und locken zahlreiche Besucher an. Ihnen präsentiert sich ein wahres Schmuckstück, welches die Vereinsmitglieder in jahrelangen aufwendigen Freizeitaktionen hergerichtet haben.

Fred Schade (l) und Eberhard Prüfer (r) mit Enkel Ricardo am großen Kammrad in der Gölsdorfer Mühle

Fred Schade (l.) und Eberhard Prüfer (r.) mit Enkel Ricardo am großen Kammrad in der Gölsdorfer Mühle.

Quelle: H.-Dieter Kunze

Nicht nur einer, sondern viele gute Müller waren und sind am Werk – in entsprechendem Topzustand ist ihre Mühle. „Wir sind soweit erst einmal durch, größere Maßnahmen sind vorerst nicht geplant und auch nicht nötig“, sagt Vorstandsmitglied Fred Schade. Höchstens ein paar kleinere Aktivitäten stehen noch an, zum Beispiel die Sanierung des Zaunes rund ums Mühlengelände. Der letzte große Akt war das Streichen des historischen Bauwerkes von außen, um es gegen Witterungseinflüsse zu schützen.

Von außen nicht sichtbar waren die Restaurierungsarbeiten im Inneren, die den „guten Mühlengeistern“ alles abverlangten. Die Bockwindmühle war im früheren Betrieb mit dem sogenannten Sterz drehbar, um die Ruten immer in Windrichtung zu drehen und das Mahlwerk mit der höchstmöglichen (Wind-)Energie betreiben zu können. Das geht nun nicht mehr, denn das hölzerne Bauwerk ist auf Fundamenten fest verankert und zeigt konstant in westliche Richtung gen Seehausen.

Alte Mühle mit Elektromotor

Drehen können sich die Ruten trotzdem, dafür sorgt ein leistungsstarker Elektromotor. Das ist nichts Ungewöhnliches, denn beinahe alle Bockwind- und andere Mühlenarten wurden in ihrer letzten Nutzungsphase so angetrieben. Das Mahlen von Getreide zu Schrot und verschieden feinen Mehlsorten wäre in Gölsdorf zwar zu jeder Zeit möglich, ist aber nicht beabsichtigt. Zu streng wären die Qualitäts- und Reinheitsanforderungen, die in der heutigen Zeit verlangt werden.

Kaffetafel unterm Mühlenflügel

Kaffetafel unterm Mühlenflügel.

Quelle: H.-Dieter Kunze

Der Ur-Gölsdorfer Fred Schade kann sich noch gut an seine Kinder- und Jugendjahre erinnern. Immer Donnerstag war „Mühlentag“, da lieferten Bauern des Ortes und der Umgebung Säcke mit Getreide auf Pferdeanhängern oder auf kleinen Leiterwagen, die von Hand oder von einem großen Hund im Geschirr zur Unterstützung gezogen wurden, zum Schroten an. Das Schrot wurde wieder mitgenommen. Müllermeister Krüger hatte alle Hände voll zu tun, das Gebälk ächzte, der große Mahlstein drehte sich unaufhörlich und musste ständig nachgefüllt werden. Die Krügers waren in sechs Generationen die Müllermeister von Gölsdorf.

Historisches Wissen übers Müllertum

In der kleinen Müllerstube, auch Feise genannt, wurde akribisch Buch geführt über die an- und wieder ausgelieferten Mengen. Eine Dezimalwaage gehörte deshalb zum Inventar. In der Feise stand zwar eine viel zu kleine Holzpritsche als Bett, aber zur Ruhe kam ein Müller eh sehr selten – sowohl wenn sich die Ruten drehten als auch bei Windstille. Da wurde nach dem Rechten geschaut, hat man anstehende Reparaturen erledigt.

Hintergrund

Die Gemeinde Gölsdorf wurde urkundlich erstmals im Jahre 1195 erwähnt. Der erste Windmüller wird im Jahr 1542 schriftlich erwähnt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Bockwindmühle stark beschädigt und dann zwischen 1686 und 1688 zum größten Teil neu aufgebaut. Als Besitzer aus dieser Zeit wird Jacob Müller erwähnt. Die Schlacht bei Dennewitz im Jahre 1813 überstand die Mühle relativ unbeschadet, obwohl der Mühlenberg bei Gölsdorf ein wichtiger strategischer Punkt war.

Der Mahlbetrieb wurde in Gölsdorf 1984 eingestellt. Dann erwarb die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) die Mühle. Zwischen 1987 bis 1990 wurde sie restauriert, gefördert und unterstützt von der Denkmalbehörde und einheimischen Handwerksbetrieben.

Am 3. Oktober 2009 gründete sich Förderverein Gölsdorfer Mühle und übernahm die Restaurierungsarbeiten. Nach deren Abschluss im Jahr 2013 wurde sie feierlich als Schauobjekt und technisches Denkmal übergeben.

Die Führungen durch die Mühle werden stets „vom „diensthabenden Vereinsmitglied“ übernommen. Beeindruckend ist das große hölzerne Kammrad im oberen Stock mit seinem Zähnen aus Hartholz. Es treibt über eine Transmissionswelle und über Flachriemen andere Aggregate an. Das sind unter anderem das Mahlwerk, der Siebkasten, die Reinigung und der Sackaufzug. Imposant anzuschauen ist auch der große Mahlstein in der unteren Etage. Er besteht aus Granit aus Johnsdorf in der Lausitz und hat Rillen. Die mussten regelmäßig vom Müller nachgeschliffen, sprich gemeißelt werden. Dazu wurden der Stockhammer, die Bille, Steinbeil und Zweispitz verwendet, es war eine schwere Arbeit.

Daran kann sich auch Eberhard Prüfer gut erinnern, denn er arbeitete in der Wassermühle Stülpe: „Das war eine verdammt harte Handarbeit.“ Mit seinem Enkel Ricardo war er am Sonntag aus Stülpe nach Gölsdorf gekommen. Solche Wochenendausflüge zu interessanten Objekten unternehmen sie häufig.

Von H.-Dieter Kunze

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