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Wohnen im Wasserturm

Jüterbog II Wohnen im Wasserturm

Ein Wasserturm in Jüterbog wird von der Deutschen Bahn versteigert. Bei einer Vorbesichtigung fantasierten die Kaufinteressenten über die künftige Nutzung. Während manche vor allem an dem großen Grundstück mit einem alten Wohnhaus interessiert sind, würde ein Jüterboger am liebsten nur den Turm erwerben – und sich dann in dem Achteck einrichten.

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Michael Schoppe aus Jüterbog träumt seit Jahren davon, sich im Turm eine Wohnung einzurichten.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Kreativität ist gefragt, wenn man sich eine neue Nutzung für den etwa acht Meter breiten und zwölf Meter hohen Wasserturm in der Lindenstraße in Jüterbog II vorstellen soll. Zur ersten Besichtigung vor der geplanten Versteigerung des Objekts in zwei Wochen kamen am Freitag neun Interessenten und warfen einen Blick in das achteckige Gebäude. „Das Auktionshaus Karhausen und die Deutsche Bahn als Eigentümer übernehmen keine Haftung, sie betreten alles auf eigene Gefahr“, stellte Uwe Leißner vom Auktionshaus gleich zu Beginn klar.

Dann konnte man sich seinen Weg über das zugewachsene, rund 4500 Quadratmeter große Grundstück bahnen, auf dem neben Büschen und Bäumen gefährliche Kabel, Metallreste, Autoreifen, sowie die Reste eines russischen Spielplatzes zu finden sind. Als Munitionsverdachtsfläche gilt das Areal wegen seiner Geschichte ebenfalls, wie Bauamtsleiterin Kiras Wenngatz bestätigt, die ebenfalls einen Blick in das ungewöhnliche Objekt werfen wollte.

Uwe Leißner (l) vom Auktionshaus schloss den Interessenten wie Frank Hildebrandt den Wasserturm und das Wohnhaus auf

Uwe Leißner (l.) vom Auktionshaus schloss den Interessenten wie Frank Hildebrandt den Wasserturm und das Wohnhaus auf.

Quelle: Peter Degener

Vom großen Wohnhaus, das zuletzt von russischen Offizieren mit ihren Familien genutzt worden war und seit einem Vierteljahrhundert verfällt, zeigten sich die meisten Besucher enttäuscht. Allein der Abriss könne 100 000 Euro kosten, eine Sanierung leicht das Zehnfache. Für manche Bieter war gerade dieses Haus aus der Zeit um 1920 der Grund für den Weg nach Jüterbog und der Turm nur eine kleine Zugabe. Doch der kleine, denkmalgeschützte Bau regte trotz alledem die Fantasie an.

„Ich hab schon mal ein Trafohaus in eine Galerie und ein Bahnstromwerk in eine Sauna und ein Restaurant umgebaut. In dem Turm kann ich mir ein kleines Café vorstellen“, sagte der Bauplaner Andreas Orlowski aus Ludwigsfelde.

„Es wäre viel Arbeit, aber ein Atelier oder eine Ferienwohnung könnte man dort realisieren“, findet Frank Hildebrandt, der aus dem Landkreis Barnim angereist war. Er hat schon vor Jahren den Bahnhof Ahrensfelde-Blumberg gekauft und dort eine Touristeninformation und einen Verleih von Elektrofahrzeugen etabliert. Handwerkliches Geschick, aber eben auch Geld brauche man für solche Projekte. „Damals konnte man noch direkt von der Bahn kaufen, heute haben sie Auktionshäuser dazwischen geschaltet, um den Preis in die Höhe zu treiben“, sagt er.

Neben Müll finden sich auch die Reste eines russischen Spielplatzes

Neben Müll finden sich auch die Reste eines russischen Spielplatzes.

Quelle: Peter Degener

Auch Michael Schoppe ist zu der Besichtigung gekommen. Ihn interessieren das große Grundstück und das alte Wohnhaus gar nicht – er würde am liebsten nur den Turm erwerben. „Ich bin in Jüterbog II aufgewachsen und habe hier schon vor Jahrzehnten mit den russischen Kindern gespielt“, erzählt der 52-Jährige. Schon vor zehn Jahren hatte er die Deutsche Bahn angesprochen, was aus dem Turm werde und ob sie ihn verkaufen würden. „Da hieß auf meine Anfragen immer nur, dass noch nichts vorliege“, berichtet er.

Bedeutung als Denkmal

Der Wasserturm an der Lindenstraße ist ein eingetragenes Denkmal und laut Landesamt für Denkmalpflege nicht erst um 1915, sondern schon um das Jahr 1900 errichtet worden.

Er ist ein Zeugnis für den Ausbau der Jüterboger Bahnanlagen und hat baugeschichtliche Bedeutung, weil die Bahn-Wassertürme zu den ersten Wassertürmen überhaupt gehören.

Seitdem sind Bahnimmobilien häufig versteigert worden, oft aber auch immer weiter verfallen. „Der Turm sieht noch super aus. Ich würde da gern drin wohnen“, sagt Schoppe. Wo einst der Stahlkessel auflag, würde er einen Zwischenboden einziehen. „Unten wäre das Schlafzimmer und oben mein Wohnzimmer mit einer offenen, amerikanischen Küche“, erklärt Schoppe. Ins Dach würde er weitere Fenster einbauen, um den Raum besser zu belichten. Der Kraftfahrer weiß, was auf ihn zukäme – er hat bereits ein Denkmal in der Zinnaer Vorstadt in Jüterbog saniert und bringt das handwerkliche Geschick mit. Für das gesamte Areal fehlt ihm das Geld – er hofft daher auf einen Käufer, der kein Interesse am Turm hat und das potenzielle Schmuckstück anschließend an ihn weiter verkauft.

Von Peter Degener

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