Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Wolfssperma für die Tierforschung

Johannismühle Wolfssperma für die Tierforschung

Der Wildpark Johannismühle lässt seine Wölfe kastrieren. Einerseits will man eine weitere Vermehrung des Rudels vermeiden, andererseits ist die Forschung an der Operation interessiert. Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung testet, wie sich das Sperma der Wölfe einfrieren lässt.

Voriger Artikel
Kinderbilder bringen 560 Euro
Nächster Artikel
Unfallflucht: 17-Jährige von Opel erfasst

Der narkotisierte Polarwolf wird aus seinem Gehege getragen.

Quelle: Andreas Staindl

Johannismühle. Die geschlechtsreifen Wölfe im Wildpark Johannismühle können keinen Nachwuchs mehr zeugen. Sie wurden jetzt kastriert. Erst am Mittwochmorgen wurde einer der jungen Polarwölfe, Jahrgang 2016, unter wissenschaftlicher Begleitung „entmannt“.

Viel Geduld vor der Operation

Janina Radweinski hat ihm die Hoden entfernt. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin hatte mit ihrem Kollegen, dem Tierarzt Mark Gölkel einen erfahrenen Kollegen an ihrer Seite. Doch bevor sie das Skalpell ansetzen konnte, brauchten alle Beteiligten viel Geduld – ein Wolf legt sich schließlich nicht freiwillig auf den Operationstisch. Er musste zuvor narkotisiert werden.

Der narkotisierte Polarwolf wird für die OP vorbereitet

Der narkotisierte Polarwolf wird für die OP vorbereitet.

Quelle: Andreas Staindl

Klingt einfach, ist es jedoch nicht. Das Gehege, in dem die Polarwölfe leben, ist groß. Nathalie Brandt, für die Raubtiere im Wildpark zuständig, ging hinein. Die Wölfe kennen sie, haben Vertrauen zu ihr. Doch Futter hatte die Tierpflegerin diesmal nicht dabei. Sie und Janina Radweinski sollten den für die Kastration vorgesehenen Wolf zu Wildpark-Geschäftsführer Julian Dorsch und Mark Gölkel treiben. Die beiden Männer standen mit Narkosegewehren bereit.

Narkose-Jagd im Wolfsgehege

Schon nach wenigen Minuten fiel der erste Schuss. Doch auch wenn der Pfeil den Wolf getroffen hatte, ein Volltreffer war das nicht. Auch die nächsten Versuche scheiterten. Die Wölfe wurden vorsichtig, beobachteten genau, wohin sich die beiden Männer mit ihren Gewehren bewegten. Eine Stunde dauerte das Spiel; dann erwischte wieder ein Pfeil von Julian Dorsch den ausgewählten Wolf. Diesmal ein Volltreffer! Trotzdem streifte der Wolf noch minutenlang durchs Gehege. Er entkam den ersten Einfangversuchen, war schneller als seine Häscher. Irgendwann sackte er aber zusammen.

Schnelle Arbeit auf dem Operationstisch

Julian Dorsch und Mark Gölkel trugen den Polarwolf aus dem Gehege und transportierten ihn ins Gebäude mit dem vorbereiteten Operationstisch. Dort ging alles ganz schnell. Der Wolf lag kaum auf dem OP-Tisch, da legte ihm der Tierarzt einen Zugang in die Blutbahn und sicherte die künstliche Beatmung. Parallel dazu kontrollierte und protokollierte Nathalie Brandt die Vitalfunktionen des Tiers – Temperatur, Puls, Atmung.

Tierärztin Janina Radweinski entfernt einen Hoden des Wolfs

Tierärztin Janina Radweinski entfernt einen Hoden des Wolfs.

Quelle: Andreas Staindl

Annika Löffler rasierte inzwischen den Bereich um die Hoden des Wolfs. Die Barutherin ist Mitglied im Förderverein des Wildparks und unterstützte das Team in ihrer Freizeit bei der Kastration. Rund zwei Stunden nach dem ersten Schuss mit dem Narkosegewehr setzte Janina Radweinski das Skalpell an. Sie arbeitet sich vorsichtig voran, erhält dabei Tipps von Mark Gölkel. Nach einigen Minuten war der erste Hoden entfernt.

Wolfs-Sperma wird untersucht

Darauf wartete schon Robert Hermes. Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Reproduktionsmanagement des IZW entnahm dem Nebenhoden das Sperma – insgesamt ein bis zwei Milliliter pro Hoden. Die milchige Flüssigkeit schaute er sich unter dem Mikroskop an und befand: „Das Sperma ist super.“ Die Befruchtungsflüssigkeit wird für wissenschaftliche Zwecke eingefroren und später für Tests portionsweise entnommen.

Robert Hermes schaut sich das Sperma unter dem Mikroskop an

Robert Hermes schaut sich das Sperma unter dem Mikroskop an.

Quelle: Andreas Staindl

Das Institut für Zoo-und Wildtierforschung leistet damit einen Beitrag zum Erhalt seltener Tiere. „Wir wollen lernen, wie man Sperma von Wölfen langfristig so aufbewahrt, dass man es später wieder problemlos verwenden kann“, erklärte Robert Hermes, „bisher gibt es kaum Erfahrungen damit. Unsere Erkenntnisse kommen gefährdeten Wölfen weltweit zugute.“ Er ist deshalb froh, dass die Kastrationen in Johannismühle mit den wissenschaftlichen Tests verbunden werden konnte.

Wildpark will Rudel-Vergrößerung vermeiden

Für den Wildpark selbst habe die Entfernung der Hoden einen ganz praktischen Grund, sagte Julian Dorsch: „Wir wollen nicht, dass sich unsere Wölfe weiter vermehren.“ Deshalb hat er auch den Rüden Aniuk sowie seinen Sohn Aniuki, den Wölfin Freya geworfen hatte, schon am vergangenen Freitag kastrieren lassen. Am Mittwoch kam Aniukis Bruder Aniu unters Messer. Den Grauwölfen Max und Moritz stand dieselbe Operation noch bevor.

Im nächsten Jahr werden einem weiteren Polarwolf (Jahrgang 2017) die Hoden entfernt wie der Geschäftsführer sagt. Sieben Polarwölfe leben derzeit im Gehege im Wildpark Johannismühle.

Von Andreas Staindl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg