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Wölfe im Liebesrausch

Wölfe in Teltow-Fläming Wölfe im Liebesrausch

Autofahrer sollten in diesen Tagen besonders vorsichtig sein – denn bei den Wölfen in der Region ist Paarungszeit. Auf der Suche nach dem geeigneten Partner legen die Tiere kilometerweite Strecken zurück. Gefahr droht ihnen vor allem an befahrenen Straßen. Wie aktiv das Wolfsrudel bei Jüterbog derzeit ist, verrät Wolfsbeobachter Andreas Hauffe.

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Eine Wildkamera hat das Jüterboger Rudel im Sommer 2015 per Selbstauslöser fotografiert. Wölfe sind scheu, doch während der Paarungszeit queren sie auch befahrene Straßen.

Quelle: Stiftung Naturlandschaften

Jüterbog. Fast sieben Jahre ist es her, dass Andreas Hauffe zum ersten Mal einem Wolf in freier Natur begegnete – wobei „Begegnung“ eigentlich zu viel gesagt ist. Es war vielmehr ein Schnappschuss, der dem damaligen Naturwächter im Naturpark Nuthe-Nieplitz am 18. März 2009 um die Mittagszeit in der Nähe von Bardenitz bei Treuenbrietzen gelang.

Wolf Karl sorgte 2009 für Schlagzeilen

„Ich war gerade damit beschäftigt, Robinienpfähle auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog West zu transportieren, als mich mein Kollege anrief und sagte, dass er eben zwei Wölfe gesehen hat“, erinnert sich Hauffe. Er fuhr damals los und nur wenige Minuten später sah er die Tiere nahe der Landstraße nach Kemnitz und fotografierte sie. Wegen des Halsbands, das einer der beiden Wölfe trug, dachte Hauffe zunächst, es sei ein wildernder Hund. Später stellte sich heraus, dass es sich um „Karl“ aus Sachsen handelte. Der mit einem Sender versehene Wolf, der damals über die Grenzen Brandenburgs hinaus für Schlagzeilen sorgte, hatte sich schon zeitig von seinen Eltern getrennt und war von der Muskauer Heide bis kurz vor die Tore Berlins nach Treuenbrietzen gewandert – 150 Kilometer Luftlinie. Drei Tage hielt er sich bei Jüterbog auf, bis er die Gegend wieder verließ.

Wolfsfamilie fand bei Jüterbog neues Zuhause

Mittlerweile ist der ehemalige Truppenübungsplatz Jüterbog zur Heimat für ein Wolfsrudel geworden. Acht Wölfe leben aktuell auf dem 7200 Hektar großen Gelände zwischen Jüterbog und Luckenwalde, das im Norden an die Ortsteile Felgentreu und Frankenförde (Nuthe-Urstromtal) grenzt.

Die Fläche ist seit den 2000er Jahren im Besitz der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Als Liegenschaftsbeauftragter ist Andreas Hauffe dort seit 2012 für das Wolfsmonitoring zuständig – mit dem Ziel, die räumliche Ausbreitung und das Abwanderungsverhalten der Wölfe zu untersuchen. Hauffe beobachtet die Tiere, sucht nach Wolfsspuren und sogenannten Losungen – denn durch genetische Untersuchungen des Wolfskots können die niedergelassenen Tiere bestimmt werden. „Im vergangenen Jahr kamen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz fünf Jungtiere zur Welt“, berichtet Hauffe. Erste Aufnahmen der Welpen gelangen ihm im Sommer mit einer selbstauslösenden Wildkamera. Waren die Jungtiere kurz nach ihrer Geburt im Frühjahr 2015 noch völlig hilflos, so streifen sie in diesem Winter oft schon allein im elterlichen Revier umher und sind dabei auch stärker gefährdet.

Auf vier Rudel verteilt:

7 Jahre nach dem ersten Foto des Wolfsrüden Karl, der sich 2009 mehrere Tage auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog aufhielt, dürften in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald mittlerweile an die 20 Tiere leben.

8 Wölfe sind derzeit auf der Fläche der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg zwischen Jüterbog und Luckenwalde beheimatet. Davon werden drei Tiere seit Kurzem regelmäßig auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Heidehof, südöstlich von Luckenwalde, gesichtet. Ein Wolfsrudel lebt in der Lieberoser Heide. Weitere Tiere werden zudem auf dem früheren Militärflugplatz in Sperenberg sowie in Baruth vermutet.

Zum Tag des Wolfes am 30. April bietet die Stiftung Naturlandschaften einen Vortrag rund um den Wolf mit anschließender Exkursion an. Treffpunkt ist in der Bibliothek Luckenwalde, Bahnhofsplatz 5, 10 Uhr. Anmeldung erforderlich unter Tel. 0 33 72/4 40 73 50 oder per E-Mail: hauffe@stiftung-nlb.de

Das gilt vor allem für die geschlechtsreifen Tiere, die bereits im Vorjahr zur Welt gekommen sind – denn für sie beginnt ab Mitte Januar bis Ende Februar die „Vorranz“. Auf der Suche nach einem geeigneten Partner legen die Tiere in einer Nacht bis zu 70 Kilometer zurück. „Damit steigt auch die Unfallgefahr“, warnt deshalb der Landesjagdverband Brandenburg. „Gerade jetzt ist das plötzliche Auftauchen eines Wolfes an fast jedem Ort in Brandenburg möglich. Auch wenn gesunde Wölfe in der Regel die unmittelbare Nähe zu Menschen meiden, ist alles zu unterlassen, was diese als Anfüttern verstehen könnten. Bei direktem Wolfskontakt rate ich Spaziergängern, sich bemerkbar zu machen und nicht in Panik zu verfallen. Hunde sollten zu deren Sicherheit angeleint bleiben“, sagte Robert Franck, Wolfsbeauftragter des Landesjagdverbandes.

In der Paarungszeit begeben sich Wölfe auf die Wanderung

Nach jetzigem Stand haben sich in Brandenburg elf Wolfsrudel, ein Paar sowie zwei einzelne Tiere niedergelassen. Ein Rudel besteht jeweils aus dem Elternpaar, den Welpen und den Jährlingen aus dem Vorjahr. Die Größe des Rudels schwankt im Jahresverlauf zwischen fünf und zehn Wölfen.

Auch die Jährlinge auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog sind derzeit aktiv. Das zeigen die Fährten, die Hauffe nahezu täglich bei seinen Kontrollfahrten durch das Naturschutzgebiet findet. Besonders im Januar, als noch Schnee lag, konnte er anhand der Spuren nachvollziehen, wie sich die Wölfe im Gelände bewegten. „Wolfsautobahnen“ nennt Andreas Hauffe die meterlangen hinterlassenen Trittsiegel des Jüterboger Rudels.

Getroffen hat er die Tiere bislang dennoch selten. Auf gerade mal sieben Begegnungen mit dem Wolf kommt der Naturwächter seit 2009. „Die Tiere sind sehr scheu und verschwinden in Sekunden“, sagt Hauffe. Dennoch sollten vor allem Autofahrer aktuell besonders vorsichtig sein. Denn auf der Suche nach einer läufigen Fähe entwickeln männliche Wölfe einen ausgeprägten Wandertrieb. Sie können dabei auch in bislang als wolfsfrei geltende Gebiete vordringen und überqueren selbst stark befahrene Straßen. So kamen im vergangenen Jahr acht Wölfe bei Verkehrsunfällen in Brandenburg ums Leben.

Weitere Infos: Wer einen verletzten oder überfahrenen Wolf findet, sollte dies der Polizei melden. Beobachtungen im Raum Jüterbog und Luckenwalde können bei der Stiftung Naturlandschaften unter  01 60/94 71 48 45 sowie per E-Mail: hauffe@stiftung-nlb.de gemeldet werden.

Von Josefine Sack

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