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Teltow-Fläming Wirtschaft fragt, Kandidaten antworten
Lokales Teltow-Fläming Wirtschaft fragt, Kandidaten antworten
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00:16 12.09.2017
Jana Schimke (CDU), Sylvia Lehmann (SPD), Carsten Preuß (für die Linke), Dietmar Ertel (AfD), Gerhard Kalinka (Grüne), Rico Kerstan (FDP) und Guido Körber (Piraten, v.l.). Quelle: Fischer (2)
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Wildau

Ein Bundestagswahlkampf ist nichts für Weicheier, das dürfte den meisten Kandidaten im Wahlkreis 62 spätestens am Donnerstagabend beim Forum Mittelstand in Wildau klar geworden sein. Erst am Vorabend hatte man gemeinsam beim Bürgerverein in Zeuthen gesessen, am Morgen gleich wieder in einer R

Jana Schimke (CDU) und Guido Körber (Piraten) erschienen deshalb ein paar Minuten zu spät. Ralf von der Bank, Kandidat der Freien Wähler, hatte gleich ganz abgesagt und Manfred Ebel von der DKP konnte auch nicht kommen. Blieben aber immer noch sieben. Neben Schimke und Körber stellten sich Sylvia Lehmann (SPD), Gerhard Kalinka (Grüne), Rico Kerstan (FDP), Dietmar Ertel (AfD) und Carsten Preuß (für die Linke) den Fragen des Mittelstandes.

Weil es schwierig ist, ein Podium aus so vielen Politikern in den Griff zu bekommen, hatten die Organisatoren dafür einen Profi engagiert: RBB-Moderatorin Carla Kniestedt, die ein straffes Regiment führte und den Kandidaten wenig Raum zum Ausschweifen ließ. Sie bemühte sich um konkrete Fragen und bestand auf konkreten Antworten, die sie manchmal sogar bekam.

CDU-Frau Jana Schimke etwa, die als Bundestagsabgeordnete quasi ein Heimspiel hatte, plädierte auf Kniestedts Fragen hin für einen Digitalminister und für ein stärkeres Engagement des Bundes beim Ausbau des Breitbandnetzes. „Wir wissen, dass 50 MBit nicht reichen“, sagte sie. Zudem wies sie auf dasnijobs zu ändern.

Sylvia Lehmann (SPD), als Landtagsabgeordnete ebenfalls Profi aber genau wie Schimke keine Wirtschaftsexpertin, zog sich zuweilen auf Gemeinplätze zurück. Sie wolle den Bund beim BER stärker in die Verantwortung nehmen, sagte sie, außerdem die Bürokratie abbauen, zumindest ein wenig. Und das Fachkräfteproblem solle mit zielgerichteter Einwanderung gelindert werden – eine Position, die bis auf Jana Schimke auch alle anderen Kandidaten so oder ähnlich vertraten.

FDP-Mann Rico Kerstan etwa, der als Schnellsprecher und Auskenner punktete. Er forderte qualifizierte Migration, aber auch weniger Papierkram für Jungunternehmer. „Wir müssen Dokumentationspflichten senken, Tarifparteien stärken und die Bildung von Betriebsräten unterstützen“, sagte er und erntete den stärksten Applaus des Abends, als er sich für ein bundeseinheitliches Bildungssystem aussprach.

Ebenfalls punkten konnte Pirat Guido Körber, der selbst ein Unternehmen führt und anschaulich die Seelenlage der Mittelständler nachzeichnete. „Das Problem liegt darin, dass ein Großteil der Politiker nie auf der anderen Seite gesessen hat. Allein die Steuererklärung ist eine Katastrophe, der Aufwand ist viel höher als der Ertrag“, sagte er. Körber brachte die Sprache auch auf die Herausforderungen der Digitalisierung. „Wir brauchen grundlegende Reformen, weil mit der Industrie 4.0 das Tempo, mit dem Berufe verschwinden, immer höher wird.“

Weil nicht jeder auf alles antworten konnte, ging es in den Themen mitunter arg flott hin und her. Der Grünen-Kandidat Gerhard Kalinka sprach sich für einen geregelten Ausstieg aus der Braunkohle aus, wenig später ging es schon um die Bürokratie, die er „auf das notwendige Maß reduzieren“ würde. Mit seiner Forderung nach einer „Einwanderung nach kanadischem Vorbild“ lag er sogar auf einer Wellenlänge mit AfD-Mann Dietmar Ertel. Ertel will den Mindestlohn in seiner jetzigen Höhe beibehalten – so konkret wurde seine Partei da bisher nicht. Und auf Nachbohren von Carla Kniestedt äußerte er sich auch zur Causa Björn Höcke: Privat sympathisch, aber wenn er sich volksverhetzend geäußert hat, müsse er ausgeschlossen werden, so Ertel.

Carsten Preuß letztlich hatte als Kandidat für die Linke den schwersten Stand. Gesetzliches Nachtflugverbot, zwölf Euro Mindestlohn, höhere Unternehmenssteuern – das ist nicht das, was sich die Wirtschaft wünscht. Das focht Preuß aber nicht an. „Ich stehe nicht hier, um mich lieb Kind zu machen, ich will meine Meinung vertreten“, sagte er. Und sie wurde gehört, von immerhin rund 50 Leuten.

Von Oliver Fischer

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