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„Wir kämpfen um jede Unterrichtsstunde“

Schulleiterin Ines Schwerdt zum Unterrichtsausfall in Luckenwalde „Wir kämpfen um jede Unterrichtsstunde“

Für neun Klassen der Luckenwalder Oberschule gab es gestern keine Zeugnisnoten in Englisch und WAT. Die amtierende Schulleiterin Ines Schwerdt erklärt warum.

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Luckenwalde. MAZ: Bei etlichen Schülern fehlen gleich zwei Noten auf den Zeugnissen. Warum?
Ines Schwerdt: Weil der Englisch- und WAT-Unterricht ausgefallen ist.

Seit wann?
Schwerdt: Begonnen hat es gleich zu Beginn des Schuljahres. Unsere bisherigen Lehrer, die auch Englisch unterrichteten, sind in Altersteilzeit gegangen. Wir bekamen erstmal eine Aushilfe für den Englischunterricht. Dann wurde eine Lehrerin eingestellt, die nach vier Wochen krank wurde und seitdem noch nicht wieder da war.

Warum wurde dafür kein neuer Lehrer eingestellt?
Schwerdt: Weil die Stelle ja eigentlich besetzt ist.

Schulamt: Stoff kann nachgeholt werden

Der Leiter des Schulamtes, Winfried Otto, kennt die Problematik an der Luckenwalder Oberschule und am Friedrich-Gymnasium. Nach seinen Erkenntnissen ist die Situation an anderen Schulen in der Region nicht so dramatisch.

Aus seiner Sicht ist die Jahrgangsstufe 10 von dem Ausfall nur wenig betroffen. Grundsätzlich könne der Unterrichtsstoff durch eine vorübergehende Erhöhung der Stundentafel im Fach nachgeholt werden.

Dem Staatlichen Schulamt liegen derzeit fünf Briefe von Eltern vor, die zeitnah beantwortet werden.

Grundsätzlich ist eine fehlende Note seiner Ansicht nach immer problematisch. Ihm liegen allerdings keine Beispiele vor, dass dadurch bei einer Bewerbung die Chancen sinken, zumal die Schüler ja nichts dafür können.

Man setze seitens des Schulamtes alles daran, um schnell eine Lösung herbeizuführen. Dabei soll auch berücksichtigt werden, den entstandenen Ausfall möglichst zeitnah zu kompensieren.

War abzusehen, dass die Kollegin so schnell nicht wiederkommen würde?
Schwerdt: Nein, zuerst nicht. Ich habe die Krankmeldung dann aber immer sofort an das Staatliche Schulamt weitergeleitet.

Wie viele Klassen trifft es genau?
Schwerdt: Vier Klassen haben keine Noten in Englisch. In Wirtschaft-Arbeit-Technik (WAT) erhielten die beiden 9. Klassen und drei 10. Klassen keine Noten.

Was haben Sie unternommen?
Schwerdt: Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Vertretungsstunden, Zusammenlegung und wir haben es auch mit Stillarbeit versucht, was allerdings keinen Erfolg brachte.

Wie geht es nach den Ferien weiter?
Schwerdt: Ich habe versucht, den Stundenplan fürs zweite Halbjahr so umzubauen, dass wenigstens die 10. Klassen WAT-Unterricht haben. Dafür fällt er bei den Achtklässlern aus. Letztendlich werden die Probleme nur verschoben nicht beseitigt.

Macht Sie das unzufrieden?
Schwerdt: Ja natürlich. Vor allem, weil keine Besserung in Sicht ist.

Und wie reagieren die Kollegen auf diese Missstände?
Schwerdt: Die sind genauso verärgert. Aber sie geben ihr Bestes. Sie springen ein, wann immer es möglich ist. Sie kämpfen genau wie ich um jede Unterrichtsstunde.

Was sagen die Schüler zu den Massen-Stundenausfällen?
Schwerdt: Die Schüler wissen nicht, wie sie es schaffen sollen, den versäumten Unterrichtstoff nachzuholen. Da geht die Sorge um, ob sie überhaupt die Prüfung schaffen.

Was wünschen Sie sich?
Schwerdt: Dringend einen Englisch- und einen WAT-Lehrer, damit wäre allen sehr geholfen.

Beim Tag der offenen Tür am Donnerstagabend an der Oberschule wurde außerdem von Eltern angefragt, ob es außer Ringen nicht auch noch andere Sportklassen geben könnte. Wie stehen die Chancen dafür?
Schwerdt: Wir werden mit dem neuen Schuljahr vier Klassen aufnehmen. Davon zwei Regelklassen, eine Integrationsklasse und eine Ringerklasse. Es gibt immer wieder Anfragen, wie es denn mit anderen Sportarten, zum Beispiel mit Fußball oder Schwimmen, aussieht. Allerdings haben wir nicht genügend Anmeldungen für eine ganze Klasse.

Wie viele Lehrer und Schüler gibt es derzeit an der Luckenwalder Friedrich-Ludwig-Jahn-Oberschule mit Sportbetonung?
Schwerdt: Wir haben 345 Schüler in 16 Klassen sowie 40 Lehrer, die teilweise auch die Schüler im Zweiten Bildungsweg an der Volkshochschule unterrichten.

Interview: Margrit Hahn

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