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Wolf schlägt zu: Schafe und Hirsche tot

Saalow und Telz Wolf schlägt zu: Schafe und Hirsche tot

Unter den Landwirten in Dahmeland-Fläming geht die Angst um. In den vergangenen Tagen haben Wölfe mehrere Tiere gerissen. In Saalow kamen in der Nacht zu Mittwoch drei Schafe zu Tode, in Telz wurden neun Damhirsche getötet. Offenbar dringen die Wölfe immer weiter nach Norden vor. Beim Landesumweltamt gibt man zu, dass es bei der Entschädigung hakt.

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Viola Timm entdeckte die toten Schafe am Mittwochmorgen auf der Weide bei Saalow.

Quelle: Christian Zielke

Saalow/Telz. Kolkraben sind ein schlechtes Omen. Als Viola Timm am Mittwochmorgen auf der Weide bei Saalow nach den Schafen sah, fielen ihr sofort die Vögel mit der Vorliebe für Aas auf. Kurz darauf sah sie, worüber sich die Raben hergemacht haben: Drei tote Schafe lagen im Gras.

Arno Küster, der zuständige Jagdpächter, bestätigt den Verdacht: „Das waren Wölfe.“ Bissspuren an den Kehlen der Schafe und Schleifspuren auf dem Gras seien typisch für Wolfsangriffe. Für Schäfer Dirk Hoffmann, dem die Herde mit mehr als 600 Tieren gehört, ist es der dritte Verlust in diesem Jahr. Im Februar schlug der Wolf bei Kummersdorf zu, im März in Gadsdorf. „Wir hatten den ganzen Sommer Ruhe“, sagt er. Zum Glück seien die Tiere nicht trächtig gewesen. Durch die Aufregung wären vermutlich viele ungeborene Lämmer tot auf die Welt gekommen – ein Schaden, den ihm niemand ersetzt. Auch den jetzigen Vorfall will er nicht melden, er verzichtet auf die mögliche Entschädigung. „Bringt doch sowieso nichts, außerdem dauert es lange, bis das Geld da ist“, ärgert sich Dirk Hoffmann.

Landwirt Friedrich Briesenick  mit den Überresten seiner Damhirsche

Landwirt Friedrich Briesenick mit den Überresten seiner Damhirsche.

Quelle: Christian Zielke

Thomas Frey vom Umweltamt des Landes Brandenburg bestätigt, dass es in der Vergangenheit Probleme mit der Auszahlung der Entschädigungen für vom Wolf gerissene Nutztiere gab. „Da klemmt es leider. Ich kann verstehen, dass die Leute die Geduld verlieren“, sagt er. Dennoch ermutigt er die Landwirte, jeden Vorfall zu melden. „Niemand hat etwas zu verschenken“, so Frey. In der Regel sei innerhalb von 24 Stunden nachdem ein Wolfsangriff gemeldet wurde, ein Sachverständiger des Landes vor Ort, um den Schaden zu begutachten. In Dahme

Offenbar breiten sich die Wölfe, die einst aus Polen kamen, in Richtung Norden aus, wie das Beispiel von Landwirt Friedrich Briesenick aus Telz zeigt. Neun Damhirsche sind dem 64-Jährigen am Wochenende abhanden gekommen. Nur ein paar Knochen und Fellfetzen sind übrig geblieben. Die verbleibenden elf Tiere im Gehege sind seitdem verstört. „Vorher konnte man sie mit der Hand füttern“, sagt Briesenick.

Wölfe haben die Tiere zu Tode gehetzt

Die Spuren an den Zäunen und am Boden deuten darauf hin, dass die Wölfe die Tiere in ihrem fünf Hektar großen Gehege regelrecht zu Tode gehetzt haben. „Bis zu uns werden die Wölfe sich schon nicht trauen, habe ich immer gedacht“, sagt Briesenick. Sein Tierarzt Ralf-Roger Kupsch sieht den Vorfall mit Sorge. „Die Wölfe verlieren immer mehr den Respekt vor dem Menschen. Der Kontakt zu Nutzieren und zum Menschen wird immer wahrscheinlicher“, sagt er. Er rät Spaziergängern im Wald, auf ihre Hunde zu achten.

Bei einer Vermehrungsrate von 30 Prozent breitet sich der Wolf immer weiter in Brandenburg aus. Die Tiere legen in einer Nacht bis zu 70 Kilometer zurück. „Ich finde es gut, dass wir den Wolf als Wildtier wieder bei uns haben“, sagt Kupsch, „aber fünf bis acht Rudel in ganz Deutschland reichen aus.“

Abschuss verboten: Wölfe unter Naturschutz

Mit dem Gewehr auf Wölfe schießen? Jäger Arno Küster, der für das Gebiet zwischen Saalow und Rehagen zuständig ist, würde das vermutlich nicht mal im Verteidigungsfall tun. Wölfe sind die am strengsten geschützten Tiere im Land. „Wenn ich einen Wolf erlege, bin ich meine Jagdlizenz los und muss wahrscheinlich sogar ins Gefängnis“, sagt er. Als Jäger dürfe er nicht einmal einen verletzten Wolf mit der Flinte von seinem Leid erlösen.

Küster ist kein schießwütiger Jäger, aber er kennt die Probleme der Landwirte, die jeden Morgen Angst haben, wenn sie auf die Weide kommen. „Die Politik hat gewollt, dass die Wölfe sich wieder bei uns ansiedeln, aber ich bin nicht sicher, ob man die Konsequenzen bedacht hat“, sagt er.

Wölfe in der Region

In Dahme-Spreewald hat der Wolf in diesem Jahr bisher sieben Mal zugeschlagen.

In Teltow-Fläming gab es 2016 bislang fünf Übergriffe auf Nutztiere, im Oktober in Ahrensdorf und Kliestow.

Wegen vieler Wald- und Ex-Militärflächen ist die Region bei Wölfen beliebt. Sie wurden bei Jüterbog, Sperenberg, Dobbrikow, Baruth, Märkisch Buchholz und Storkow gesichtet.

Eine Ausbreitung im berlinnahen Raum ist laut Landesumweltamt nicht zu befürchten, da sich die Wölfe dort durch den Menschen gestört fühlen.

Wo Wölfe einmal zugeschlagen haben, tun sie es wieder. Eine Weide voller eingesperrter Tiere ist wie eine Einladung. „Wölfe sind bequem. Warum ein Tier durch den Wald jagen, wenn man Dutzende haben kann“, so Küster. Er ist sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die ersten Wölfe die Autobahn überqueren und in Richtung Berlin wandern. Für Thomas Frey vom Landesumweltamt sind das allenfalls Einzelfälle: „Eine Ausbreitung innerhalb des Berliner Rings halte ich für nahezu ausgeschlossen.“

Die MAZ berichtete von Wolfsübergriffen:

Wölfe reißen fünf Schafe im Streichelzoo Glau

Hungrige Wölfe reißen sechs Ziegen in Kemnitz

Wölfe reißen Schafe und Ziegen in Kliestow

Wölfe töten deutlich häufiger in Brandenburg

Von Christian Zielke

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