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Teltow-Fläming Wird Dahme-Spreewald das Saudi-Arabien des Ostens?
Lokales Teltow-Fläming Wird Dahme-Spreewald das Saudi-Arabien des Ostens?
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17:54 08.09.2016
Symbolbild. Quelle: AFP
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Dahmeland-Fläming

Hans-Georg Thiem ist seit hundert Tagen Präsident des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Cottbus. Zuvor war er aber schon 20 Jahre in verschiedenen Positionen im Amt tätig und kennt deshalb die Dahmeland-Fläming-Region unterirdisch fast so gut wie oberirdisch.

Herr Thiem, unlängst ist in der Märkischen Heide bei Erkundungsbohrungen neben Erdöl auch Erdölkonzentrat gefunden worden. Bei Märkisch Buchholz soll in absehbarer Zeit Erdgas gefördert werden. Wird Dahme-Spreewald noch mal das Saudi-Arabien des Ostens?

Hans-Georg Thiem: Wenn Sie so fragen, dann muss man leider sagen, dass das nicht zu erhoffen ist. Oder zu befürchten, wie man es nimmt. Wir wissen zwar, dass im Boden die nötigen Strukturen für Erdöl- oder Erdgasfallen vorhanden sind, und dass sich der Abbau der bekannten Vorkommen auch grundsätzlich lohnt. Aber die Vorkommen sind trotzdem vergleichsweise gering.

Hans-Georg Thiem. Quelle: MAZ

Wie gut kennen Sie den märkischen Untergrund?

Thiem: Die oberflächennahen Rohstoffe sind inzwischen recht gut bekannt. Bei den Schichten darunter gilt: Je tiefer man kommt, desto ungewisser ist, was sich dort verbirgt. Aber man kann aufgrund von geologischen Formationen Rückschlüsse ziehen. Wir gehören wie Mecklenburg-Vorpommern zur Norddeutschen Senke. Da gibt es Grundprinzipien der Entwicklung, die längst erforscht sind. Aus denen lassen sich erste Hinweise darauf ableiten, was sich im Boden befinden kann. Überprüfen lassen sich diese Hinweise mithilfe von Bohrungen. Das hat man zwischen 1960 und 1990 in großem Umfang gemacht. In der DDR wurde der tiefe Untergrund systematisch nach Erdöl und Erdgas untersucht. Die meisten dieser Bohrungen gingen 2000 bis 3000 Meter in die Tiefe, die tiefste sogar 7000 Meter.

Ein mächtiger Aufwand. Hat er sich gelohnt?

Thiem: Durchaus. Man ist damals beispielsweise auf die bekannteste Erdölabbaustelle in Küstrin-Kietz im Oderbruch gestoßen. Dort werden zwischen 10 000 und 20 000 Tonnen im Jahr gefördert. Die Vorkommen in Märkische Heide und Münchehofe wurden damals nachgewiesen, im Übrigen auch eine Kupferlagerstätte bei Spremberg, wo zudem Silber-, Gold- und Platinbestandteile gefunden wurden. Aber auch für die Nachwelt hat sich der Aufwand gelohnt.

Inwiefern?

Thiem: Wir haben die ganzen Bohrkerne noch immer. Sie wurden aufbewahrt und lagern jetzt in Kisten verpackt im Bohrkernarchiv unseres geologischen Dienstes in Wünsdorf.

Wie muss man sich ein Bohrkernarchiv vorstellen?

Thiem: Wir haben alte Panzerhallen zu einem Hochregallager umgebaut. Dort liegen 160 000 Meter Bohrkerne, gut beschriftet. Bei Bedarf können sie jederzeit ausgelegt und auch mit den neuesten Technologien auf Rohstoffvorkommen untersucht werden. Das ist ein Schatz, den wir da hüten. Würden wir diese Bohrungen heute noch einmal machen, würde uns das mehrere Milliarden Euro kosten.

Wenn Sie den Boden so gut kennen, geben Sie uns doch mal einen Tipp: Was ist abseits von Erdöl und Erdgas in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming Lukratives zu holen?

Thiem: Im Wesentlichen tatsächlich die Massenrohstoffe wie Kiese und Sand.

Die sind doch in ganz Brandenburg verbreitet.

Thiem: Richtig, aber in der Qualität, wie sie die Bauindustrie zur Herstellung von hochwertigem Beton benötigt, sind sie eher im Süden zu finden. Den hochwertigsten Kies gibt es in Elbe-Elster rund um Mühlberg. Das ist auch das Zentrum der märkischen Kiesindustrie. In Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald haben wir aber auch einen überdurchschnittlichen Kiesabbau.

Können Sie den beziffern?

Thiem: In Dahme-Spreewald gab es im vorigen Jahr neun Betriebe, die rund 800 000 Tonnen Kies gewonnen haben. In Teltow-Fläming sind bei uns sieben Betriebe registriert, die etwa eine Million Tonnen abgebaut haben. Dort gibt es auch eine sehr hochwertige Lagerstätte in Horstfelde, die sehr hohe Kiesanteile aufweist und noch dazu günstig gelegen ist.

Ist Kiesabbau in diesem Maß nicht auch Raubbau an der Natur? Oder anders gefragt: Wie groß ist die Gefahr, dass wir einer Kieskrise entgegenschlittern?

Thiem: Eine solche Entwicklung ist nicht absehbar. Wenn die Nachfrage bleibt, wie sie ist, haben wir für die nächsten Jahrzehnte sicher noch genügend Vorräte in den jetzt schon aufgeschlossenen Tagebauen. Natürlich wächst der Rohstoff nicht nach, zumindest nicht in menschlichen Dimensionen. Aber nach dem Abbau bleibt auch oft ein See zurück oder eine andere Kulturlandschaft. Die Fläche wird ökologisch hochwertiger hinterlassen, als sie vorher war.

Würden Sie wirklich absolut ausschließen, dass sich irgendwo ganz tief unter Königs Wusterhausen, Ludwigsfelde oder Nuthe-Urstromtal vielleicht nicht doch eine Goldader befindet?

Thiem: Für ausgeschlossen halte ich das nicht. Wir haben aber keine Hinweise darauf. Wir wissen lediglich, dass es Erdöl- und Erdgasfelder gibt, aber auch Potenziale für Sole, dazu Möglichkeiten der Untergrundspeicherung und für Erdwärmespeicherung. Wir wissen, dass wir in der Nähe von Sperenberg Gipsvorkommen haben, die früher auch abgebaut wurden, was heute aber nicht mehr lukrativ ist. Und wir kennen oberflächennahe Tonvorkommen, die bei Töpchin, Halbe oder Klausdorf während der Hochzeit der Ziegelproduktion auch teilweise erschlossen wurden.

Damals, im 19. Jahrhundert, hingen ganze Landstriche am Ton. Wird das Material heute in Brandenburg überhaupt noch abgebaut?

Thiem: Durchaus, besonders im Norden, wo eine Dachziegelindustrie dahintersteht. In Pieskendorf, im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, gibt es auch noch Tongruben. Aber der Industriezweig war früher in der Tat besser aufgestellt.

Herr Thiem, haben Sie nach 20 Jahren im Dienste der märkischen Geologie bei all dem Sand, Kies und etwas Grauwacke nicht auch mal Sehnsucht nach etwas mehr Glitzer – vielleicht einer Diamanten-Mine?

Thiem: Nein, ich bin mit dem Land Brandenburg vollkommen zufrieden. Der Aufbau des hiesigen Untergrundes ist auch ohne Diamanten-Vorkommen interessant genug.


Von Oliver Fischer

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