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„Wir müssen uns strategisch für 2030 aufstellen“

Bürgermeister Igel 100 Tage im Amt „Wir müssen uns strategisch für 2030 aufstellen“

Der neue Ludwigsfelder Bürgermeister Andreas Igel ist seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt. Um dem Zuzug gerecht zu werden, will er die Infrastruktur der Stadt überprüfen und anpassen.

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Bürgermeister Andreas Igel hängte sich dieses Bild ins Büro: „Ludwigsfelde bewegt“ sei schließlich der Slogan der Stadt.

Quelle: Jutta Abromeit

Ludwigsfelde. Andreas Igel (SPD), der neue Bürgermeister von Ludwigsfelde, ist nun über 100 Tage im Amt. Der ehemalige Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung erläutert im MAZ-Interview, wie er die 25 000 Einwohner zählende Stadt regieren will.


MAZ:
Sie waren mit dem Vorsatz einer 60-Stunden-Woche angetreten – klappt das in der Praxis?

Andreas Igel: Ich versuche, es bei einer Sechs-Tage-Woche zu belassen. Manchmal bin ich nicht vor 22 Uhr zu Hause, dafür versuche ich an anderer Stelle zu kürzen. Mittwochs ist Papa-Tag, da hole ich meinen sechsjährigen Sohn um 16 Uhr aus der Kita ab.

Was fiel dem IT-Manager Igel bei der Umstellung auf den Job als Rathaus- und Verwaltungschef am schwersten?

Igel: Ich bin es gewohnt, in optimierten Prozessen zu denken und zu arbeiten. Da sehe ich noch deutliches Potenziale.

Inwiefern?

Igel: Ich sehe bei den Mitarbeitern die Veränderungsbereitschaft. Und Freude, einen solchen Weg mitzugehen.

Tatsächlich Freude?

Igel: Ja, die meisten lächeln bei vielen Gesprächen und sagen „Da komme ich mit“, wenn ich ihnen nach Besuchen in ihrem Fachgebiet meine Vorstellungen darlege. Wenn wir fair miteinander umgehen, werden wir die Stadt gemeinsam voranbringen. Mir ist in den vergangenen 100 Tagen bewusst geworden, welche Bedeutung Ludwigsfelde hat.

Das wussten Sie doch aber als Stadtverordneter schon lange. Was genau meinen Sie?

Igel: Ich sehe, dass die Mittelzentrumsfunktion jetzt greift und neue Erfordernisse mit sich bringt. Wir müssen uns jetzt strategisch für 2020 und 2030 aufstellen.

Was gehört für Sie dazu?

Igel: Wenn es bei uns diesen verstärkten Zuzug wie im Moment gibt, müssen soziale Standortfaktoren Schritt halten. Wir müssen den Bedarf an Schulen, Kitas und auch an seniorengerechtem Wohnen anpassen, denn es ziehen auch erstaunlich viele ältere Menschen nach Ludwigsfelde. Wir müssen die Ortsteile infrastrukturell anpassen, wir müssen unser wunderbar saniertes Klubhaus nutzen. Oder, wenn hier 400 Flüchtlinge leben, dann müssen wir ihnen den Platz bieten, sich in die Gemeinschaft zu integrieren und uns zu befördern.

Stichwort Klubhaus – wann soll der neue Sachgebietsleiter Kultur eingestellt werden? Das Haus ist ja seit dem Tod von Frank Gerhard führungslos.

Igel: Die Stellenausschreibungen für einen Sachgebietsleiter und für einen technischen Leiter sind in der finalen Abstimmung. Und dann muss es darum gehen, dass sich Klubhaus, Museum, Festwiese, Rathausplatz und private Veranstaltungen in der Stadt nicht gegenseitig behindern. Das Kulturgeschäft ist kein einfaches, aber ich sehe, dass alle Beteiligten sehr engagiert sind.

Akzeptieren Sie die bei den Einschulungen oder anderen fröhlichen Feiern mehrfach kritisierte weiße Kühle des großen Klubhaussaals?

Igel: Wir haben einige technische Mängel noch zu beseitigen, das müssen wir ganz strukturiert abarbeiten.

Sie meinen die Tontechnik?

Igel: Zum Beispiel, ja. Ich habe mir bereits ein Bild von allen Mängeln verschafft. Dazu gehört auch eine veranstaltungsbezogene Dekoration. Die Frage ist eben nur: Wie bekommen wir das finanziell vernünftig hin?

Was ist mit der Wirtschaft, aus der Sie ja kommen, wie soll es damit weitergehen?

Igel: Wir haben die Chance mit dem geplanten Industriegebiet Eichspitze, die Investoren anzusiedeln, die uns in zehn Jahren beflügeln werden.

An welche oder an was für Unternehmen denken Sie dabei?

Igel: Um Namen zu nennen, ist es zu früh. Aber es gibt ganz interessante Absichten großer Firmen.

Wie halten Sie es mit Dienstfahrten, fahren Sie mit dem eigenen Auto und rechnen Kilometer ab, haben Sie einen Fahrer?

Igel: Das ist für Dienstreisen in Deutschland grundsätzlich mit einem Beschluss der Stadtverordneten geregelt. Es gibt ein Dienstfahrzeug, das ich auch ausschließlich für Dienstzwecke nutze. Und ich fahre selbst. Die Termine lasse ich im Hause mit anderen Fahrten abstimmen.

Was hat Sie nach Ihrem Amtsantritt positiv überrascht, wovon sind Sie enttäuscht?

Igel: Positiv überrascht haben mich die Dimension des Zuzugs, des Baugeschehens und von Firmenansiedlungen. Das alles ist stärker, als ich es in der Stadtverordnetenversammlung wahrgenommen hatte. Negativ sind der hohe Stand Langzeitkranker und der Regelungsstau bei Dienstvereinbarungen. Das müssen wir mit den Mitarbeitern, dem Personalrat und der Verwaltungsspitze auflösen. Und ich bin erstaunt, mit wie vielen Nachbarschaftstreitigkeiten sich Ludwigsfelder das Leben schwer machen und Verwaltungen beschäftigen, statt fair miteinander umzugehen.

Sagen Sie das Betreffenden in Bürgergesprächen auch?

Igel: Ja klar. Es ist doch viel besser, sich mal am Gartenzaun zu treffen und zum Grillen zu verabreden, als sich letztlich vor einem Gericht zu beharken.

Es fällt auf, dass im Rathaus in einigen Büros jetzt früher angefangen wird. Auch Sie sind im Gegensatz zu Ihren beiden Vorgängern bereits um 8 Uhr im Büro. Was wollen Sie noch ändern?

Igel: Ich habe noch nichts verändert. Aber ich habe eine Agenda, die noch 2016 zu Veränderungen führen wird.

Zu welchen?

Igel: Ich möchte sachliche Themen im Vordergrund wissen. Damit wird das Leistungsspektrum der Verwaltung im optimierten Zusammenspiel verschiedener Bereiche und im Dialog mit Mitarbeitern und Kommunalpolitik zu strukturellen Veränderungen führen.

Das klingt immer noch sehr abstrakt, was meinen Sie?

Igel: Wenn wir neue Bereiche wie den Aktivpark haben, kann man das nicht wie bisher schaffen, ohne die Mitarbeiter zu überlasten. Es gibt immer drei Möglichkeiten: Entweder ich automatisiere und verändere Prozesse, ich stelle mehr Leute ein oder ich verändere die Standards. Was jeweils am besten passt, das müssen wir gemeinsam herausfinden.

Wollen sie die Verwaltungsstruktur mit den jetzigen drei Fachbereichen ändern?

Igel: Das wird dann die letzte Überlegung sein.

Wird Ludwigsfelde nach dem krankheitsbedingten Ausfall von René Böttcher wieder einen Ersten Beigeordneten haben?

Igel: Selbstverständlich, noch in diesem Jahr.

Gewerbetreibende wollen mit Ihnen einen Kaffee oder ein Bier trinken, um ihre Anliegen zu platzieren  – wie reagieren Sie?

Igel: Mir sind Gespräche mit Gewerbetreibenden als Teil unserer Gesellschaft sehr wichtig. Ich kann zwar nicht jede Einladung annehmen, versuche das aber dosiert hinzubekommen.

Was antworten Sie Leuten, die bereits Knöllchen von Ihnen gestrichen haben wollten?

Igel: Die frage ich, ob sie im Parkverbot gestanden oder die Parkzeit überschritten haben. Solche Anfragen lassen nach, wenn sie oft genug ins Leere laufen.

Anders als Ihr Vorgänger Gerhard sind Sie nicht bei Facebook. Fehlen Ihnen diese Informationen?

Igel: Nein. Das hat mir im Wahlkampf nicht gefehlt und auch jetzt geht es ohne. Wer mich erreichen will, spricht mich an, wo ich grad bin, ruft mich an oder kommt ins Rathaus. Ich stamme ja aus der IT-Branche, da kenne ich Chancen und Gefahren von Facebook. Deshalb habe ich für mich entschieden, darauf zu verzichten. Ich möchte noch lange Spaß an der spannenden Aufgabe als Bürgermeister haben.


Von Jutta Abromeit

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