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Teltow-Fläming Wo Obdachlose bei dieser Kälte unterkommen
Lokales Teltow-Fläming Wo Obdachlose bei dieser Kälte unterkommen
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00:31 05.03.2018
Jeannette Stürze (M.) ist Sozialarbeiterin in der Tee- und Wärmestube Königs Wusterhausen. Quelle: Oliver Fischer
Dahmeland-Fläming

In der Tee- und Wärmestube in Königs Wusterhausen sitzt ein älterer Mann an der Heizung, schaut ins Leere und sagt nichts.

Es ist Mittwoch, 13.30 Uhr, in einer halben Stunden schließt das Haus, dann muss er wieder raus in die Kälte, das weiß er. Aber so lange will er noch bleiben, sich Hände und Füße aufwärmen, sich ausruhen für das, was ihn danach erwartet.

Sein Alter ist schwer zu schätzen, sicher über 60, er sieht gebrechlich aus und durchgefroren. Seine Habseligkeiten stehen neben ihm. Ein Rollator, ein Stoffbeutel, eine Winterjacke. Das scheint alles zu sein, was er hat.

Er mag nicht reden, schon gar nicht mit Fremden. Was sollte er auch sagen. Er ist obdachlos, auf Hilfe angewiesen, mit so einer Geschichte prahlt niemand.

Das Thermometer sinkt unter zehn Grad minus

Aber die Mitarbeiter in der Tee- und Wärmestube kennen ihn, er ist Stammgast, wie so viele, die sich in der flachen Baracke in der Maxim-Gorki-Straße blicken lassen.

„Jetzt, wo es so kalt ist, kommt er gleich morgens. Sobald wir öffnen, setzt er sich an die Heizung und wärmt sich auf, so lange es geht“, sagt Jeannette Stürze, Sozialarbeiterin und einzige Festangestellte in der Einrichtung.

Durch das Fenster scheint die Sonne direkt in den Essensraum. Man sieht ein Stück blauen Himmel und Reif auf den Zweigen. Es sind Temperaturen knapp unter null draußen, und wärmer wird es vorerst auch nicht mehr.

In der Nacht soll es Minus zwölf Grad gewesen sein, bis mindestens Sonntag hat der Wetterbericht auch arktische Nachttemperaturen angekündigt. Bei zehn Grad unter null bibbern schon Menschen in schlecht gedämmten Häusern. Wer gar keine Bleibe hat, für den sind solche Minusgrade nicht nur hart, sondern lebensgefährlich.

Kommentare überschlagen sich

Das Thema bewegt deshalb viele. In einer Eichwalder Facebook-Gruppe überschlugen sich am Donnerstag die besorgten Kommentare, weil der ortsbekannte Obdachlose einen Tag lang nicht gesichtet wurde. Auch in anderen Gemeinden zeigen sich die Menschen hilfsbereit und mitfühlend. Allein fünf Ehrenamtler unterstützen die Tee- und Wärmestube in Königs Wusterhausen regelmäßig.

Natürlich ist Obdachlosigkeit in der Region Dahmeland-Fläming kein Massenphänomen wie in Berlin. Die Gemeinden im Umland haben entweder mit ortsbekannten Einzelfällen zu tun, die sie wie in Eichwalde je nach Bedarf betreuen, oder mit wenigen Betroffenen, die das öffentliche Verkehrsnetz aus der Hauptstadt ins Umland spült.

Wie viele Obdachlose in diesen Tagen auf der Suche nach einem warmen Plätzchen durch die Region streifen, weiß niemand so genau. Jeannette Stürze kann nicht einmal beziffern, wie viele unter den gut 30 Leuten sind, die regelmäßig ihre Einrichtung frequentieren, die mit kostenlosem Tee und für ein paar Cent auch mit Essen versorgt werden.

Besucher bleiben anonym

Das Publikum in der Sozialbaracke ist anonym. Die Menschen reden zwar miteinander, sie können ihr Herz auch den Sozialarbeitern oder einer Pfarrerin ausschütten – aber niemand muss sich offenbaren, wenn er nicht will. „Wir wissen derzeit von drei Obdachlosen, die zu uns kommen. Es könnten aber auch mehr sein“, sagt Jeannette Stürze.

Einer davon kommt allerdings nur selten. Er lebe mit seinem Hund irgendwo im Wald und scheint dort glücklich zu sein, erzählt Jeannette Stürze. In die Stadt komme er nur, um sich sein Hartz IV vom Jobcenter zu holen oder – wie zuletzt – einen dickeren Schlafsack aus der Kleiderkammer zu erbitten.

Die anderen beiden – darunter der alte Mann – sind wohl Berliner. Sie, kaufen sich morgens für 7,70 Euro ein Tagesticket, fahren dann den ganzen Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt und suchen sich abends ein Plätzchen zum Schlafen.

Da bieten sich derzeit eigentlich die Obdachlosenunterkünfte an, die es in den meisten Kommunen gibt. Aber sie seien – auch das sagt Jeannette Stürze – bei den Obdachlosen eher unbeliebt.

Obdachlose haben Angst vor Unterkünften

„Dort verbringen sie die Nacht mit Unbekannten und es gibt keine Aufsicht. Sie haben Angst, dass ihnen dort etwas passiert.“ Das könnte ein Grund sein, weshalb viele Angebote für Obdachlose auch in den bitterkalten Nächten nicht ausgelastet sind.

Von den fünf Betten der Ludwigsfelder Unterkunft etwa sind derzeit nur zwei belegt. Aus Königs Wusterhausen heißt es, dass nicht mehr Menschen unterkommen wollen als sonst. Auch in Blankenfelde-Mahlow ist es ruhig. „Zu uns fährt kein Obdachloser raus, von dem wir wüssten“, sagt Hauptamtsleiterin Katharina Schiller.

Den alten Mann zieht es auch nicht in die örtliche Obdachlosenunterkunft. Er übernachte derzeit am Schönefelder Flughafen, erzählt Jeannette Stürze. Der Flughafen läuft im 24-Stunden-Betrieb, die Mitarbeiter sind so freundlich und lassen die Obdachlosen gewähren. Sie bekommen nicht viel, aber ein Dach, ein geheizter Raum, ein Boden zum Schlafen sind in diesen Nächten schon eine Menge wert.

Inzwischen ist es kurz vor zwei. Der alte Mann erhebt sich, stützt sich auf seinen Rollator und schlurft hinaus. „Na, wieder ins Kalte?“, fragt jemand. „Naja, ich geh ja gleich in die S-Bahn“, antwortet er.

Am folgenden Tag wird die Wärmestube geschlossen sein. Die Diakonie kann als Träger nur eine halbe Stelle bezahlen, und damit kann man eine Einrichtung nicht täglich öffnen. Aber am Freitag wird Jeannette Stürze wieder dort sein. Sie wird um 10 Uhr die Türen aufschließen, und dann wird der alte Mann wieder kommen. So Gott will.

Von Oliver Fischer

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