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Zehn Jahre Förderverein Jakobikirche

Luckenwalde Zehn Jahre Förderverein Jakobikirche

Vor zehn Jahren wurde der Förderverein zum Erhalt der Jakobikirche in Luckenwalde gegründet. Das wird am Samstag mit einem Jubiläumskonzert gefeiert. Seit Ende 2006 gelang es den inzwischen 50 Mitgliedern, mehr als 800 000 Euro als Spenden, Eigenleistungen und Fördermitteln aufzubringen. Hinzu kam die von der Stadt bezahlten Turmsanierung.

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Im Herbst sieht man etwas mehr von der Jakobikirche.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Mit einem Jubiläumskonzert in doppelter Hinsicht feiert der Förderverein der Jakobikirche in Luckenwalde an diesem Samstag sein zehnjähriges Bestehen. Um 16 Uhr tritt der Solotrompeter Hannes Maczey in der Jakobikirche auf, begleitet von dem Organisten Andreas Kaiser. Hannes Maczey hat zwar nicht genau mitgezählt, aber nach 20 Konzertprogrammen seit 1995 und bis zu 50 Auftritten pro Jahr könnte es durchaus sein 1000. Konzert sein. Er wird auf seiner Piccolotrompete Werke von Händel, Bach und Vivaldi spielen.

Mitglieder im Sommer 2014

Mitglieder im Sommer 2014.

Quelle: privat

Sicher ist, dass der Förderverein den zehnten Jahrestag seiner Gründung feiern kann. Dazu lädt er vor dem Konzert bereits ab 15 Uhr zu Kaffee und Adventsgebäck ein. Auch nach dem Konzert soll gefeiert werden. So soll darauf zurückgeblickt werden, wie alles anfing.

Und am Anfang war das Wort. Oder besser die Predigt. Nämlich die von Wolfgang Huber, dem damaligen Landesbischof und Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz. Sozusagen vom höchsten deutschen Protestanten, der im April 2007 dem Förderverein seinen Segen gab und gutes Gelingen wünschte bei dem Vorhaben, den heruntergekommen Kirchenbau wieder in Schuss zu bringen.

Anschubförderung nicht erhalten

Diese moralische Unterstützung kurz nach der Vereinsgründung am 27. November 2006, ersetzte zwar nicht die erhofften 2500 Euro, die die evangelische Kirche für neugegründete Kirchenfördervereine ausgeschrieben hatte, und die dem Luckenwalder Verein trotz Antrag nicht zugesprochen wurden, dafür fühlte man sich aber nach dieser Fürsprache von (fast) höchster Stelle zusätzlich motiviert. „Bischof Huber war der erste, der sich damals in unser Gästebuch eintrug“, berichtet Margitta Haase stolz.

Margitta Haase vom Förderverein

Margitta Haase vom Förderverein

Quelle: MAZ

Die Vereinsvorsitzende erinnert sich an eine quälend lange Zeit des Bangens und Hoffens um den Erhalt des vor 122 Jahren etwas zu groß geratenen Kirchenbaus. Was 1894 von der deutschen Kaisergattin Auguste Viktoria und ihrem Kirchenbauverein zur Rückführung der revolutionär gestimmten Arbeiterschaft in den Schoß der Kirche geschaffen wurde, war spätestens ein Jahrhundert später für die örtliche Kirchengemeinde ein Klotz am Bein.

Der Verfall und die errechneten Sanierungskosten wuchsen der Gemeinde über den Kopf wie das Gestrüpp aus den Dachrinnen. Alle möglichen Hoffnungen zum Beispiel auf eine Umwidmung der Jakobikirche zu einer Stadtbibliothek zerschlugen sich bald. „Da also gar nichts klappte“, erinnert sich Margitta Haase, „wurde die Kirche einfach zugeschlossen.“ Und somit dem weiteren Verfall preisgegeben. Beschleunigt wurde dies vom sich ausbreitenden Schwamm und von zerschmetterten Fensterscheiben.

Gläubige und Nicht-Gläubige gründeten den Förderverein

Um dem Abhilfe zu schaffen, sammelte der damalige Pfarrer Detlev Riemer einige Leute um sich, die etwas dagegen tun wollten. „Da kamen dann noch einige Nicht-Gläubige dazu“, sagt Margitta Haase. Gemeinsam überlegten sie, wie man die Kirche in der Stadt lassen und erhalten kann. Drei Jahre lang wurde hin- und herüberlegt. Pfarrer Riemer schlug schließlich vor, einen Verein zu gründen. Damals waren es 20 Mitglieder, heute sind es 50.

„Damals hieß es, dass ein Sanierungsrückstau von 200 000 Euro bestehe“, weiß Margitta Haase noch genau, „das war eine damals für uns unvorstellbare Summe. Inzwischen haben wir diesen Betrag aber schon um das Vierfache überschritten.“

Jubiläumskonzert

Der Solotrompeter Hannes Maczey tritt am 26. November um 16 Uhr in der Jakobikirche auf. Begleitet wird er diesmal vom Organisten Andreas Kaiser.

Sie werden die Konzertbesucher in die Barockzeit versetzen.

Eintrittskarten gibt es in der Touristinformation Luckenwalde und an der Tageskasse.

Bereits ab 15 Uhr und auch nach dem Konzert gibt es Geburtstagskaffee und Gebäck – unentgeltlich.

Das gelang dem rührigen Förderverein mit Hilfe von Spenden, mit Eigenleistungen und dem Einwerben von Fördermitteln. Um den Eigenanteil aufzubringen, werden Konzerte organisiert oder das Gebäude an Konzertagenturen vermietet. Hinzu kam eine Viertelmillion Euro von der Stadt Luckenwalde für die Sanierung des Kirchturms, sodass insgesamt eine Million Euro schon überschritten ist.

Fensterbilder wie dieses sind in der Jakobikirche erhalten geblieben

Fensterbilder wie dieses sind in der Jakobikirche erhalten geblieben.

Quelle: unbekannt

Damit ist aber noch längst nicht alles erreicht. „Wir sind noch dabei, die Fenster zu sanieren“, sagt Margitta Haase. Das daure lange und sei kostenintensiv. Aber: „Wir haben uns darin verbissen, weil wir wohl laut dem Landesamt für Denkmalpflege ein ziemlich einmaliges und umfangreiches Ensemble an qualitativ hochwertigen Glasmalereien des ausgehenden 19. Jahrhunderts haben.“ Und das liege daran, dass an vielen anderen Kirchen, die auf Geheiß der letzten Kaiserin Auguste Viktoria gebaut wurden, in den 1960er-Jahren die bemalten Kirchenfenster gegen normales Glas ersetzt wurden, um mehr Licht in die Kirchen zu lassen. „Dazu fehlte damals in Luckenwalde das Geld“, so Haase. Und jetzt brauche man das Geld, um die damals verschonten Malereien zu erhalten.

Was wohl nicht so viel kosten wird, ist ein neues Gästebuch. Das alte ist nach fast zehn Jahren nahezu voll. Nun hofft der Förderverein, dass Altbischof Huber bald wieder in die Jakobikirche kommen wird, um sich auch als Letzter ins Gästebuch einzutragen. Über die Veränderungen in der Kirche dürfte er erstaunt sein.

Von Hartmut F. Reck

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