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Teltow-Fläming Wunderbar langer Lebensweg
Lokales Teltow-Fläming Wunderbar langer Lebensweg
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00:19 22.12.2015
Jubilar Heinz Kynast und seine Tochter Brigitte Hölzer freuen sich auf viele Gäste und Glückwünsche zur großen Geburtstagsfeier. Quelle: Frank Pechhold
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Zossen


Heinz Kynast liebt das Leben. Heute feiert der Zossener Friseurmeister seinen 100. Geburtstag. Weil sich vormittags daheim und später in der Gaststätte „Weißer Schwan“ viele Gäste angesagt haben, fällt seine tägliche Wanderung ausnahmsweise aus.

Aber schon Sonntag will er sich wie gewohnt nach dem Frühstück auf den Weg machen. Dann wandert Kynast in die Innenstadt oder am Nottekanal entlang. Egal wie das Wetter ist. Auf jeden Fall mit einem Lied auf den Lippen. „Wandern, singen und frohen Mutes sein – das hält mich jung. Und darum möchte ich so lange wie es geht ohne Schmerzen wandern.“ Das ist Kynasts einziger Wunsch nach einem bewegten Leben.

„Eigentlich sollte ich Bäcker werden“, so der gebürtige Schlesier. Handwerk ernährt seinen Meister auch in schlechten Zeiten, mögen sich seine Eltern gedacht haben. Trotzdem erfüllte er ihren Berufswunsch nicht, setzte seinen Willen durch und wurde Friseur. Unmittelbar nach der Lehre wurde er zur Kavallerie eingezogen, mit Beginn des Zweiten Weltkrieges in den Polen-Feldzug, nach Frankreich und an die Front geschickt. „Elfeinhalb Jahre war ich Soldat.“ In Afrika fuhr Kynast mit einem Panzer auf eine Mine. Schwer verletzt kam er ins Lazarett nach Innsbruck. Dort wollten sie ihm das linke Bein abnehmen. „Kommt nicht infrage“, stemmte er sich mit Händen und Füßen erfolgreich gegen die Entscheidung der Ärzte.

Leidlich genesen, wurde er 1943 zur Heeresversuchsanstalt nach Wünsdorf abkommandiert. Gleich beim ersten Ausgang lernte er seine Ingeburg, „eine rassige, schlanke und hoch gewachsene Frau“, kennen. „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Kurz nach der Heirat wurde Kynast nach Goslar versetzt. Als er an der elterlichen Wohnung seiner Frau in der Zossener Stubenrauchstraße klingelte, um sie mitzunehmen, öffnete niemand. „Meine Schwiegermutter hat Ingeburg einfach eingeschlossen.“ Also griff das junge Paar zu einer List. Ingeburg Kynast stieg heimlich aus dem Fenster und versteckte sich bei einem Onkel ihres Mannes in Dabendorf. Acht Tage später brachte sie ein guter Freund mit dem Auto nach Goslar. Fortan verloren sich Ingeburg und Heinz Kynast nie mehr aus den Augen.

Nach dem Krieg konnte Kynast endlich den Friseurberuf ausüben. Mehr als ein Jahr lang schor er bei den in Wünsdorf stationierten Russen Soldatenköpfe kahl. Bereits im Herbst 1946 machte er seinen ersten Laden auf. Schließlich zog er 1961 in das eigene Haus in der Zossener Bahnhofstraße 25 und eröffnete dort einen Friseursalon mit bis zu zwölf Angestellten. Bei Wettbewerben im Schaufrisieren räumte Kynast regelmäßig Meistertitel im Altkreis Zossen ab. „Da hatte ich gegenüber meinen Berufskollegen einen großen Vorteil.“ Von Fritz Welsch, dem Trainer der Friseur-DDR-Nationalmannschaft, borgte er sich vor den Wettbewerben Fachzeitschriften aus dem Westen aus. So wusste Kynast immer, welche Frisuren angesagt sind und wie man sie auf die Köpfe der weiblichen Modelle zaubert.

Wenn Kynast mit ehemaligen Lehrlingen wie dem Sperenberger Friseurmeister Walter Lehmann telefoniert, dann wird er oft scherzhaft gefragt: „Was? Du lebst immer noch!“ Auf sein langes Leben stößt der Jubilar an seinem 100. Geburtstag auch mit seiner Frau an. „Wir holen Ingeburg zu der Feier ab.“ Die 93-Jährige wird im Evangelischen Seniorenzentrum „Dietrich Bonnhoefer“ betreut. Dort besucht sie Kynast mehrmals in der Woche, um mit ihr zu reden und zu singen. „Geistig ist sie noch wunderbar drauf.“

Von Frank Pechhold

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