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Wohnung für Flüchtling ein Sechser im Lotto

Flüchtling aus Großbeeren Wohnung für Flüchtling ein Sechser im Lotto

Der Syrer Firas Alissa Alyounis aus dem Asylheim Großbeeren bekommt dank seiner Helfer eine erste Wohnung. Auf eigene Initiative kann er nach elf Monaten Deutsch, lässt seinen Schulabschluss anerkennen, will sein Ingenieur-Studium fortsetzen, lernt Gitarre zu spielen. Doch kein Vermieter redet über solche Wohnungsvergabe – wegen des Neids deutscher Wohnungssuchender.

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Firas Alissa Alyounis (22 Jahre) kommt aus Syrien, spricht nach elf Monaten Deutsch und lernt jetzt Gitarre zu spielen.

Quelle: Jutta Abromeit

Großbeeren . Der Syrer Firas Alissa Alyounis schaut Barbara Matthies vom Verein Flüchtlingshilfe Großbeeren an und lacht. Dann erzählt er von seinem Glück, eine Wohnung bekommen zu haben: „Barbara und ihr Mann kamen und sagten ,Hier, noch ein Papier, du musst unterschreiben.’“

Weil er in seinen elf Monaten im Übergangswohnheim am Echtermeyer-Weg gefühlt schon tausend Papiere unterschrieb, wunderte ihn dieses nicht. Und auch hatte er gelernt, dass es trotz langer Wartezeit manchmal plötzlich schnell gehen muss. Doch bei dem Schreiben, das er in der Hand hält, brechen alle Dämme. Es ist ein Mietvertrag. Er kann in Ludwigsfelde eine 1-Raum-Wohnung beziehen, nächste Woche bekommt er den Schlüssel. Dann wird er die Räume ausmessen, dann kann er sich drum kümmern, wie er sein neues Leben dort ohne viel Geld einrichtet.

Hintergrund

Seit dem 22. Dezember 2014 leben im Übergangswohnheim Großbeeren 40 Flüchtlinge und Asylsuchende.

Im August wurde der Vertrag zwischen Gemeinde und Kreis um die 62 weiteren Plätze erweitert, die inzwischen nötig waren.

Jetzt kommen zu den 102 Menschen, die bereits in dem Heim leben noch einmal 62 Flüchtlinge hinzu.

Noch immer weiß der 22-Jährige nicht recht, wie er sich freuen soll. Doch die Augen mit den dunklen Ringen darunter – sie strahlen. Sie strahlen Barbara Matthies an, die Sozialarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde. Auch ein Fremder spürt: Da ist ein Mensch nach unendlichen Fußmärschen um die halbe Welt einfach nur froh, sichtlich erleichtert.

Am 22. Dezember 2014 kam der Syrer mit den ersten Flüchtlingen in Großbeeren an. Da hatte er nach vier Monaten in der Türkei einen Fußmarsch nach Griechenland hinter sich. Nach vier Tagen im Wald und sieben in einem Heim bekam er ein sechsmonatiges Bleiberecht. Doch es trieb ihn weiter. Ein Fußmarsch nach Mazedonien, eine Autofahrt nach Serbien, Fußwege an Landesgrenzen entlang, immer wieder Polizeikontrollen, einen Tag Gefängnis, einen Tag Budapest, eine Autofahrt nach München. „Der 23.9.2014 war mein erster Tag in Deutschland“, erzählt Firas Alissa Alyounis über seine Flucht vor dem Krieg. Sechs Schwestern und drei Brüder leben in der Türkei, die Eltern in Syrien. Sie wollen in den Libanon.

40 Tage wartet der junge Mann in München, ohne Geld, ohne Wechselkleidung. „40 Tage ist meine Nummer nicht gekommen“, erzählt er über die Registrierung der Flüchtlinge in der bayrischen Hauptstadt. Am 4.November wird seine Nummer zur Weiterfahrt in ein Aufnahmelager aufgerufen. Es geht für ihn nach Eisenhüttenstadt, 16 Tage später nach Frankfurt/Oder, dann nach Schönefeld. In Großbeeren bezieht er mit zwei anderen Flüchtlingen ein Zimmer. Zu dritt lernen sie Deutsch. Der ehemalige Ingenieurstudent Alissa Alyounis stellt nun seine Anträge fast allein, fährt selbst zur Ausländerbehörde nach Luckenwalde, hilft anderen Asylsuchenden beim Übersetzen, will weiterstudieren und lernt gerade Gitarre spielen. „Ich habe wenig Zeit“, sagt er. Schließlich muss er sich ja um sein neues Zimmer kümmern. Sein neues Leben in Deutschland nimmt langsam Formen an – weit weg vom Kriegin seiner Heimat Syrien.

Von Jutta Abromeit

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