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Wo Geldautomaten explodieren dürfen

Neuer Sprengplatz in Fernneuendorf Wo Geldautomaten explodieren dürfen

Was machen ein 40-Fuß-Seecontainer und ein Geldautomat mitten im brandenburgischen Kiefernwald? Die MAZ war vor Ort in Fernneuendorf, wo der größte zivile Freiversuchsplatzes der Bundesrepublik Deutschland entsteht. Dort werden Explosionen und deren Folgen untersucht.

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Kampfansage an Automatenknacker. Auch an diebstahlsicheren Geldautomaten wird auf dem BAM-Testgelände geforscht.

Fernneuendorf. Ein zweiter Sprengplatz für Großversuche wird auf dem Testgelände Technische Sicherheit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) Horstwalde gebaut. Auf der Fernneuendorfer Seite der 1200 Hektar großen Freiversuchsfläche investiert die BAM rund fünf Millionen Euro.

Aktuell gibt es einen Rückstau bei Prüf- und Forschungsaufträgen. „Der neue Sprengplatz soll es uns ermöglichen, mehr Projekte bei gleichbleibender Sicherheit für unsere Mitarbeiter zu bearbeiten“, sagt Kai Holtappels, zukünftiger Standortleiter des größten zivilen Freiversuchsplatzes der Bundesrepublik Deutschland.

Vorhandener Sprengplatz ist ganzjährig ausgelastet

Weil der vorhandene Sprengplatz ganzjährig ausgelastet ist, entsteht der neue. Er misst wie der alte 400 Meter im Durchmesser. Sowohl die Zufahrt als auch alle wesentlichen Haupt- und Nebenstraßen werden so ausgebaut, dass Feuerwehrfahrzeuge im Brandfall sämtliche Gebäude und Waldflächen auf der BAM-Liegenschaft erreichen können. Weiter wird der neue Sprengplatz außerhalb der Umzäunung mit Feuerlöschbrunnen ausgestattet.

Der neue Sprengplatz dient Wissenschaft und Forschung

Der neue Sprengplatz dient Wissenschaft und Forschung.

Quelle: BAM-Bild

„Eigentlich ist die Bezeichnung Sprengplatz etwas irreführend“, sagt Kai Holtappels. Anders als in dem unweit gelegenen Munitionszerlegebetrieb in Kummersdorf-Gut jage man bei den Tests auf dem europaweit einzigartigen Gelände nichts vorsätzlich in die Luft. Vielmehr werde erforscht, wie eine Explosion im besten Falle verhindert oder zumindest die Folgen sehr gering gehalten werden können, damit niemand zu Schaden kommt. „Falls doch einmal ein Gegenstand bei Versuchen explodieren sollte, sind unsere Mitarbeiter vor den Folgen der Explosionen sicher“.

Überseecontainer und Geldautomaten getestet

Testobjekte auf dem Sprengplatz waren beispielsweise Überseecontainer und Geldautomaten. „Was ein 40-Fuß-Seecontainer mitten im brandenburgischen Kiefernwald macht? Wir untersuchen seine Klimaanlage und ob sie unter bestimmten Umständen ein explosionsfähiges Klima im Inneren erzeugen kann“, so der promovierte Chemiker Holtappels. Hintergrund sei, dass überall auf der Welt dringend neue umweltfreundliche Kühlflüssigkeiten gesucht werden. „Deshalb haben wir solche Stahlcontainer hierher schaffen lassen und Gasfreisetzungen simuliert.“ Im finalen Worst-Case-Szenario – dem ungünstigsten, anzunehmenden Fall – wurden die entstandenen Gasgemische auch gezündet. Allerdings wäre in dieser kritischen Situation nichts außergewöhnliches passiert, so Holtappels. Befürchtungen, die Container könnten bei der Explosion zerlegt werden, hätten sich nicht bestätigt. Die Container hätten nur ihr Volumen verdoppelt. Beide Türen seien aufgegangen und der Druck nach draußen abgeleitet worden. „Aber der Container selbst blieb intakt.“

Angelika Scharlau, Referatsleiterin Bauten, und Kai Holtappels, Fachbereichsleiter Konstruktiver Brand- und Explosionsschutz Gase auf dem BAM-Tes

Angelika Scharlau, Referatsleiterin Bauten, und Kai Holtappels, Fachbereichsleiter Konstruktiver Brand- und Explosionsschutz Gase auf dem BAM-Testgelände Horstwalde

Quelle: Frank Pechhold

Mit Geldautomaten beschäftigen sich Holtappels und sein Team in letzter Zeit immer wieder. „Kriminelle sprengen diese Automaten, indem sie Schweißgas einleiten und zünden“, so Holtappels. Deshalb bemühe man sich gemeinsam mit Herstellern von Automaten und Schutzsystemen sowie der Polizei darum, Wege zum besseren Schutz aufzuzeigen und die sichere Nutzung der Automaten für die Öffentlichkeit zu gewährleisten.

Von Frank Pechhold

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